Samstag, 5. März 2016

Alice Cooper Reissues

Dass ich großer ALICE COOPER-Fan bin und dem „Schockrock-Entertainer“ tatsächlich all die Jahre immer die Stange gehalten habe, während mir andere Hardrock- und Metal-Lieblingsbands meiner Jugend im Laufe der Zeit ein ganzes Stück egaler wurden, ist hier vielleicht schon mal durchgedrungen.
Zwei meiner Lieblingsalben des Coops der letzten zwanzig Jahre, meiner Meinung sogar die vermutlich besten beiden (oder zumindest zwei der drei besten*) seiner neuzeitlicheren Ära wurden gerade auf Vinyl (180g!) wiederveröffentlicht.

Dabei sind sie interessanterweise in der stilistischen Inszenierung sehr gegenpolige Alben. Als da wären:

 

Brutal Planet (2000)
Wo fang ich an? Am besten dort: Auch wenn im Nachhall des Erfolgsalbums „Trash“ und seiner Hitsingle „Poison“ auch das 1991er „Hey Stoopid“ und Coop’s witziger Auftritt im Film Wayne‘s World einiges an Rampenlicht mit sich brachten, waren die 90er nicht wirklich sein Jahrzehnt. Denn es folgte in jener Dekade nur ein weiteres reguläres Album („The Last Temptation“, 1994), desen erdiger Hardrock  trotz prägnanter Videosingle („Lost In America“) und einem begleitendem Comic-Projekt (mit Neil Gaiman) im musikalischen Klima der damaligen Alternative-Ära bereits etwas abstank. Kurz danach streckte ALICE COOPER einer Einladung folgend allerdings schon mal die Fühler aus, zu aufstrebenden Epigonen wie Marylin Manson und Rob Zombie aufzuschließen, nämlich durch ein Duett mit letzterem.
Um endlich auf den Punkt zu kommen: Für „Brutal Planet“ holte sich Alice Produzent Bob Marlette ins Boot. Jener hatte zwei Jahre zuvor bereits „2wo“ produziert, wo er (damals Ex-)Judas-Priest-Sänger Rob Halford zusammen mit Dave Ogilvie (Skinny Puppy) und keinem Geringeren als Trent Reznor einen Industrial-Rock- bzw. Modern-Metal-Sound verpasst hatte und nun auch den Coop so ähnlich in die Neuzeit holen sollte. Und zugegeben: Dieser aufgeblähte, meinetwegen auch "nu-metallisch" anmutende Sound ist schon ein ziemliches Zeitgeist-Ding gewesen, das man heute belächeln oder verachten mag. Ändert aber nix daran, dass „Brutal Planet“ ein geiles Metal-Ablum ist, dessen kleineren elektronischen Ausschmücken egal sind und dessen extra-dick bratenden Gitarren lediglich unterstreichen, dass Songs wie die Videosingle „Gimme“ (mit Faust-Thematik) oder das rasante „It’s The Little Things“ absolut Coop-typisch sind und prima funktionieren. Mein Favorit ist übrigens „Sanctuary“ - was ein Wahnsinns-Refrain!
Die goldene 180g-12“-Version habe ich nur zu gerne als Geschenk entgegengenommen!

The Eyes Of Alice Cooper (2003)
„Brutal Planet” sollte ursprünglich der erste Teil einer Trilogie werden. Nachdem der zweite etwas in die Hose ging (s.u.*), folgte eine Kurskorrektur in die gegenteilige Richtung: Anstatt auf pseudomoderne Sounds wurde auf erdigen Garagenrock gesetzt, wie ihn die Alice-Cooper-Band der frühen 70er gespielt hatte. 
Warum ich dieses Album so gut finde? Weil es in seiner sympathischen Reduzierung aufs wesentliche („handgemachte Rockmusik“) einfach eine ganze Menge richtig guter Songs und Ohrwürmer abwirft. Allen voran der mit einem sarkastischen Text gewürzte „Men Of The Year“ und die ebenfalls humorvolle Ballade „The Song That Didn’t Rhyme“. Das universelle Beziehungsdrama „What Do You Want From Me“ funktioniert zudem als schmissiger Opener wirklich prima, das Schauermärchen „This House Is Haunted“ setzt einen dieser theatralischen Akzente, wie sie bei Alice einfach dazugehören, und Songs wie „Between High School & Old School“ und „Backyard Brawl" machen unaufdringlich einen Shoutout zu „School’s Out“- und Detroit-Zeiten..
„The Eyes Of Alice Cooper“ ist einfach nicht mehr und eben auch nicht weniger als ein gutes, zeitloses Rockalbum.
Zur Zeit dieses Albums führe ich im Übrigen im Auftrag einer Publikation, für die ich damals nebenbei als Hobbymusikjournalist schrieb, ein Interview mit dem Altmeister selbst, was für mich natürlich eine ziemlich große Sache war. Mal gucken, ob ich davon mal irgendwie einen Scan gemacht kriege, wenn ich es wiederfinden sollte.
Der aktuelle Reissue der Platte ist im Übrigen transparent. 



Beide Wiederveröffentlichungen bekommt man u.a. über www.finestvinyl.de

*(Ihr wollt das ganz genau? Okay:
Der 2001er „Brutal Planet“-Nachfolger „Dragontown“ ist ein grotesk unterdurchschnittliches Album, dessen Versuch eine moderne Produktion mit klassischem Hardrock-Songwriting zu vermengen eher in die Hose ging.
Der „The Eyes…“-Nachfolger „Dirty Diamonds“ von 2005 ist okay, aber so richtig rausstechen tut, wenn man mal ehrlich ist nur der Titeltrack, der einen Hauch von Kyuss-Sound und eine Anflug von James-Bond-Feeling unter einen Hut bekommt. Insgesamt also kein Vergleich zum vorangegangenen Hitmarathon. Und der Bonus-Track mit Xzbit war auch eher unnötig.
Das 2008er „Along Came A Spider“ ist dann allerdings das dritte Album dieser Phase, das ich persönlich sehr stark finde. Es orientiert sich am meisten noch mal am zweiten Frühling der Ära von „Constrictor“/ „Trash“/ „Hey Stoopid“ und addiert noch ein Serienmörderstorykonzept hinzu. Vielleicht nicht originell, aber stark! Würde ich im Zweifelsfall auch ‘ne Vinyl-Wiederveröffentlichung von nehmen! Schwarz würd’s tun!
„Welcome 2 My Nightmare” von 2011 empfinde ich persönlich insgesamt eher als Katastrophe).

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