Mittwoch, 26. Oktober 2016

Neuer Lärm der KW 43

In Bezug auf Musikneuerscheinungen haben wir mal wieder eine interessante Woche:

URFAUST - Empty Space Meditation
Live wegen dem unfassbar übertreibenden Poserdrummer mit Hipsterschnörres inzwischen ja eine etwas ambivalente Sache, ist dem niederländischen Eingenbrödler-Duo URFAUST mit „Empty Space Meditation“ tatsächlich ein weiteres meisterliches Album geglückt, das den Bogen vom Dark-Ambient-Kaltklangbad über schwarzmetallisch rasende Verzweiflungsausbrüche zu einem wirklich coolen und ungewöhnlichen Finalsong mit Orient-Touch (und einem Hauch von Killing Joke zu „Democracy“-Zeiten) spannt. Man kann echt sagen was man will: Das ist wieder
mal ganz schön gut und zementiert den Ruf der Band als Weirdo-Unikat, das aus einer Szene generischer Klischeegleichförmigkeit angenehm heraussticht (und dabei an der Basis überraschenderweise gut ankommt, weil bestimmte Klischees wohl eben doch einfach passen…).
Da Ván Records mit den Bandcamp-Seiten von Alben gerne mal etwas hinterherhinken, reiche ich diese beim online gehen vielleicht noch nach.

VIRGINIA CREEP – s/t EP
Robotic Empire gönnten uns im Frühjahr noch einen Rerelease von Pig Destroyer’s „Painter of Dead Girls“ und nun die Debüt EP von VIRGINIA CREEP, einer weiteren Band von PD-Shouter und Poet J.R. Hayes, die musikalisch etwas andere Wege beschreitet. Und auch wenn diese eher Noiserock-/ Post-Hardcore-/ Grunge-Regionen betretenden Pfade durchaus einen Nerv von mir treffen, frage ich mich ja irgendwie, ob Pig Destroyer in diesem Leben noch mal wieder so relevant und geil wie zu „Terrifyer“- und “Phantom Limb“-Zeiten sein werden, wenn Gitarrist Scott Hull derzeit lieber an diversen Agoraphobic Nosebleed-EPs rumschraubt, der aktuelle Drummer seine Zeit zwischen Misery Index und einer Drittliga-Death-Metal-Unnötigkeit, deren Namen ich schon wieder vergessen habe (God Awful oder sowas) aufteilt und auch Hayes somit Zeit für noch ‘ne Band hat… aber darum geht’s gerad‘ ja gar nicht.




WHORES. – Gold
Noiserock-Enthusiasten sind spätestens nach WHORES‘ 2013er Zweit-EP „Clean“ sehr gespannt auf dieses Langspieldebüt gewesen. Die ersten Durchläufe war es mir persönlich ehrlich gesagt fast schon über weite Strecken etwas zuuu punkig-straight. Aber hat man die Erwartungshaltung ein mal etwas angepasst, macht „Gold“ einfach nur tierisch Bock. Wer Unsane, Jesus Lizard, Helmet, Hammerhead, Surgery, Ken mode und/ oder Pissed Jeans sagt, der muss auch WHORES. sagen.
Verschwitzter Videoclip for your pleasure:




YEAR OF THE COBRA - ...In The Shadows Below
Okay, ich hole dann direkt schon mal den Zwanni für’s Phrasenschwein raus, wenn ich YEAR OF THE COBRA eingangs das Etikett „Female-Fronted Drums’n’Rumpelbass Duo“ aufklebe. Energischer Stoner-Metal-Sound mit eher melodischem Gesang ist zwar jetzt auch keine Neuerfindung des Rades, aber YEAR OF THE COBRA klingen den ersten Eindrücken nach dann ja doch relativ frisch und gefallen. Schließt vielleicht ein bisschen die Lücke, die Jucifer damit hinterlassen haben, nach den gelungenen Pop-Appeal-Tendenzen ihrer Alben von 2002 bis 2008 inzwischen nur noch Extremkrawall zu machen.




ZAUM - Eidolon
Das 2014er ZAUM-Album „Oracles“ fand ich ja ganz gut. Epischer Stoner-Doom mit Orientelementen funktioniert einfach, wenn ich gerade in der richtigen Laune dafür bin. 

Das Ganze klingt irgendwie so ein bisschen, als würden sich Om auf ein mal dafür entscheiden, einem doch etwas konventionalmetallischeren Stil nachzugehen. 
Musik für Roadburner also:



Außerdem:

COUNCIL ESTATE ELECTRONICS - Arktika
Auf Bandcamp kann man es schon länger streamen, während der offizielle Veröffentlichungstermin eigentlich sogar erst kommenden Montag ist, aber es passte hier irgendwie noch als Bonus-Hinweis mit rein: COUNCIL ESTATE ELECTRONICS ist eines der vielen Projekte von Justin Broadrick (Godflesh, Jesu, …), für dessen Soundarchitektur ich in diesem Fall die Schublade „Techno-Musik für Leute, die nicht unbedingt auf Technopartys tanzen“ aufmachen würde. Keine Ahnung, wie oft ich da zukünftig dann noch zu zurückkommen werde, aber die zwei Durchläufe, die ich dem Teil bisher gegönnt habe, gefielen mir ganz gut:




NISENNENMONDAI – E
Der offizielle Veröffentlichungstermin war eigentlich bereits vergangene Woche und wie immer gönnt man uns bei Bandcamp leider nur einen Song des ganzen Albums als Vorab-Stream, aber wer NISENNENMONDAI bisher noch nicht kennen sollte, dem lege ich hiermit nahe das zu ändern: Die drei Damen aus Japan haben ihren instrumentalen Kraut-/ Math-/ Noise-/ Postrock längst in Bahnen gelenkt, der sowas wie mit Rockinstrumentierung live gespielter Techno-Musik nahekommt. Eigen, aber durchaus auch zugänglich.
Man sollte meinen, dass sie damit irgendwo zwischen Boredoms, Tortoise, Mogwai und Battles ein gewisses Konsenspotenzial in sich bergen könnten, Fans der etwas abseitigeren Sachen abzuholen, und auch diejenigen zum Tanzen zu bringen, die es bereits zu 65daysofstatic, Maserati, Kong (NL) oder Long Distance Calling tun, aber irgendwie scheinen die hier noch nicht so richtig angekommen zu sein.
Lasst uns das ändern!  




Und der Vollständigkeit halber:
An der Front neuer Alben von alten Helden warten diese Woche übrigens auch noch CROWBAR (und Sexy T. is back!), TESTAMENT und HELMET auf.
Wer frischen Extremmetall-Kram braucht, der sollte die Black-Metal-Spezialisten DEATH FETISHIST und/ oder den Atmo-Tech-Death von ULCERATE auf dem Radar haben.
Wer’s seltsam mag, für den sind auch noch die hier irgendwann schon mal nebenbei erwähnten italienischen Avantgarde-Doomster OBAKE gerad‘ mit ‘ner neuen am Start.

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