Donnerstag, 22. Juni 2017

Halbjahreslieblinge

Um es kurz zu machen: Normalerweise finde ich sowas wie eine „die besten Alben des Jahres so far“-Halbjahresbilanz aufzustellen eher albern, u.a. auch weil ich Fenriz‘ Meinung teile, dass 1.) Musik kein Wettbewerb ist und man 2.) Alben und andere Veröffentlichungsformate nicht zu sehr voneinander abgrenzen sollte. Aber irgendwie hatte ich gerade trotzdem mal Bock drauf.

Folgend ‘ne alphabetische Top 5 und obendrauf noch ein paar “Honorable Mentions”:

ANWAR SADAT – Ersatz Living
Von Bauhaus zu Godflesh und wieder zurück: Auf früheren Releases war das Quartett aus Louisville interessanterweise gar nicht mal so rabiat, düster und kantig wie auf „Ersatz Living“. Ihr 2013er Album „Gold“ z.B. klingt dagegen fast schon brav und unspektakulär.
Keine Ahnung, was genau in der Zwischenzeit passiert ist, aber aktuell präsentieren sich ANWAR SADAT auf einer Bandbreite von düsterem Postpunk über derben Noiserock bis hin zu sowas wie wütendem Industrial-Metal, bei der jeder Song ins Schwarze trifft. 
Erinnert mich fast schon ein bisschen an die Entwicklung, die Dope Body auf ihrem letzten Knalleralbum „Kunk“ vollzogen, nur ist hier halt insgesamt noch etwas mehr stilistische Breite, Weirdness und Punch am Start.



BOSS HOG – Brood X
Eines meiner beiden aktuellen „Gute Laune, Sonnenschein“-Alben, die in letzter Zeit recht häufig rotierten, ist tatsächlich die neue BOSS HOG.
Hätte ich selbst nicht gedacht, aber es ist schön sie zurück zu haben, mit dieser ziemlich poppigen Schlagseite, die trotzdem auch Ecken und Kanten hat.
„Brood X“ macht wirklich von vorne bis hinten einfach nur Laune und Christina Martinez hat über die Jahre musikalischer Inaktivität wirklich gar nichts von ihrem Charisma verloren…



PHOBIA - Lifeless God
Make Grindcore great again! Oder auch: Das Back-to-„Cruel“-Form-Album, auf das ich schon so lange gewartet habe!
Punkiger, angepisster und energischer, songorientierter denn je!



PISSED JEANS – Why Love Now
Die Posterboys selbstironischen Vollerwerbstätigen-Punks und ich, wir sind irgendwie wie füreinander geschaffen und so ist‘s auch mit „Why Love Now“:
Ob ein zähfließender Sludgerocker über hypochondrische Todesangst (Waiting On My Horrible Warning), ein fast schon als Hitsingle durchgehender und beim zweiten Blick gar nicht mal so unclever arrangierter Gassenhauer mit albernem Hochglanzvideoclip (The Bar Is Low), sich an virilen Antics hochziehender Dada-Jazz (I'm A Man) oder einfach nur saugeil fetzende Songs, die teilweise fast schon ins etwas metallische rutschen (Ignorecam, It's Your Knees) – einfach alles an PISSED JEANS und ihrem aktuellen Album ist und bleibt
einfach nur großartig.



VALBORG - Endstrand
Apropos Selbstironie: Auch VALBORG können die, allerdings ist ihre Musik dann ja doch ungleich böser.
„Endstrand“ ist vielleicht nicht ganz so ein ‘Hitalbum‘ wie es „Nekrodepression“ sofort für mich wurde, aber in seiner musikstilistisch immer wieder mal etwas unorthodox zusammengeführten Dunkelheit und Brachialität, aus der dennoch immer wieder mal durchblitzt, dass man das alles bzw. sich selbst dabei auch nicht zu ernst nehmen sollte, ist es sowas wie der Mittelweg aus Triptykon und den Melvins. Und Eisenvater, u.a. wegen der seltsamen deutschen Texte.
Und das ist dann alles in allem wohl einfach haargenau mein Ding.



Honorable Mentions:

BUILDINGS – You Are Not One Of Us
Minneapolis-Noiserock at it’s very best!
Sehr gute Band, auch live!


CRYSTAL FAIRY – s/t
Das andere meiner beiden aktuellen „Gute Laune, Sonnenschein“-Alben. Und was soll ich sagen, die Kombination aus Melvins-Sound, Rodríguez-López-Handauflegung und etwas exzentrischer Frontfrau funktioniert perfekter als gedacht.


DEPHOSPHORUS – Impossible Orbits
Dass sich die Grind-Griechen auf ihrem aktuellen Teil wesentlich kompakter und rauer präsentieren, als die noch etwas ambitioniertere Richtung weiterzuverfolgen, welche das (Doppel-)Album davor einschlug, das finde ich ja eigentlich sogar ganz cool!



HARVESTMAN - Music For Megaliths
Die  ziemlich „auf den Punkt“ geratene neue von Steve Von Till’s Ambient/ Drone/ Psychedelic Soloprojekt war schon ein paar Wochen am Stück im Mai und Anfang Juni tatsächlich sowas wie mein meistgehörter Feierabendsoundtrack, denn das Teil hat schon was (nicht lachen) von einem wohltuenden Klangbad…



USA/MEXICO – Laredo
Herren der Butthole Surfers und von Todd / Shit and Shine machen gemeinsame Sache und es klingt dann auch noch genauso… herrlich LoFi und heavy!


WIEGEDOOD - De Doden Hebben Het Goed II
Wenn Black Metal zwischen räudiger Raserei und atmosphärischer Epik, dann exakt so!




(Persönlicher Erkenntnisgewinn dabei: Dafür, dass ich mich letzter Zeit eigentlich immer mehr in ‘experimentellere‘ Gefilde stürze, bzw. mich immer Metal- und ‘Standartrock‘-müder gebend zu Hause immer öfter vor allem irgendwelches Drone-Gewaber, Noise-Gesurre oder Neokraut-Geplucker rotieren lasse, dafür sind die über die letzten Monate am meisten und liebsten gehörten Sachen, bzw. die bisherigen diesjährigen Veröffentlichungen, die irgendwie Eindruck hinterlassen haben, dann ja interessanterweise dennoch oft die eher etwas ‘konventioneller rockenden‘ - go figure! Junge aus Dorf, Dorf aus Junge und so weiter…)

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