Dienstag, 8. November 2016

Konzertmarathon

Freitag 04.11. - „LeafMeal Warm Up“
Eigentlich wollte ich an diesem Abend zu Wiegedood, Blckwvs und [bolt] in Essen, was allerdings abgesagt wurde. Also schon mal gleich ins LeafMeal-Feeling starten und sich in unmittelbarer Nähe des Dortmunder U zunächst den Hardrock von CHEROKEE im Blackplastic und dann noch im Tapir den Stoner-Doom der Jungspunde MOTOROWL und eine Unplugged-Show von HEXVESSEL angucken. Die Biere fließen, Buddies am Start, netter Abend…

Samstag 05.11. – LEAFMEAL (FZW)
Tja, was soll ich sagen. Bitte fragt mich jetzt nicht, warum ich weder bei Boss Hog in Köln, noch bei John Carpenter in Oberhausen war, sondern dann doch lieber auf das buchstäblich vor der eigenen Haustür stattfindende Mini-Wacken gegangen bin, für das mein freier Eintritt und VOIVOD sprachen...
VOIVOD sind halt eine meiner absoluten Lieblingsbands (mit der ich – dicke Hose an - im Übrigen auch schon mal selbst die Bühne geteilt habe) und sie mit vielen Freunden und Bekannten zusammen nur zehn Fußminuten vom eigenen Sofa entfernt sehen zu können, da sprach dann halt auch einiges für…
Los ging‘s allerdings erst mal schon früh um 14:30 erst mal mit dem deutsch-australischen Duo POWDER FOR PIGEONS, die ich nach Freak Valley und Dortmunder Hafensparziergang schon zum dritten mal dieses Jahr sah und die mit ihrem knackig-harten Stoner Rock nach wie vor Spaß machten. Spitzenliveband, immer wieder gern!

 

Auf der großen Hauptbühne geht’s mit den niederländischen GINGERPIG weiter, die okay sind, mir aber doch einen Hauch zu sehr „Musik, die der Progrock-Opa im Wohnzimmer goutiert“ als etwas, das mich live umhaut.
Zu ALBEZ DUZ sage ich jetzt mal: Don’t believe the hype! Keine Ahnung, wie die Berliner auf Konserve so sind, aber bei dieser Livebegegnung verkörpern sie für mich alles, was ich an dieser Art von Metal, die vermeintlich trver than you ist, mitunter auch so verachten kann. Die optische Erscheinung und Posing passen halt in die richtigen Klischeeschubladen und die Band gebärt sich bereits wie’n Co-Headliner, aber was der eitle Sänger da stimmlich so abliefert wird dem eigentlich nicht wirklich gerecht. Ne, lasst mal.
Auf die VILLAGERS OF IONNINA CITY war ich sehr gespannt, da einige Bekannte bereits eine hohe Meinung von ihnen haben. Die Griechen machen sowas wie kräftigeren Stoner-/ Psychedelic Rock mit langen Instrumental-Passagen, der mit Folk-Elementen durch Einsatz von Klarinette (!) und Dudelsack (!!) garniert wird. Nicht wirklich schlecht, aber mit dem ganzen Leiertröt-Gedudel auch nicht so wirklich meins.
SAHG auf der Clubbühne – auch so ein „kann man machen, muss aber nicht unbedingt“-Ding.
SECRETS OF THE MOON wiederum finde ich grundsätzlich zwar gar nicht mal sooo schlecht, aber so einen ganzen Gig der immer mehr vom harten weg ins atmosphärische driftenden Band in so einem Rahmen durchzustehen ist auch so eine Sache. Ach, ich weiß nicht, eigentlich hinterlässt mich diese Band seit eh und je so ambivalent.
Während KETZER, der nächsten Klischeeposertruppe, gehe ich dann sogar lieber mal schon eben mal die limitierte Voivod / Entombed A.D. Splitsingle kaufen und nach Hause bringen. Wie gesagt, da bin ich halt echt Fanboy.

 

Und dann ist es auch soweit: VOIVOD! Und jo, wenn ich wollte, könnte ich hier was an der teilweise schon etwas standardisierten Setlist mäkeln und daran, dass Dan Mongrain’s Performance an diesem Tag einen Hauch nachlässig (Gitarre) und drüber (Gesicht und Gehampel) scheint, aber bei VOIVOD bin ich halt trotzdem recht voreigenommen und finde sie in ihrer aktuellen Inkarnation so brauchbar, dass ich mir auch an diesem Abend mal wieder einen Ast über „Killing Technology“, „Tribal Convictions“, „The Prow“, „Post-Society“ oder das obligatorisch abschließende Floyd-Cover freue.
 

Um die Hochstimmung ein bisschen beizubehalten geht’s direkt zur Clubbühne, wo LORD DYING aufspielen. Jene sind zwar sowas wie High On Fire Light, machen für 3-4 ihrer rock’n’rolligen Songs mit 1-2 Bier im Kopp aber Laune. 

Bei ENTOMBED A.D. und ihrer von Fans im Internet gewählten Setlist kriege ich dann aber leider auf ein mal zu viel. L.G. Petrov ist zwar ein supersympathischer Typ, aber wie der Sangesklops da oben seinen Bierbauch über die Bühne schleppt und Bier gurgelnd sein schütteres Langhaar schüttelt, während seine Begleitband geliebte Kracher wie „Eyemaster“ und „Say In In Slugs“ (worüber meine Freude eigentlich sehr groß war) runterrödelt, dabei aber tatsächlich eher so ‘n bisschen nach ‘ner Coverband als authentisch klingt – irgendwie habe ich da auf ein mal keinen Bock mehr. 
 
Als Finale kamen dann noch AVATARIUM. Ganz gute Band, aber nach bereits neun Stunden (!) Action reichte es dann auch mal, und so ging ich nach zwei Songs nach Hause. 
Wäre ich doch mal zu Carpenter oder Boss Hog gegangen? You decide.

 Bevor wir uns missverstehen: Ich will das LEAFMEAL gar nicht schmälern, das ist echt 'ne sehr nette Veranstaltung, aber nach dieser Heavy Metal Overdose brauchte zum Kulturschock schmälernd in die nächste Alltagswoche kommen was für den anderen Mundgeschmack…

Sonntag 06.11. DIE NERVEN & Support (FZW)
…und so fand ich mich als Sonntagabendunterhaltung gleich wieder im Dortmunder FZW ein.
An DIE NERVEN habe ich ein gewisses Interesse, seit sie vor zwei Jahren als deutschsprachige Band auf AmRep’s "Dope, Guns 'n Fucking In The Streets #13" Compilation auftauchten, weil hey – wenn das nix is‘, was dann…


 

Man musste allerdings erst mal THE BLUE ANGEL LOUNGE aus Hagen hinter sich bringen, die in Duo-Minimalbesetzung mit Akustikgitarre und Orgel ohne Rhythm Section auftraten, was eher nach Piraten-Folk klang. Auch hier muss ich mal ganz subjektiv sagen, dass mir das nach 2-3 Songs einfach gereicht hat.
Doch DIE NERVEN wussten danach zu packen. Interessant finde ich übrigens, dass sich hierzulande gerade die Ecke Stuttgart/ Karlsruhe zu so ‘ner Art kleinen Noiserock-Zone gemausert hat, aber das ist wohl ein Thema für sich. DIE NERVEN sind aus verschiedenen Gründen eine interessante Band: Es sind etwas komische Typen, aber sie sind dabei eben authentisch. Musik und Texte haben was von der Hamburger Schule und rhythmisch streift man gelegentlich auch immer wieder mal new-waveige Gefilde (muss ncihts schlechtes sein), die Band kriegt aber mit krachig-kräftigen Ausbrüchen, energischem Punk-Gestampfe und dem einen oder anderen Gitarrenriff, das durchaus eher Richtung „Rock in meinem Sinne“ neigt immer wieder den Bogen, eben nicht in dieser Art von nichtssagender Indierock-Soße zu versacken, die nix mit Rock’n’Roll zu tun haben will, wie es so viele andere Bands aus dieser Ecke tun.
Eine Band, die sowohl von der Spex als hochrelevant gehandelt wird, als auch mir gefällt, und dann auch noch die Club-Stage des Dortmunder FZW auf einem Schlechtwetter-Sonntag gut füllt? Ja Mensch, da kann man dann ja fast schon mal die Floskel rausholen, von einem Phänomen zu sprechen, was?
Ich meine es aber tatsächlich ernst: DIE NERVEN sind in der Tat eine ganz schön gute, eigen- und einzigartige Band und bin sehr froh, mich mal zum Reinschnuppern auf das Konzert geschleppt zu haben. Albumkäufe werden beizeiten noch nachgeholt!



Montag 07.11. TORTOISE & WHITE WINE (Bahnof Langendreer)
Das internationale Kulturangebot in der Region nicht wahrzunehmen muss ich mir wohl wirklich nicht vorwerfen lassen, denn trotz Montagsmüdigkeit fuhr ich einen Abend weiter dann auch noch zu TORTOISE nach Bochum-Langendreer rüber.
TORTOISE werden allgemein als Initialzünder des Postrock gehandelt. Inzwischen verstehen Viele unter dieser Stilbezeichnung vor allem Instrumental-Rockmusik mit psychedelischem und/ oder Soundtrack-artig orchestralem Charakter. Das trifft auf TORTOISE nicht zu. Ihre Instrumental-Musik ist ein mit Minimalismus spielender Freistil-Wahnsinn, der sich vor allem Ansätze aus Krautrock, Jazz und experimentellem Prog entleiht.   

 

Die Vorband hieß aber zunächst erst mal WHITE WINE und die waren ganz witzig! Ich weiß allerdings echt nicht, wie ich den teilweise gut scheppernden, sich jedweder Norm-Klassifizierung entziehendem Indierock des Multiinstrumentalisten-Trios beschreiben soll… Aber es war äußerst kurzweilig.
TORTOISE trieben das danach auf die Spitze: Vorn an der Bühne zwei gegenüberstehende Drumkits. Mal sitzt einer an einem, mal sind beide besetzt, keiner der drei auch trommelnden Musiker hat ein festes, sondern sitzt mal an dem und mal an dem.  Wer gerade nicht trommelt, findet sich zwischen dem schon steinalt aussehendem Basser (der auch mal Gitarre spielt) und dem dunkelhäutigen Gitarristen (der auch mal Bass spielt) an irgendwelchen Tasteninstrumenten oder spielt auch schon mal Xylophon.
Über eine Stunde pendelt das Wechselkarussell zwischen jazzigem Gefriemel und krautigem Geplucker, lässt Dub-Anleihen durchblitzen, ist aber irgendwie auch Rock-Band. Es ist sympathisch wie angestrengt einige der in die Jahre kommenden Herren sich am Schlagzeug abmühen, dabei aber eben auch doch souverän knallend treiben. Die Musik bewegt sich oft durch tanzbare Gefilde, hat aber doch auch so einen Hauch von Kunstprofessor-Charakter.
War jedenfalls sehr cool, sich das auch mal live gegeben zu haben! 

 

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