Montag, 1. August 2016

Nord, Saint, Reich, Love


Wer hätte gedacht, dass ich einen der spaßigsten Abende seit langem ausgerechnet bei zwei Altherrenrock-Bands auf dem Nord Open Air, einer Umsonstveranstaltung auf dem viel zu überfüllten Viehofer Platz in Essen habe? Ich selbst, der sich gerne mal einreden will aus sowas dann doch mal rauszuwachsen und eigentlich lieber einer von 4-5 kauzigen Besserwisser-Gästen bei irgendwelchen Hinterhof-Experimentalmusik-Events sein möchte, als noch solche überlaufenen Metal-Kirmesabende haben zu müssen, jedenfalls eigentlich nicht... 
Aber es ist so wie es ist: Aus dem Bereich des Old School Heavy Metal sind ARMORED SAINT mit dem bekanntlich besten Sänger der Welt und die Thrash-Helden SACRED REICH wohl einfach ewige Lieblingsbands von mir, was gerade auch nach diesem Abend mutmaßlich immer so bleiben wird... 
Wenn ARMORED SAINT aufspielen, kommen und siegen sie. Gerade auch auf ihren letzten beiden Alben finden sich ‘ne Menge Hits (auch an diesem Samstagabend wieder mal großartig: „Left Hook from Right Field“) und die sportlich-agile sowie stimmlich bombige Performance, die John Bush da mit über 50 auf jede Wald-und-Wiesen-Bühne liefert, ist echt nicht ohne. Man hatte im Übrigen für diese Kurztour einen Aushilfsgitarristen dabei, der sonst bei Behold! The Monolith spielt, die dieses Jahr noch beim Roadburn zu bestaunen waren. Sachen gibt’s?! Es war jedenfalls mal wieder ein einziges Fest mit so einigen Hits! Die Band war top und vom Publikum begeistert. 
 
 
Zwischendurch gab‘s dann im Übrigen noch Devildriver, die mit einigen Bieren im Kopp sogar ganz okay gingen. 
SACRED REICH wiederum habe ich seit ihrer Reunion schon einige male gesehen und kann echt sagen, immer noch Spaß dran zu haben. Bei anderen Bands, die alle zwei Jahre mit ihrer Old School Setlist durch die Festivallandschaft durchgereicht werden, ohne dabei irgendwas neues zu bieten (oder wenn, dann nur halbgar-altbackenen Quatsch), winke ich ja sonst eigentlich nur noch ab. 
SACRED REICH sind dann aber doch die eine Ausnahme, weil eine so sympathische Band mit so zeitlosen Songs, die sie dann auch noch derart geil und spielfreudigst runterrocken, dass es immer wieder ansteckt. Meine Loyalität, sie das fünfte mal innerhalb der letzten neun Jahre zu sehen, wurde dann auch mit der Überraschung belohnt, dass sie derzeit mit „Blue Suit, Brown Shirt“ und dem grandiosen Titelstück tatsächlich auch Songs des sonst vernachlässigten „Heal“-Albums live spielen. Neben meiner Lieblingsnummer „Free“ gabs dann ferner mit obligatorischen Groovern wie „One Nation“, „Crimes Against Humanity“ oder „THe American Way“ auch noch die genau richtigen Sachen, die bei ihnen immer funktionieren. Es war wirklich großartig, einfach nur großartig.

Und so hatte ich tatsächlich an einem Abend, an den ich lediglich mit der Erwartung ging nur ein bisschen was vom gewohnten alten mitzunehmen, tatsächlich doch einen der vergnüglichsten Konzertabende seit langem. 
Bei einem späten Hotelbar-Bier erläuterte mir ein gutgelaunter John Bush dann im Übrigen noch die aktuelle Philosophie vom Saint. Dass man durchaus versucht, der eben tief im Frühachtziger-Hardrock und -Metal verwurzelten Musik einen zeitgemäßen Anstrich zu verleihen und nicht immer nur das gleiche Schema F durchzukauen, auch um es für sich selbst interessant zu behalten. Viel davon steckt tatsächlich auch bewusst im aktuellen Übersong „Muscle Memory“, den es aufgrund seiner Länge aber leider nicht bei Festivalshows mit knapperer Spielzeit zu hören gibt.
 Also hoffen wir mal, dass noch mal Clubshows folgen… 
(Ein Foto ist von Norbert geklaut)

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