Mittwoch, 8. Juni 2016

Pissed Jeans (live gesehen)

Okay, es mag ein Montag gewesen sein, aber wie soll ich das denn bitte trotzdem mal werten, dass der Laden „Musik & Frieden“ (Ex-„Magnet“) in der Weltstadt und Trendmetropole Berlin bei der ersten Europatour überhaupt (?) der großartigen PISSED JEANS während der Vorgruppe mit Semi-Heimvorteil nicht mal wirklich halbvoll aussieht? Sind die Hauptstadthipster schon wieder zu cool bei ganz anderen durchs Dorf getriebenen, vermeintlich frischeren Säuen angekommen, als sich eine wirklich gute SubPop-Band zu geben, die schon ein paar Alben auf die Welt losgelassen hat? Oder ist die Truppe hierzulande ohne Live-Präsenz tatsächlich einfach noch nicht so richtig angekommen? So oder so ist es natürlich ein guter Aufhänger dafür durchblicken zu lassen, dass ich eben den Durchblick habe und viele andere nicht… 

Die Vorband SWAIN war jedenfalls als Vorband okay. Knackig-punkige Noiserock-Stampfer mit passend knapper Spielzeit und ins grungeige driftende Ausflüge samt Nirvana-Gedächtnismomenten gaben der Band tatsächlich so einen Spät80er- bis Mitt90er-Vibe, der zum Hauptact passte. Der Sänger hat zwischen Songs ein bisschen zu viel zu langweiliges gelabert, was Abzüge in der B-Note gibt. Nicht spektakulär, müsste ich auch nicht wirklich noch mal sehen, aber ziemlich okay war’s dann ja doch. 


Die in einigen Kreisen bereits als die Noiserock-Ikone dieser Tage gefeierten PISSED JEANS waren danach dann in etwa der Wirbelwind, den ich mir erhofft hatte. Die vier Jungs haben eine unprätentiös-authentische, eigentlich nicht sonderlich rock’n’rollige „Normalo“-Aura, die eigentlich auch schon wieder was erfrischendes hat. Frontmann Matt Korvette wirkt mit seiner eher fast schon leicht schnöseligen Aura so, als würde er nicht auf sein Rockkonzert gehören. Zwischen der eigenes Shirt zerreißenden Punkrocksau und dem Popstar und exzentrischen Hüftschwung sind es bei ihm allerdings nur Quäntchen, die ihn immer wieder zu Beklopptheiten verführen. Er bewirft seinen eigenen Gitarrist mit vollen Wasserflaschen und nervt kurz eine begeistert mitgehende Frau an der Bühne damit, an ihrem Rastahaar die Luftgitarre zu mimen. Es handelte sich dabei im Übrigen um Yvonne von Jingo de Lunch und Treedeon (in den 90ern auch mal kurz Co-Moderatorin einer Metal-Sendung im Musikfernsehen gewesen). Von langsamen Dröhnern bis zur rasanten Abfahrt ist die zugehörige Musik der restlichen Band bissig und auf dem Punkt, reißt schlicht und ergreifend mit und irgendwie ist es diese gänzlich unauffällig-klischeefreie Optik der Band, die ihren zwar eingängigen, insgesamt auch witzigen, aber doch auch ziemlich harten Songs in einem abweisend-krachigen Sound so eine schon eher selbstverständliche als irgendwie noch groß selbstironische Dimension verleiht, wie sie nicht viele haben. 
Unterm Strich: In Richtung (Post-)Hardcore-Punk neigende Rockmusik kann man dieser Tage nicht besser und überzeugender darbieten. 
Geile Band, geiles Konzert, hoffentlich wird man auch hierzulande noch mal wieder mehr von PISSED JEANS hören.

 
 

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