Montag, 24. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW30)

Diese Woche ist veröffentlichungstechnisch wirklich interessant, denn Gilead Media hauen gleich drei tendenziell coole Sachen von Post-Hardcore bis Black Metal raus, während außerdem ein paar unkaputtbare alte Helden mal wieder was neues am Start haben und das ist noch lange nicht alles...

COUCH SLUT - Contempt
Zur krasseren Ecke der Schublade „Noiserock“ irgendwo zwischen Today Is The Day, Brainbombs und Tinsel Teeth neigen die New Yorker COUCH SLUT. Krass, weil sie sowohl musikalisch eher derbe ausgerichtet sind und extremere Metal-/ Hardcore-Härtegrade erreichen und krass, weil die „Darstellungen“ drumherum auch schon mal etwas „expliziter“ ausarten, das dann allerdings mit weiblichem Twist anstatt mit misogynem Kunst-Image a la Brainbombs, Rectal Hygenics und co. ...
Das Debütalbum „„My Life As A Woman“ war schon ziemlich cool, umso gespannter bin ich auf den Nachfolger „Contempt“.



FALSE - Hunger
Neue 7“-EP der Black-Metaller, die auf ihrem unbetitelten Debütalbum durchaus damit zu überzeugen wussten, trotz episch-atmosphärischer Schlagseite eher in die hässlich-dreckigen Klangregionen a la Ash Borer zu neigen anstatt zu glättterem „Post- / Blackgaze“-Humbug wie Deafheaven.




LESS ART – Strangled Light
Curl Up and Die habe ich ja zugegeben nie wirklich gehört; die sich im Laufe ihrer Karriere immer mehr von sowas wie Punkrock mit Emo-, HC- und Heavy-Metal-Versatzstücken zu Post-Hardcore mit fast „artrockiger“ Kante entwickelt habenden Thrice wiederum fand ich ja phasenweise (!) immer wieder mal ganz gut; die in Richtung Noiserock neigenden Kowloon Walled City sind jetzt auch nicht sooo schlecht und die Spaß-Grindcoreler Puig Destroyer habe ich wohl durchaus auch schon mal an mein Ohr gelassen.
Mitglieder all dieser Bands fanden nun auch noch als LESS ART zusammen, um sich dabei auch eher in der Post-Hardcore-mäßigen Ecke einzupendeln. Weitere Stilreferenz-Stichworte: Fugazi, Drive Like Jehu. 




PAN DAIJING - Lack 惊蛰 
In „Experimental/ Avantgarde/ Electronica/ Noise/ Performancekunst/ …”-affinen Kreisen wird die in Berlin lebende PAN DAIJING bereits so ein bisschen als Sensation und schwer einzukreisendes Unikat gehandelt. „(…) a bridge between the world of experimental noise and dark, aggressive, dancefloor-oriented techno“ ist der Erklärungsversuch einer Event-Website, ich finds eigentlich nicht soooo weit weg von Pharmakon. Nur anders.
Auf Youtube kann man jedenfalls auch die eine oder andere Liveperformance von ihr finden, die…. wirklich interessant sind.
Mit „Lack 惊蛰” erscheint diese Woche ihr Debüt in Langspieltonträgerfassung, das sie selbst als „Opernstück“ bezeichnet.


 
THE SCREAMIN‘ GEEZERS – Demo
Altherren-Rock (im allerwahrsten Sinne des Wortes) aus Portland, Oregon: John Shirley gilt nicht nur als wegweisender Genre-Autor, der neben William Gibson und Bruce Sterling gerne mal vergessen wird (die „Eclpise“-Trilogie hat mich seinerzeit sehr geprägt) und u.a. das Drehbuch zum Film „The Crow“ verfasste, sondern er ist auch seit eh und je musikalisch. So war er in geraumer Vorzeit mal originaler Frontmann der Punk-Band Sado-Nation, schrieb diverse Lyrics für keine geringeren als Blue Öyster Cult und hat so oder so immer wieder mal  ein bisschen Musik gemacht, die man inzwischen teilweise auch bei Bandcamp kompiliert hören kann.
Mit THE SCREAMIN‘ GEEZERS hat Shirley im Alter von 64 noch mal eine neue Band am Start, die hiermit zwei Songs als digitales Demo vorlegt. Jene haben auf ihre rumpelrockige Art was von den Ramones und The Clash.
Free Download!




TCHORNOBOG- s/t
Hier noch ein Nachzügler von vergangenem Freitag, der gerade von Tad Doyle endorsed wurde: TCHORNOBOG ist eine dieser 1-Mann-Black-Metal-Bands, der man Tags wie „Atmospheric“ , „Ambient“ und „Doom“ mit anheftet, allerdings kommen hier dann auch noch Jazz-Vorlieben und daraus resultierende, eher Genre-fremde Instrumente wie Saxophon, Trompete, Cello und Piano dazu.
Bei zwei Songs grölt außerdem Greg Chandler von Esoteric mit.
Name your price!



 
TEMPLE OF VOID – Lords of Death
Wie der eine oder andere meiner drei Leser vielleicht schon bemerkt hat, hatte ich in letzter Zeit wohl mal wieder eher so eine Phase, in der mich klischeetriefender Metal eher weniger reizte, weil anderes einfach wesentlich interessanter ist.
Eine Band namens TEMPLE OF VOID mit einem Album namens „Lords of Death”… naja, das klingt schon auf dem Papier ungehört nicht sonderlich spannend für mich, sondern eher nach Genre-Stangenware. Aber obwohl ToV so einiges machen, auf das ich heutzutage eher allergisch reagiere – z.B. im gleichen Konzept sowohl Growls als auch Johlgesang auffahren zu müssen – so komme ich nicht umhin festzustellen, dass das bisher von „Lords of Death“ gehörte trotzdem ganz schön gut ist.




VELOS - Human Music/Otherworldly
Darf’s auch noch ein bisschen Elektronik sein? Auf Sonic Terror, dem Label von Drum'n'Bass-Könner End.user und n.l.i.c. erscheint eine Digitalsingle von VELOS, die entsprechend technoide Beat-Klatscherei bietet.


 

Außerdem…

ALICE COOPER – Paranormal
Nicht lachen, der Coop ist halt für immer einer meiner ganz großen alten Helden. Nach dem Gesetz der Serie neuzeitlicher Cooper-Alben müsste sein neues dabei wieder mal eines der besseren geworden sein, denn der Vorgänger „Welcome 2…“ (2011) war eine ziemliche Katastrophe, „Along Came A Spider“ (2008) davor war sehr stark, „Dirty Diamonds“ (2005) weitgehend verzichtbar (allerdings sehr starker Titelsong!), „The Eyes…“ (2003) ziemlich cool, „Dragontown“ (2001) völlig unnötig und „Brutal Planet“ (2000) saustark…

THE FALL - New Facts Emerge
Beim Ur-Indie Cherry Red erscheint diese Woche dann auch noch das gefühlt hundertste Album von Mark E. Smith‘ Postpunk-Dinosauriern THE FALL.


Ferner erscheint ein neues Album von PRONG, deren Prä-Revival-Kram ich nach wie vor liebe, aber bei denen ich dennoch mal ganz ehrlich sagen muss, dass Herrn Victor und seine neuen Mitstreitern seit Wiederaufleben hier und da über die letzten 14 Jahre zwar immer wieder mal ein paar gute Songs geglückt waren, jedoch kein auch nur ansatzweise essenzielles Album mehr.
Und das ist in puncto alte Helden immer noch nicht alles, denn Pantera’s REX BROWN veröffentlicht diese Woche ein bluesiges Soloalbum.


PS: Ich weiß nicht ob’s zwischenzeitlich verschoben wurde, oder ob ich mich ursprünglich mal beim Release-Datum verlesen habe, aber am 28.07. erscheint nun auch außerdem das von mir schon mal angekündigte, selbstbetitelte Debüt der kanadischen LOVIATAR via Prosthetic Records. Geboten wird ganz guter Doom zwischen esoterischem Heavy Folk, zeitgemäß-klarem (fast schon "postrockigem") Sound, einem Hauch von Neunziger-Alternative und sogar Echtmetall-Vibes. Wirklich nicht schlecht: loviatar.bandcamp.com

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