Montag, 28. März 2016

Cobalt – Slow Forever

COBALT sind aus vielen Gründen ‘ne interessante Band voller Widersprüche.
Nicht zuletzt auch wegen Ex-Shouter Phil McSorley, der vor einiger Zeit, nachdem er bei der US Army die Karriereleiter zum Ausbilder hochgeklettert war (und Gerüchten zufolge vom Irak-Kampfeinsatz irgendein Trauma davongetragen hat) mit ziemlich unüberlegten Kommentaren für Aufsehen sorgte und aus der Band aus-, wieder ein- und wieder ausstieg. Man hatte sich eh schon gefragt wie so ein Typ mit dem musikalischen Kopf der Band zusammengepasst hat, der charakterlich auf einem eher gegensätzlichen Kurs unterwegs zu sein scheint.
„Slow Forever” wurde nun also ein anderes Album mit einem anderen Sänger, der allerdings das gleiche Maß an Biss mitbringt.
Interessanterweise habe ich zu im Vorfeld dazu zwei komplett gegensätzliche Meinungen gelesen. Ein Reviewer ging soweit, das Album noch mehr in der Nähe von Prog Marke Tool (gab es ja auch schon auf „Gin“ mit dem grandiosen „Dry Body“) und Noiserock a la The Jesus Lizard als im Black Metal zu sehen, ein anderer fand es doch recht straight-metallisch und weniger experimentell.
Ja was denn jetzt? Ich sags Euch: Die Wahrheit liegt natürlich mal wieder dazwischen. COBALT sind ein ganzes Stück weiter aus typischem (US-)Black Metal herausgebrochen, aber während die Elemente Richtung Neurosis, Tool und co. durchaus wieder mit dabei sind, sowie auch mal Arrangements, die sich über zwei Tracks erstrecken und somit den Prog-Anhauch etwas erweitern, ist man eigentlich über weitere Strecken doch recht straight und nachvollziehbar in Midtempo-Regionen extremen Metals unterwegs. Es gibt durchaus mal 'ne Blastbeat-Passage, melodische Anflüge, ''ne keltisch-frostige Crust-Kelle im Stileaktuellerer Darkthrone, und gegen Ende kommen sogar noch mal ein Schuss Hardcore-Vibes hinzu. Insgesamt schraddelt das fast 74minütige (!) Album dabei  paradoxerweise aber doch durch, ohne dass man das Gefühl hat es mit einem perfektionistisch-überambitionierten Machwerk zu tun zu haben. Songs wie die Schlussnummer wirken eigentlich sogar eher noch so ein bisschen unfertig, was eher wertfrei als negativ gemeint ist.
„Slow Forever“ ist ein ganz cooles Metal-Album mit leichter Alternative-Kante. Kein „Post-Black“-Gedöns, sondern eher etwas näher an Today Is The Day als an unnötigem Unsinn a la Deafheaven. Und das gefällt mir eigentlich ganz gut! Vielleicht nicht "Album des Jahres"-gut, aber gut genug!

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