Donnerstag, 6. April 2017

Wolf Eyes…

Eigentlich bin ich ja viel zu alt und eingefahren für spontane Konzerttrips unter der Woche, die über ‘ne Stunde aus der Stadt raus stattfinden. Noch dazu hasse ich Köln ja eigentlich regelrecht. Als ich allerdings gestern Nachmittag ziemlich zufällig im Netz darauf stieß, dass WOLF EYES noch am gleichen Abend in der ambivalenten Dommetropole aufspielen, bin ich dann doch mal hin.
(Ich hatte nämlich wohl, während ich ausnahmsweise mal nix anderes vorhatte, einfach irgendwie Bock auf Auswärtszerstreuung, die meinen aktuellen Hörgewohnheiten und Interessen einen Tacken mehr entgegenkommt als die unter „Standard“ verbuchten Rock-/ Metal-Konzerte, die man dieser Tage mal wieder so um die Ecke haben könnte…)
Unglaublich jedenfalls, wie smooth sowas trotz aller Widrigkeiten dann doch mal so laufen kann: Extra schon eher spät als früh aufgebrochen, habe ich mich nach der einzigen Großbaustelle von Autobahnnetz, die man erst mal hinter sich bringen muss, zwar in die Stadt rein herbestens verfranzt (fragt nicht, wie ich das geschafft hatte… das ist wohl einfach der Köln-Fluch…), dann allerdings in unmittelbarer Nähe der Location „Gewölbe“ im Univiertel problemlos einen zu der Zeit bereits kostenfreien Parkplatz ergattert (in Köln alles andere als selbstverständlich), um nur 1-2 Minuten bevor WOLF EYES die Bühne betraten in den Laden zu stolpern.
Geht doch!?

 

Die Mitte der Neunziger gegründeten WOLF EYES sind mit ihrem dreistelligen Output jedenfalls so eine Sache für sich. Ihre Musik geht Richtung Noise/ Dark Ambient/ Industrial/ Klangkunst, ist aber immer wieder doch ein bisschen anderes als das, was man mit solchen Stichworten assoziiert.
An diesem Abend konnte man diese seltsame Eigendynamik der Detroiter aus nächster Nähe in voller Pracht erleben: In der Mitte der kleinen Bühne steht Nate Young, Baseballcap und coole Sonnenbrille, faselt was ins Mikro, das er direkt knöpfchendrehend mit Effekten verfremdet, spielt zwischenzeitlich gar mal verzerrte Mundharmonika, dreht minimalistisch stampfende Rhythmen aus der Konserve hoch und wieder weg.
Auf der einen Seite neben ihm der bärtige James Baljo mit Gitarre, immer wieder seltsame Klanglandschaften ausmalend. Auf der anderen Seite John Olson mit alberner Retrofutur-Sonnenbrille – der zwischen Saxophon und anderen Blasinstrumenten, Rasseln und Tamburin hin- und herwechselt und zwischendurch einfach nur mal mit leerem Süßigkeiten-Verpackungsmüll am Mikrofon Raschellärm macht.
Das Ganze baut sich im Rahmen halbstündiger Stücke immer wieder zu einem surrealen Klangbrei auf, der eigentlich nicht so wirklich durchdacht wirkt und auch nicht immer so 100%ig Sinn zu machen scheint, aber eben genau das ist dann irgendwie auch die selten-kaputte, faszinierende Schönheit an dem, was das Trio da veranstaltet.

 
Cool, dass ich da nun besser spät als nie den Haken dran habe, mir das mal angetan zu haben. Morgen in Brüssel spielen sie übrigens zusammen mit Author & Punisher. Geiles Package!

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