Donnerstag, 30. März 2017

Swans…

Keine Ahnung, ob ich derzeit vielleicht einfach so ein bisschen übersättigt bin, es so eine Alterssache ist oder sonstwas, aber dafür, dass sich SWANS mit ihrer aktuellen Reinkarnation noch mal zu einer ziemlichen Lieblingsband von mir mausern konnten, dafür hielt sich meine Vorfreude, sie im „Ausläufer“ eben dieser noch mal live zu sehen, seltsamerweise zunächst erst mal etwas ins Grenzen.
Wie ich schon beim Release des aktuellen Albums „The Glowing Man“ sinngemäß feststellte ist es ja irgendwie auch Meckern auf hohem Niveau, sich vom Gefühl beschleichen zu lassen, dass Michael Gira und seine Mitmusiker jetzt auch mal (vorerst?) alles gesagt haben, was man in ausufernden Song-Epen zwischen Postrock-Spannungskurven und Noise-Soundwällen mit Meditativcharakter so sagen kann. Aber dieses Gefühl ist halt da. „The Glowing Man“ ist ein gutes Album, aber es ist nicht ganz so bestechend wie der direkte Vorgänger „To Be Kind“ und beileibe nicht so umwerfend oder spannend wie das 2012er „The Seer“ regelrecht die eigenen Hörgewohnheiten auf den Kopf stellen konnte…

Sei’s drum: Das Dortmunder FZW ist mit seiner für mich sehr günstigen geographischen Lage und dem dort eigentlich meistens okayen bis gutem Sound trotzdem eine Gelegenheit, SWANS noch mal wieder zu sehen, die einfach zu gut passte um sie auszulassen.
Als Opener fungierte dabei LITTLE ANNIE. Eine, nun ja, schon etwas betagt wirkende Dame, die auf Kooperationen mit Bands wie Crass und Coil zurückblicken kann und ihren Auftritt mit dem ‘Folsom Prison Blues‘ begann, begleitet von einem gewissen Paul Wallfisch (zu dem gleich noch), der dazu auf allem, was sich ihm beim Gang über die Bühne anbot, Percussion spielte und sich für den Rest des Gigs hinter die Swans’sche Verstärkerwand ans E-Piano setzte.

Bei allem Respekt: Man merkte dem Publikum nach mehr als einer halben Stunde dann aber auch irgendwie an, dass es dann auch mal gut war, denn beim Erreichen der 40min-Marke waren dann doch mehr Unterhaltungen in der überschaubar besuchten großen Halle auszumachen als noch Leute andächtig lauschten wie zu Anfang…
Eine Äußerung zwischen den Songs, die das Thema Drogen beinhaltete brachte das Publikum allerdings zum lachen und ihr Mitmusiker Wallfisch schmunzelte „Ah, Dortmund…“
Das Witzige an diesem Herren: Ich sah ihn 2009 mal live, zusammen mit Bee & Flower in einer Kellerbar in Manhattan. Danach war er dann irgendwie mal für eine Zeit lang Intendant am Dortmunder Theater. An diesem Abend kehrte er zu seiner ehemaligen Wirkungsstädte zurück und nahm als aktueller Keyboarder der SWANS auch noch ein zweites mal Platz auf der Bühne.    

 

SWANS wiederum – nun ja: Geil, einfach nur geil. Obwohl ich wusste, was mich erwartet und die Sache im Vorfeld als „ein bisschen überm Zenit“ sehen wollte, war es halt einfach nur geil.
Dass Thor Harris aktuell nicht mehr dabei ist, ist zwar irgendwie schade, aber wie die von Michael Gira in Messiasposen geleitete Band Aufbauten orchestral anmutenden Monumentallärms hochzieht, die dann einfach nicht mehr aufhören, sondern
hypnotisierend immer weitermachen, das lässt einen schon mal alles um sich herum vergessen.
Und obwohl ich - abgesehen von etwas bisher unveröffentlichtem Material, das üblicherweise an diesem Abend auch gespielt wurde – mit dem, was da passierte eigentlich schon gut vertraut war, sprangen mir in den Momenten, in denen ich mich nicht in einem meditativen Stadium befand immer noch neue Erkenntnisse zu. Z.B. die eigentlich auf der Hand liegende, wie geil-funktional das auf dem Punkt pumpemde Bass-Spiel von Christopher Pravdica eigentlich ist.

 
Auf jeden Fall war’s geil, auch wenn ich mich wiederhole, und wohl definitiv eines der Konzerthighlights des noch nicht so alten Jahres.
Die hässlichen Shirts waren im Übrigen mit ‘nem Zwanni ca. fünf Euro zu teuer, dafür wiederum muss man allerdings sagen, dass die Tonträgerprise völlig okay waren. Bei 25 für ‘ne 3er-LP kann man nicht meckern und dass die „Soundtracks For The Blind“-DoCD wieder neu aufgelegt wurde ist auch zu begrüßen.

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