Mittwoch, 5. Oktober 2016

Red Love

So, jetzt doch mal ein paar Worte zu RED LOVE, deren selbstbetiteltes Debütalbum am 01.10. via Bandcamp und iTunes erschien.

Ohne zu weit ausholen zu wollen: Alex Newport ist einer meiner Heroes. Das Noiserock-/ Alterna-Metal-Metal Trio FUDGE TUNNEL, mit dem er von 1988 bis 1995 als Gitarrist und Sänger aktiv war, ist für mich eine der besten Bands ever. Zwischen Extremmetall-Pionierzeit und Grunge-Hype waren sie während ihrer aktiven Phase diejenigen, die (nicht ganz so, aber) ähnlich der Melvins noch etwas anders als die ganzen anderen Anderen waren. Zu hart und schroff für die gen Mainstream schielende Alternative-Rock-Szene, zu punkig, eigensinnig und ironisch für die sich schon damals zu ernst nehmende Metal-Crowd.
Als er dann noch mit Max Cavalera das NAILBOMB-Album machte, war das zu jener Zeit auch so ein „genau mein Ding“-Ding.
Ca. 1999 bis 2003 war Newport außerdem mit einer weiteren, sehr guten Noiserock-Band namens THEORY OF RUIN am Start, die aber leider unter den meisten Radaren blieb.
Parallel wurde er Produzent und Toningenieur (nennenswerte Referenzen: At The Drive-In, The Mars Volta, Pissed Jeans). In dieser Tätigkeit hatte er mit der Indieband Bloc Party zu tun. Mit deren (inzwischen Ex-)Drummer Matt Tong wiederum gründete er das Projekt RED LOVE.

Zugegeben: Genau so wie ich nie was mit Bloc Party am Hut hatte ist die Musik RED LOVE nichts, auf das ich bei anderen Personalien gestoßen wäre. Aber RED LOVE ist dennoch nicht uninteressant. Die Musik ist teilweise recht atmosphärisch bis verträumt, allerdings auch rhythmisch treibend, lässt immer wieder mal Ecken und Kanten durchblitzen, und hat, wenn man so will, durchaus einen leicht experimentellen Einschlag, der sich Einflüsse aus Richtungen wie Krautrock und Shoegaze zusammenholt.
Newport’s Gespür für interessant-griffiges, aber eben nicht anbiederndes Songwriting scheint mit Tong’s Background im tanzbaren wie ambitionierten Indierock eine gut funktionierende Ergänzung gefunden zu haben.

Klar: Etwas, das eher so ein bisschen in der Tradition von Soundterror, wie ihn Fudge Tunnel und Theory of Ruin gemacht haben stehen würde, wäre mir natürlich als neues Newport-Lebenszeichen lieber gewesen, als eine Annäherung in eher poppige Indiegefilde. Ganz objektiv ist „Red Love“ allerdings wirklich ein alles andere als schlechtes Album, das eine interessante Seite davon zeigt, wie Rockmusik 2016 zwischen Anspruch und Radiotauglichkeit eben auch sein kann. 


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