Montag, 27. Juni 2016

Unsane, Sofy Major, Tilburg


Nettes Gefühl, während des am vergangenen Freitag dann zwischenzeitlich doch auch mal durchbrechenden Sommersonnenscheins durch die Gassen Tilburgs zu schlurfen, welches ich u.a. dank so einiger Roadburn Festivals über die Jahre sehr liebgewonnenen habe.
Dort standen die All-Time-Faves UNSANE und mit SOFY MAJOR eine meiner Lieblingsentdeckungen jüngerer Vergangenheit (letztes Jahr mit Pigs gesehen) im Verbund auf dem Programm.

Die Atmosphäre am und im Little Devil war gemütlich, bis es dann fünf Flaschen Grolsch später auch irgendwann mal losging.
Die mit der Unsane-Clique eh schon ganz gut verbandelten SOFY MAJOR aus Frankreich sind jedenfalls eine sympathische und live echt Spaß machende Band. Auf dem aktuellen Album „Waste“, mit dessen eröffnendem Titeltrack auch diesen Abend der Startschuss fiel, hat sich das Trio aus den noch etwas verspielter in Post-Hardcore- und Stoner-Gefilden wildernden Regionen der ebenfalls sehr guten Vorgängeralben freigeschwommen, um einen Schlenker in eine etwas direktere, punkige Noiserock-Richtung zu vollziehen. Funktioniert auch, ich mag beides.
Wieder mal ein Spitzengig, vor allem auch der sehr wild trommelnde und mitsingende Drummer.

 
UNSANE sah ich das letzte mal vor vier Jahren im MTC, das ich wie die meisten Kölner Locations eher nicht so wirklich mag. Das winzige Little Devil mag zwar jetzt auch kein Top-Konzertladen sein, aber der Sound war an diesem Abend tatsächlich wesentlich besser als damals in Köln.
Und immerhin durfte ich mir noch mal ein bisschen jung vorkommen, beim schwerpunktmäßig doch sehr entspannten Publikum mit höherem Altersdurchschnitt derjenige zu sein, der in der ersten Reihe euphorisch mitwippend den einen oder anderen Song mitgrölt.
Aus dem vom Headliner souverän rausgebratenem Lärm stachen auch immer wieder mal Hit-Momente hervor. Ob das lässig groovende „Against The Grain“ oder das getragene „Only Pain“. Auf das unvermeidliche „Scrape“ folgt wie auf dem entsprechenden AmRep-Klassiker-Album (zuletzt übrigens wiederveröffentlicht) das nicht minder grandiose „Alleged“: Erstmal Mundharmonika-Intro und dann die volle Packung Breitwandriffs in den Boden stampfen.
Bandkopf Chris Spencer kann man währenddessen einfach nur lieben, wie er da steht und den Gitarrenhals auf seine eigene unnachahmliche Art dehnend und ziehend bearbeitet, während es vom Schild seiner Baseballkappe immer mehr heruntertropft. Drummer Vinnie schafft es derweil nicht, während Songpausen auch mal die Füße (und Hände) stillzuhalten, wo ich ihm glatt mal unterstelle, dass man sich diese Drumsolo-Überbrückung vielleicht von den befreundeten Melvins abgeguckt hat.
Nach dem wieder mal abschießenden Flipper-Cover „Ha Ha Ha“ (und die Semiprofi-Fotografin neben mir lachte sich wohl nicht ganz zu Unrecht kaputt, wie ich den Refrain mitschmetterte) stand dann auch fest, dass ich leider wieder mal kein „Blew“ und kein „Stuck“ zu hören bekam, aber ich kann’s angesichts der wirklich gelungenen Show wirklich verschmerzen.
Hat sich gelohnt, dafür mal eben extra in die Niederlande rüber zu gondeln! 


 
 
 
Randnotiz: Unsane-Shirts waren am Ende der Tour leider nur noch in Mädchengrößen zu haben, von Sofy Major’s „Idolize“ LP konnte ich mir aber immerhin das letzte Exemplar sichern. Überhaupt hätte ich mich in der Plattenkiste von Solar Flare – das Label wird von einem der Sofy Majors betrieben – dumm und dämlich kaufen können, hielt mich dann angesichts des insgesamt dann ja auch eh schon etwas teuren Trips aber tatsächlich doch ein bisschen zurück.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen