Donnerstag, 22. Oktober 2015

Pigs

Und noch ein kurzes Konzertresümee von gestern Abend:
Super Woche! Gestern noch Zeni Geva, heute PIGS und Freitag erscheint die neue Killing Joke!
Bei meiner perfekt getimeten Ankunft im Kölner Sonic Ballroom fangen die französischen SOFY MAJOR gerade an. Kannte ich noch gar nicht, warum nicht? Eine Dreiviertelstunde plus eine vom Publikum geforderte Spontanzugabe lang präsentiert das Trio Noiserock aus der Unsane-Schule, mal schleppend-sludgy, mal knackig, mal straight treibend, mal etwas vertrackt angeknickt. Ziemlich cool! Tonträger-Vorstellung folgt, denn deren aktuelle Platte habe ich mir danach glatt mal untern Arm geklemmt.
Die Umbaupause gestaltet sich überraschend kurz, denn es wird gar nicht wirklich umgebaut: Man teilt sich mit der Vorband eben nicht nur das Equipment, sondern auch gleich noch den Basser. Andrew Schneider kam während seines Produzentenjobs mutmaßlich vielleicht nicht weg, also schaukelten Dave Curran und Jim Paradise das Kind mit dem Franzmann, der sich souverän einfügte, als wäre er von Anfang an dabeigewesen. Auch wenn ich gewisse Hoffnungen hatte, vielleicht auch einen Song der superben Vorgängerband Players Club kredenzt zu bekommen, bleibt es bei Material der beiden sehr guten PIGS-Alben, was völlig okay ist, denn die Songs sind durch die Bank ziemlich geil. Noiserock der Unsane-Schule zum zweiten, allerdings direkt aus dem entsprechendem Original-Familienclan. Paradise‘ Drumming ist oft straight-songdienlich auf den Punkt, aber stets druckvoll und gekonnt, und Curran versteckt sich beim ins Mikro brüllen unter seiner Baseballkappe.


Summa summarum ein superkurzweiliger Konzertabend, erst recht für nur 7 Euro, allerdings mit einem Abstrich: Kleine Ahnung, warum und was genau das eigentlich ist, aber gerade das Publikum im Sonic Ballroom wirft immer wieder nervtötende, geltungsbedürftige Vollspacken hervor, wie ich es nirgendwo anders erlebe.
Da ist man schon mal auf einem Konzert, auf dem kein Schaulaufen von Mode-Metal-Barbies oder Retro-Stonerhipstern stattfindet, nur um sich dort dann vom gestylten Altpunk auf die Nüsse gehen zu lassen, der in erster Linie eine Show für sich selbst veranstaltet, dauernd mit der Band kommunizieren will, die Hälfte der Zeit mit dem Rücken zur Bühne affige Tänze aufführen muss, dessen Rülpse bestialisch durch die ganze Bude stinken und der sich trotz Rauchverbot eine ansteckt. Typen wie Dich braucht man nicht, Du Vollspaten!
Auch nicht schlecht war der, der bestimmt noch mal zehn Jahre älter als ich war, und meine wahrheitsgemäße Antwort auf die Frage, warum der eine von der Band davor bei der zweiten jetzt auch noch mal mitmacht („Mussten halt fragen, ich weisset au‘ nich‘“) mit einem vorwurfsvoll-ungläubigen Starren_des_Todes quittierte.
Was ist das nur Köln? Wie schaffst Du es, Dir solche nervigen Gestalten zurecht zu züchten? Und ist der Sonic Ballroom eigentlich sowas wie ein offizieller Idiotentreff? Dinge, die es eigentlich mal zu ergründen gilt. Aber nicht von mir.


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