Freitag, 5. August 2016

Triptykon, Valborg, Zeche Carl

TRIPTYKON spielten gestern mal wieder in der altehrwürdigen Zeche Carl zu Essen, in der ja sonst auch nicht mehr viel los ist.
Ich hab‘ mal durchgezählt: Nach ihrem grandiosen Roadburn-Warm–Up-Gig einst am gleichen Ort und dem kurz darauf folgenden, beim von Tom kuratierten
Roadburn 2010, dem Rock Hard Festival 2011, dem improvisierten Schlechtwetter-Zeltbühnenauftritt beim PartySan im gleichen Jahr,  2014 noch mal sowohl Roadburn als auch Rock Hard, außerdem der Morbus Chron/ Triptykon/ At The Gates Tour im Essener Turock und beim Eindhoven Metal Meeting 2014, war das ja tatsächlich schon das achte mal, dass ich TRIPTYKON gesehen habe… wow.

Den Support bestritt die Bonner Dunkel-Metal-Obskurität VALBORG. Und die mag ich generell sehr, wofür es mehrere Gründe gibt. Nur einer davon: VALBORG trauen sich Sachen, die eigentlich eher uncool sind. Ob es ihr Auftreten irgendwo zwischen Rocksau, stylischer Düster-Entität und latenter Selbstironie an der Grenze zum Dadaismus ist, ein Keyboard-dominiertes Album namens „Romantik“, oder recht eigensinnige Songstrukturen und skurrile deutsche Textfragmente, begleitet davon, dass Stilbrüche eher zum Konzept gehören als Ausnahmen sind… Vieles an dieser Band schreit förmlich danach, dass sowohl sich zu ernst nehmende Trve-Cvlt-Köppe und Ballerkram-Neandertaler, als auch Vertreter der Hipsterstoner- und Modemetaller-Bagage das Ganze eher nicht so wirklich begreifen und gut finden können. Genau darum liebe ich persönlich VALBORG noch mal umso mehr.

Ich erspare mir hier an dieser Stelle jetzt mal, dazu auch noch alle vergangenen Konzerte mit Blogeintrag zu verlinken, aber VALBORG spielen eigentlich nie das gleiche Konzert noch mal, was ein weiterer Grund ist. An diesem Abend ist die Setlist des Trios eine stimmig-homogene, dunkelbunt gemischte Tüte aus bisher unveröffentlichtem, was älterem, nix vom aktuellen Album, dem Highlight „Tempelberg“ (vom Überalbum „Nekrodepression“) und dem schon länger live mit durchgeschleppten, immer wieder geilem Brecher „Werwolf“, der es bisher noch auf keine Konservenveröffentlichung geschafft hat. Ich bin gespannt aufs neue Album!

Die Mischung aus höchst atmosphärischem Doom und um die Ecke gedachtem Grobgekeule gefiel natürlich nicht jedem, passte aber in meinen Ohren nahezu perfekt zum Hauptact…



… der natürlich in puncto brodelndem Breitwandsound 2-3 Schüppen drauflegte. Interessante Setlist auch: Nach dem gewohnten „Crucifixus“-Intro aus der Konserve gabs erst mal ‘n Block archaischer Celtic-Frost-Stampfer: „Procreation of the Wicked“, „Dethroned Emperor“, „The Ursuper“. Aber alles geil, da gibt’s nix. Erst dann folgte mit dem nach wie vor ziemlich großen „Goetia“ die erste wirkliche TRIPTYKON-Nummer. Auch immer wieder geil. Als Überraschung betrat dann Sängerin Simone Vollenweider die Bühne, um mit der Band „Obscured“ (die Goth-Hymne von Frost’s „Monotheist“) und „Boleskine House“ vom aktuellen TRIPYTKON-Album mit zum besten zu geben. (Apropos: Als ich dieses anlässlich des Konzerts vorher noch mal aufgelegt habe, fand ich es auf ein mal doch wesentlich besser als bei Erscheinen, wo es mich eher enttäuschte. Sachen gibt’s?!)  

Herr Fischer zeigt sich derweil zwischendurch gar bester Laune, moderiert das plappernde Publikum mit „Darf ich auch mal was sagen?“ ab und bekräftigt eigentlich gar keinen Bock auf das bevorstehende „Scheiß-Wacken“ zu haben.
Zwei weitere Frost-Songs und noch eine Nummer vom aktuellen Album später dann mal wieder das Finale, von dem ich nach wie vor nie genug bekommen kann: „The Prolonging“. Dieser unglaubliche, epische, abweisende 20min-Brocken eines Songs, der noch eine Runde und noch eine Runde drauflegt und dabei alle negativen Schwingungen der Welt durch ein riesiges schwarzes Loch in ein anderes Universum abfließen lässt.
Großartig wie immer. Ich könnt‘ schon bald wieder!

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