Dienstag, 21. Juni 2016

The Glowing Man

Ein paar Gedanken zum neuen SWANS-Album:
Es ist irgendwie konsequent, dass Michael Gira „The Glowing Man“ und die folgende Tour als Schlussphase der aktuellen Inkarnation seiner 2010 nach ca. 13jähriger Pause reanimierten Band ausruft (im Übrigen angeblich ohne sich bisher groß über das danach Gedanken gemacht zu haben).
Es gibt Passagen auf dem neuen Album, vor allem im ersten Drittel, die ein bisschen den Eindruck erwecken, dass da im Rahmen des stilistischen und personellem Konzepts, das SWANS die letzten sechs Jahre ausmachte, auch mal langsam alles gesagt ist.
Das meine ich nicht zwangsläufig so negativ, wie sich so eine Aussage interpretieren lässt. Aber teilweise wirkt das Ganze schon mal wie ein etwas zurückgenommener Epilog zum Jahrhundertalbum „The Seer“ und dessen Nachfolger „To Be Kind“. Es sind diese in der Tat glühenden Soundflächen von vertrautem Klang und Mammutsongaufbauten mit regelrecht mantrischen Ausbrüchen, die man für einen Maulsperren-Effekt, wie ihn „The Seer“ noch verursachte, irgendwie inzwischen gewohnt ist.

Havin' said that... „The Glowing Man“ ist trotzdem groß! Wieder ein mal richtig, richtig groß. Vermutlich wird es in meiner Jahresabschlussbilanz wieder mal auf der #1 stehen. Momentan habe ich jedenfalls mal wieder keine Lust, überhaupt noch irgendwas anderes zu hören als immer und immer wieder diese 118,23 Minuten (!), die selbst in ihren zähesten Momenten wie Öl runtergehen und in ihren besten den Wunsch wecken, dass es niemals aufhören soll.
Wenn nach dem fast halbstündigen Titeltrack, dessen Passagen mit nach vorne pumpemder Rhythmik wieder ein mal regelrechten Stammestanz-Charakter haben, dann auch noch eine kompaktere, straight marschierende Nummer mit fast schon optimistischer Gospel-Aura und einem klanglichen Schulterblick zurück in die Ecke des 1995er „The Great Annihilator“ das Album beendet, dann haben es Gira und seine Mitstreiter zum Schluss doch noch geschafft, einen mal wieder zu überraschen und zu verblüffen.

Eigentlich könnte ich echt sogar super damit leben, wenn bis zum Ende des Jahres nichts anderes mehr rauskommt.


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