Samstag, 14. Mai 2016

Gorguts - Pleiades' Dust

Jetzt hole ich ausnahmsweise auch mal wieder aus: Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt, den dürfte die Aussage nicht wundern, dass Death Metal ein Musiksubgenre ist, das mich dieser Tage i.d.R. wenig bis gar nicht mehr reizt.
Auch wenn in dieser Szene über die letzten Jahre rege Strömungen stattfanden und von einer „New Wave of Old School“ bis zu Progressiv-Lärmereien durchaus so einiges geht, gibt es abseits von den obligatorischen Überschneidungen zur Grindcore-Ecke (Fuck The Facts, Napalm Death und co.), vereinzelten Avantgarde-Ansätzen (Chaos Echoes) und Unikaten mit ganz eigenem Grobe-Kelle-Charme (Coffins) eigentlich nur noch ein paar alte Helden (…) und nur wenige neuere Bands (Sulphur Aeon), die zwischendurch mal kurz Laune machen, sich bei mir in diesem Leben aber auch nicht mehr wirklich noch mal als prioritäre Dauerbrenner etablieren werden.
Warum genau das so sein mag, müssen wir jetzt nicht in gänzlicher Breite analysieren, aber es hat wohl auch was mit in die Ewigkeit wiedergekäuten Stilkonventionen und totgerittenen Klischees zu tun, die den meisten Vertretern dieser Zunft wie schwere Fußfesseln anhängen.  

Sich etwas weiter rauswagende Ausnahmen bestätigen diese Regel. Unter diesen sind, klar, die Urgesteine GORGUTS dieser Tage ganz vorne mit dabei.

Die Kanadier, die in den 90ern zunächst zwei wirklich sehr geile Alben räudigen, straighten Death Metals veröffentlichen, und dann auf ihrem dritten einen Quantensprung zu jazzigen Rhythmik-Wirrheiten und Atonalitäten wagten, vollzogen auf ihrem 2013er Comeback-Werk (mit assimilierten Mitgliedern von Dysrhythmia) den nächsten Schritt: „Colored Sands“ ist ohne Frage eines der besten, interessantesten und wichtigsten (Extrem-)Metal-Alben dieses Jahrzehnts.
Im Gegensatz zu den vielen seelenlosen „Tech-Death“-Frickelkapellen die es da draußen gibt, ist die Musik von GORGUTS darauf nicht einfach nur brachial und präzise, sondern auch von beachtlich atmosphärischer Tiefe, erlaubt sich Abschweifungen bis ins spaceige, die erstaunlich viel Sinn ergeben, und strahlt eine natürlich-lebendige Eigendynamik aus, die den meisten anderen Brutalo-Virtuosen abgeht.
(Eine gewisse Verwandtschaft zu den Landsleuten Voivod kann man nicht leugnen.)

Es passt nun also ins Bild, dass im Rahmen ihrer Möglichkeiten eigensinnig und experimentell angehauchte Handwerksmeister und Genre-Vordenker wie GORGUTS mal sowas machen, wie einen fast 33minütigen Track als EP abzuliefern. Und „Pleiades' Dust“ ist ein weiterer Beweis, dass diese Band inzwischen einfach nur noch in ihrer ganz eigenen Liga spielt:


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