Montag, 17. Oktober 2016

Bloodshed Fest

Vergangenen Samstag verschlug es mich dann mal zum BLOODSHED FEST im niederländischen Eindhoven, das schon in Vorjahren echt gute Billings mit Crust-/ Grind-/ Hardcore-Schwerpunkt auffuhr, in diesem aber mit einer bunten Tüte Hochkaräter über Stil-Schubladen hinaus so richtig Spaß machte.
Da ich nur einen Tag dabei war, verpasste ich zwar den donnerstäglichen Warm-Up mit Wormrot, und den Freitag wären mit Sicherheit auch die Altpunk-Krawallisten von Siege und die kultigen Sludge-Asis von Fistula was gewesen, aber wenn man wie ich in die Jahre kommt, reicht einer solcher Festival-Tage völlig aus…


 

Bei unserer Ankunft im Dynamo hatten PHANTOM COPRORATION gerade angefangen die Basement-Stage zu spielen. Das doch stark im Thrash Metal wurzelnde Gekloppe mit Crust-Kante holte einen zum reinkommen gut ab. Klar, dass ich mir die Debüt-Demo-CD mit Away-Coverartwork dann auch mal direkt eingesteckt habe.  

Auf der Hauptbühne ging es nahtlos mit OKKULTOKRATI weiter. Jene haben ja, nachdem sie als archaische Blackenend-Crust-Doomsludge-Rüpel in der Szene aufschlugen, inzwischen mehr und mehr eine Schlagseite in Richtung PIL samt zusätzlichem Keyboarder im Glitzerhemd bekommen, die in Kombination mit den punkig-rabiaten Uff-ta-uff-ta-Klöppeleien tatsächlich irgendwie funktioniert, aber die Norweger sind in puncto Sound und Erscheinung insgesamt
schon eine echt schräge Sache.
 

Mal im Keller reingeschnuppert wie HEAD CLEANER so abgrinden (ganz cool!) und dann wie auf der Hauptbühne für einen weiteren Kontrast JOE BUCK YOURSELF den akustischen Countrypunk-Alleinunterhalter gibt, aber daneben ist’s dann erst mal Zeit für den sehr guten Veggieburger, 2-3 Becherchen Jupiler und ein Pläuschchen am zu meiner großen Freude anwesenden Tonträger- und T-Shirt-Stand von 7 Degrees Records. Ein paar weitere Scheine ärmer, verlasse ich diesen später um Schallplatten von Brutal Truth, The Art Of Burning Water und Immortal Bird reicher…
 

WOJCZECH überzeugen danach im Keller ebenso wie auf der Hauptbühne MALIGNANT TUMOR. Letztere überraschenderweise, denn bei so einem bekackten Bandnamen, Spaß-Outfits und durchgehenden technischen Pannen zum unterstreichen der Dilettantenprolls-Aura hätte das eigentlich in die Hose gehen müssen, doch der druckvolle Motörcrust’n’Roll der Briten macht durchaus Laune.

 

Nächste Überraschung: Was BITTERNESS EXHUMED im Keller abliefern ist gar nicht mal so schlimm wie auf Konserve (denn dort sind sie eigentlich unerträglich). Zwar fragt man sich, warum die Band auf eher kürzere Grind-Eruptionen, wenn sie sowas kann, dann immer wieder ellenlange Römtömröm-Moshparts folgen lassen muss, die bollig hoch zwölf sind, aber irgendwie will das Ganze live tatsächlich ganz gut funktionieren und unterhalten. Sachen gibt’s…
Apropos bollig: Eigentlich sind mir das auch TRAP THEM so ein Quentchen zu viel. Aber deren Brachialcore mit Entombed-Gitarrensound passt natürlich gut zum Event. Der akrobatische Shouter hat sich während seines wilden Gigs, wenn ich das richtig mitbekommen habe, sogar gar nicht mal so leicht verletzt. Von dieser Seite aus Respekt fürs überperformen und get well soon!
VICTIMS sind danach dann ganz okay, aber setzen dem Ganzen jetzt auch nicht wirklich einen drauf.

Dann ATARI TEENAGE RIOT. Und jetzt mal ganz ehrlich: Hätte mir vor 4-5 Jahren jemand gesagt, dass ich 2016 am Rande eines Dance’n’Bounce-Pits stehe und sehe, wie diverse Crusties, Grindfreaks und Altkrachfetichisten zu ATR völlig steilgehen, hätte ich demjenigen wohl ‘n Vogel gezeigt, aber mal ganz ehrlich: Auch ich hatte Spaß. Die etwas weniger krawalligen Neusongs des Trios würden mich jetzt zwar zugegeben nicht unbedingt prioritär ein späteres Album checken lassen, aber die eigentlich antiken Sample-Kombinationen von Slayer-Riffs und „Amen Break“-/ „Funky Drummer“-Getacker machen zwanzig Jahre später irgendwie wieder Laune. Und dass Alec Empire es selbst bei Ansagen und der Verabschiedung von der Bühne nicht schafft, seinen aufgedrehten Brüllschrei-Modus auch nur eine Stufe runterzudrehen, ist auch irgendwie amüsant. Ich hatte echt Spaß, ganz ohne Scheiß.
 

Zum Ausklang mal BOMG-RA zu sehen und hören, der beim Knöpfchendrehen mitunter in eine ähnliche Kerbe schlägt (auch hier gab’s zwischendurch mal ‘n Slayer-Riff) und sein Breakcore-Geknalle immer wieder über die Grenze des untanzbaren schiebt, war ganz spaßig. Die anfänglich eher leere Halle füllte sich dabei zwischenzeitlich doch noch mal ein bisschen mit Leuten, die dem ganzen recht enthusiastisch gegenüberstanden bis runmzappelten.

 

War cool! Wenn Ihr nächstes Jahr wieder ein so gutes  und gut gemischtes Billing zusammengezimmert bekommt, seht Ihr mich vielleicht auch wieder, BLOODSHED FEST...

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