Montag, 29. Mai 2017

Dieser Tage raus (KW22)

Ganz schön vielversprechende Woche, was musikalische Neuerscheinungen angeht:

CLOUD RAT / DISROTTED – Split LP
Und schon wieder ‘ne Split mit CLOUD RAT Beteiligung, man kommt ja fast nicht mehr mit.
Dieses mal taten sich die Ausnahme-Grinder mit den Sludgern von DISROTTED zusammen.



ELDER - Reflections of a Floating World
Irgendwie hatte ich ELDER in der Vergangenheit
ursprünglich ja mal eine Zeit lag so ein bisschen als “nicht sooo mein Fall” abgetan, um dann erst etwas später festzustellen, dass ihr 2015er Album „Lore“, das gekonnt quasi eine Brücke vom Stoner Rock zum Progressive Metal schlägt (was ich jetzt als nur grobe stilistische Anhaltspunkte verstanden haben möchte), eigentlich doch ziemlich toll ist. Die kompositorischen Schnörkel ihrer sehr lebendigen Songs sprechen schon irgendwie eine eigene, sehr schöne Sprache, während das Ganze dann auch noch mit dröhnigem Sound drückt und einen ziemlich spielfreudigen Energiepegel hat.
Weswegen ich ja doch recht gespannt auf das neue Album bin.



ENDON – Through The Mirror
Seit wann und warum genau sind die eigentlich schon mal offiziell ad acta gelegten Hydra Head Records eigentlich doch wieder so richtig dabei? Na, egal…
Zu ihren aktuellen Zugpferden scheinen sie
jetzt auf jeden Fall die japanischen ENDON zu zählen. Jene haben mich mit ihrem “Catastrophic Noise-Metal” bisher noch nicht so richtig vollends überzeugt, immer wieder mal reinhören tue ich aus Interesse allerdings trotzdem, wenn was neues von ihnen kommt, denn irgendwas muss ja dran sein…



HEBOSAGIL – Fortuna
In den späteren Neunzigern pflegte man in Metal-/ Alternative-/ Punkrock-Umfeldern ja so ein bisschen das Klischee des ‘verrückten Finnen‘, zumal gerade auch im Kreis der Gitarrenmusikanten tatsächlich viele Zeitgenossen aus Suomen tasavalta, dem Land der tausend Seen, einen sympathischen aber doch ziemlichen Sprung in der Schüssel zu haben schienen.
HEBOSAGIL halten diese Fahne eine Generation später mit ihrem gerne mal etwas entrückt rüberkommenden, finnischsprachigen Sludge-Rock/ Noise-Punk noch mal hoch. 
Vergangenen Sonntag veröffentlichten sie mit „Fortuna“ überraschend eine neue EP digital, auf der sie eine etwas "postrockigere" bzw. getragenere Facette von sich zeigen:




HEY COLOSSUS - The Guillotine
Liegt‘s an meiner persönlichen, selektiven Musiknerdmikromosmos-Wahrnehmung, oder erscheint aktuell tatsächlich sehr viel interessante Rockmusik zwischen, nun ja, 'avant-psychedelisch' und krachig aus London (und weiteren Teilen des Königreichs)?
HEY COLOSSUS gibt’s jedenfalls auch schon ‘ne ganze Weile und auf „The Guillotine“ präsentieren sie sich von einer klanglich ziemlich skelettierten Seite, die das Ganze auf mich wie eine trocken-britische Version der Young Widows („In and Out of Youth and Lightness“) wirken lässt.
Dazu muss ich sagen, dass ich jene dagegen dann doch klar bevorzuge, einen gewissen Charme haben HEY COLOSSUS jedoch auch hier, sowie so oder so.



PHOBIA - Lifeless God
Ich hab’s schon öfter gesagt und ich sag’s noch mal: PHOBIA’s 2006er „Cruel“ ist eines meiner absoluten Lieblingsalben! Auf jenem zeigten sich die seit Beginn der 90er aktiven Polit-Grindcoreler nämlich von ihrer ‘auskomponierstesten‘ und Hits nur so in Serie rausfeuernden Seite.

Ob sie da mit ihrem neusten Album noch mal anknüpfen können wird sich nach einiger Rotation dann erst noch zeigen - zumindest mehr als solide ballern wird’s aber ohne Frage wieder mal…



SHITKID – Fish
Musikalischen Geschichten, die sowas semi-amüsantes irgendwo zwischen obskurem Internetphänomen und Outsider-Kunst sind, konnte ich schon immer sehr viel Sympathie entgegenbringen.
SHITKID (jaha) ist so ein Fall, allerdings doch ein Stück weit 'ernster' und als Live Act im Real Life verankert. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich nämlich eine junge schwedische One-Girl-Band mit Drumcomputer, die in gleichen Teilen einen gewissen Grad an Beklopptheit,
weiblichen Charme und coole Garagenrock-Vibes versprüht.
Am besten mal ins Vorprogramm von Boss Hog stecken oder zu einem Duett mit Bob Log III überreden…




SLY & THE FAMILY DRONE / DEAD NEANDERTHALS – Molar Wrench
Dass Hominid Sounds aus London das Zeug dazu haben, sich zu einem dieser spezielleren Lieblingslabel von mir zu mausern, das hatte ich glaube ich letzte Woche schon erwähnt und werde es ihrem Veröffentlichungskalender nach kommende mutmaßlich schon wieder…
Diese Woche haben sie jedenfalls eine Kooperation der britischen Noise-Truppe SLY & THE FAMILY DRONE und der niederländischen Heavy-Jazzer DEAD NEANDERTHALS am Start.
Was ‘ne ziemlich wilde Sache ist, aber ohne Scheiß, ich steh‘ auf sowas!




THE JANITORS - Horn Ur Marken
Gleich drei neue Releases haut das britische Label Riot Season Records diese Woche raus. Darunter dieses Album der schwedischen Fuzzrocker THE JANITORS, die ihre Weltanschauung wie folgt definieren:
Discard all thoughts of borders, gender, race or origin, we are all the same. Leave this place to our children with the knowledge that you did all you could to help everyone. Don't let greed pollute your mind. Rid your fears. Solidarity will stand.




TUBER – Out Of The Blue
Den Titel kann man wörtlich nehmen, denn die griechischen Instrumentalrocker TUBER, die sich mit einer sehr guten Performance voller Dynamik und Groove einst beim Freak Valley Festival spontan sehr viele neue Fans zu erspielen wussten, haben ihr neues Album jetzt gerade eben ziemlich aus heiterem Himmel in den digitalen Äther gewuppt.
For Fans of: Maserati, Long Distance Calling, etc.




USA/MEXICO - Laredo
Riot Season zum zweiten und nicht nur das: Hier machen Craig Clouse von Shit And Shine und Todd und King Coffey of Butthole Surfers Fame gemeinsame Sache! 
Da weiß man dann Grunde genommen auch schon vorher: Es wird höchstwahrscheinlich eher ein bisschen schräger und krachiger, aber das dann auch im allerbesten Sinne…



VINDKAST - Archaic Collapse
Parallel zu ihren ebenfalls diese Woche veröffentlichten, aber noch nicht ‘streambaren‘ Label-Kollegen Progenie Terrestre Pura (s.u.), sind auch VINDKAST eher in der atmosphärischen, doomigen, Ambient-lastigen Weltraumstartrampen-Ecke der Black Metal Botanik zu verorten.
Und das hat man vielleicht auch schon mal spannender gefunden als auf „Archaic Collapse“, aber auch schon mal in schlechter gehört!  



WORST - MMXVII 
Und bei Riot Season sind dieser Woche aller guten Dinge drei: Bei WORST wird dieser gerade auch aus Richtung Großbritannien (sowie Skandinavien) zuletzt fast schon etwas inflationär bemühte Bogen gespannt, Krautrock-Einflüsse (Can, Neu) und Noisepunk-Schlagseiten (Brainbombs, Flipper) als Stilreferenzen anzugeben.
Haben wir kurz drüber noch Todd und Shit And Shine (Remember „Ladybird“?) erwähnt, gehen WORST mit ihrem auf epische Spiellänge ausgewalztem Minimalismus-Gedröhne, das dann noch in Alarm mit der groben Sludge-Kelle abrutscht, in eine ganz ähnliche Richtung.
 



YASS - Night Wire
Ursprünglich schon mal für’n Monat eher angekündigt, erscheint jetzt wohl mit etwas Verspätung das zweite Album von YASS, dem Synthie-lastigen Ableger der BaWü-Noiserocker Kurt und Ten Volt Shock.
Schon das erste Album machte sehr viel Spaß, also wird das zweite auch noch im heimischen Plattenregal landen…


 
ZIFIR - Kingdom Of Nothingness
Als türkische Black-Metal-Band haben ZIFIR natürlich schon auch so einen leichten Hauch von Exotenbonus.
Das mit dem frostig-klirrenden Sound und einer leicht abweisenden Räudigkeit haben sie dabei zwar schon so gut drauf, dass sie fast ein bisschen zu sehr im Klische-Schneematsch stecken, allerdings hat ihr Songwirting dabei dennoch eine etwas eigene Handschrift, die nicht ganz unspannend ist. 
 



Rerelease
NADJA - Touched
„Touched” war ja tatsächlich mein Erstkontakt mit NADJA und es fühlt sich entsprechend auch wirklich ewig her an, dass ich zu dem Teil in meiner Studentenbude ein Review geschrieben habe, das damals in einem nach wie vor existenten Magazin zu lesen war, für das ich heutzutage keine Werbung mehr machen möchte…
Ursprünglich mal 2003 als Debütalbum erschienen, gab es 2007 dann schon mal einen Remaster-Rerelease mit Bonus-Track, von dem uns das belgische Label CONSOULING SOUNDS jetzt ‘ne DoCD-Special Edition zum zehnjährigen Jubiläum mit weiterem Bonusmaterial kredenzt (ja, es ist fast schon etwas verwirrend).


Außerdem
# Die 'Post-Metaller' CODEIA veröffentlichen diese Woche das Album “Don't Be Afraid She Whispered And Disappeared” bei Backbite Records: backbiterecords.tictail.com

# PROGENIE TERRESTRE PURA gehören der spezielleren Subsubgenre-Gattung „Space-Black-Metal“ an: avantgardemusic.bandcamp.com/album/oltreluna
# Last but not least erscheint diese Woche mit "30 seconds to the decline of Planet Earth" ein (weiteres) Kollaborativ-Album von JESU und SUN KIL MOON bei Caldo Verde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen