Freitag, 23. Juni 2017

Und sonst noch so? (2017er Resterampe, Teil 1)

Der Tage habe ich noch mal in die eine oder andere diesjährige Veröffentlichung reingehört, die um den Erscheinungszeitpunkt aus irgendwelchen Gründen durchs Raster fiel, aber auch mal eine Erwähnung wert ist:

CORPSE LIGHT – Mother of God
“Atmospheric Sludge/Doom from Baltimore, Maryland” sagt eigentlich schon ‘ne Menge aus, was man wissen muss. Man hat das alles natürlich irgendwie auch schon on origineller und spannender gehört. Was aber auch nicht heißen muss, dass man CORPSE LIGHT direkt ins Zweite-Wahl-Lager verbannen sollte.


El Yunque - Boxes
Irgendwas zwischen LoFi-Postpunk, “No Wave” und völligem Noise-Rumpelchaos (Harry Pussy, anyone?) ist die etwas unkonventionellere Musik dieser Truppe aus Hasselt, der zwar nicht jeder Song gelingt, aber die geilen Sachen auf „Boxes“ sind es dafür eben tatsächlich umso mehr!

HAWKS – No Cash Value
In Noiserock-Fankreisen gelten die HAWKS aus Atlanta schon länger als kommende Hausnummer, auf die man zählt.
Ihr aktuelles Album erschien im Februar über Learning Curve Records aus Minneapolis:


HEAVY HARVEST – Rats
In das Neunziger-Revival reihen sich auch die Schweizer HEAVY HARVEST ein, die ganz schön amerikanisch klingen und Erinnerungen an Helmet, Quicksand, frühe Nirvana u.ä. wecken. Nice!


HERSENCELLEN – We Ploeteren Voort
Artsyfartsy-wirres aus Belgien: Hinter HERSENCELLEN verbirgt sich eine Zusammenarbeit zwischen DJ, Produzent, Live-Elektroniker und Schlagzeuger Butsenzeller und dem Schriftsteller Gert Vanlerberghe.
Das Ganze ist eine echt seltsame Geschichte mit Jazz-Anflügen auf der einen, Synthies und Bollerbeats auf der anderen Seite und sogar noch einem gelegentlichen Abrutschen zum Punk (‘Saboteer‘).


IT IT ANITA - Agaaiin
Komischer Name? Sind ja auch ebenfalls komische Belgier. Die im Übrigen als Einflüsse bzw. eigene Vergleichsreferenzen auf ihrer Facebook-Seite Fugazi, Metz, At The Drive-In, Mogwai und Sonic Youth angeben und behaupten, dem „Krach der Neunziger einen eigenen Twist“ zu verleihen.
Wie gut oder nicht ihnen das gelingt sollte der Hörer wohl selbst entscheiden, schlecht geht allerdings auf jeden Fall anders:



MAGGOT HEART – City Girls
Obwohl ich bereits Vorankündigen dazu mitbekommen hatte, war es mir bei Veröffentlichung vor einigen Wochen dann ja doch irgendwie durchgerutscht. Einen Hauch hat das wohl auch was mit dem Reflex zu tun, nicht ins gleiche Horn tuten zu wollen wie gewisse Metal-Vorkoster, die wirklich jeden mäßig originellen Mumpitz abfeiern, dessen Protagonisten mal an ‘nem okkulten Buchladen vorbeigegangen sind und dabei schicke Patronengurte tragen können…
Wie dem auch sei: Linnéa Olsson war schon u.a. mit einer anderen Blondine zusammen Kernmitglied der kurzlebigen The Oath und danach auch mal kurz als Gitarristin beim Beastmilk-Sequel Grave Pleasures dabei.
Bei ihrem neuen Ding MAGGOT HEART kommen Mitglieder der aufgelösten In Solitude hinzu und es geht dementsprechend auch in eine Richtung, die zwischen erdigem Echtmetall alter Schule und punkigen Düsterrock-Vibes angesiedelt ist und, ja ich gebe es zu, zwar nicht weltbewegend aber ganz gut ist.



NEARLY DEAD - Idyllic Evening
Über Learning Curve Records kommt auch diese 10” von NEARLY DEAD, die mit ihrem fuzzy-noisigen Weirdo-Punk samt Trompeten-Unterstützung ein bisschen an die Cows erinnern.


NY IN 64 - The Gentle Indifference of the Nigh
Instrumental-Rockmusik muss man dieser Tage auch erst mal so hinkriegen, dass man nicht langweilt oder in eine schon von anderen genug ausgeschlachtete Kerbe schlägt.
NY IN 64 aus New Jersey schaffen es evtl. damit, eher zum etwas kräftigeren als zum übermäßig atmosphärischen zu neigen und ferner auch damit, nicht gleich zu sehr in progige oder mathige abzudriften.


PIQUET – Heywawisze
Dass etwas seltsame Bands aus Belgien mit irgendwie noiserockigen Tendenzen, die ihre eigene Nische finden, eigentlich schon länger ‘ein Ding‘ sind, das ist etwas, auf das wir uns durchaus einigen können, oder?
Packt in diese Schublade vielleicht auch mal PIQUET mit rein, die einerseits leicht poppigen Indierock mit Frauenstimme machen, der andererseits trotzdem etwas schräg und schrammelig-krachend daherkommt. Nicht uncool!


ROPE SECT - Personae Ingratae
In einem Atemzug mit Maggot Heat (s.o.) werden aktuell auch gerne mal ROPE SECT genannt, denn sie sind ebenfalls eine gothrockig angehauchte Band, die interessanterweise mitunter sehr auffällig im besonders truen Teil der Metal-Szene stattfindet. Was so weit geht, dass sich das vor allem für Gerumpel mit Finster-Image bekannte Label Iron Bonehead der Aufgabe aufgenommen hat, das zuvor als Tape erhältliche „Personae Ingratae“, das einen gewissen Garagen-Charme versprüht auf Vinyl zu pressen.
Ganz ehrlich? Nicht schlecht, aber mich hauts ja jetzt auch nicht gerade um…


SLUG13 - Chasing A Prize Worth Nothing
Auch die britischen SLUG13 schreiben sich von meiner Seite aus sehr geschätzte Haupteinflüsse wie The Jesus Lizard, Tad und Amphetamine Reptile gleich mal eben ganz offiziell direkt auf die Fahne. Das macht sie als gerade erst auf den Zug aufgesprungene Band vielleicht nicht übermäßig originell, aber zumindest erst mal relativ sympathisch.
Produktionstechnisch kann man das glaube ich auch noch einen Ticken besser hinkriegen als auf „Chasing A Prize Worth Nothing“, aber ein gewisses Potenzial birgt ihr breitbeinig-unsaniger Nosierock durchaus. 


YC-CY - Todestanz
Und zum Schluss sind wir gleich auch noch mal beim Stichwort Noiserock. Die Schweizer YC-CY hauen ihr erstes richtiges Album nach einem letztjährigen Demo raus und wissem mit ihrem wirklich lärmigen Post-Punk, der nicht unbedingt durch die generischsten Schablonen gepresst wurde, durchaus zu gefallen! 


Kommentare:

  1. was eine geil kuratierte zusammenstellung im zeichen des hashtags noiserock. danke, wieder mal. jedes mal :-)

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    1. Es sollte eigentlich auch noch mal eine Doom-lastigere Halbjahresresterampe folgen, aber mir hat's mal wieder unerwartet die Notizdatei zerlegt...

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