Montag, 26. Oktober 2015

Killing Joke - Pylon

Auf den ersten Hinhörer ist das neue Album von KILLING JOKE irgendwie unscheinbar. Aber es zündet im Verlauf weiterer Rotationen! „Pylon“ fühlt sich ein wenig an, als wären hier die KILLING JOKE, die in den 80ern postpunkig-gothrockige Alben wie „Night Time“ veröffentlicht haben schlussendlich doch noch mit denen zusammengeführt worden, die seit dem 94er „Pandemonium“ immer wieder auf einen eher modern-metallischen Sound setzen.
Sanges-Schamane Jaz Coleman zeigt sich hier über weite Strecken vor allem von seiner melodiös-melancholischen, „verträumten“ Seite, und bricht nur selten mal ins richtig aggressive aus. Die Produktion ist im Übrigen auch ein bisschen so ausgefallen, dass sie nicht zu sehr auf die Zwölf ist. Einige male wird an der Instrumentenfront zwar wirklich sehr rasant gerifft und gedonnert, in der Gesamtinszenierung schlug es auf anderen Alben aber wohl auch schon mal einen Ticken härter durch als hier.
Highlights: Besonders die Strophen des temporeichen Openers sind schon sehr cool, das folgende „Dawn Of The Hive“ legt mit fetten Grooveriffs gleich noch mal gut einen nach. Der Midtempo-Stampfer „New Jerusalem“ ist aufgrund der im Refrain infernalisch auf der Stelle rollenden Band ziemlich großartig, die Piep-Sounds in den Strophen hätte man allerdings weglassen können. „Big Buzz“ ist eine dieser eher popig-melancholischen KJ-Hymnen, die durch die unentwegt auf den 8teln treibende Snare dennoch mit ordentlichem Biss nach vorne marschiert. „I am the Virus“ bringt als härtere Nummer gegen Ende noch mal etwas Würze rein.
Summa summarum: Irgendwie überraschend oder auffällig ist an „Pylon“ nichts; es ist auch weder eine solche Hit-Ansammlung wie „Absolute Dissent“, noch so ein herrlich kaputt klingendes Album wie „Hosannas From The Basement Of Hell“, aber es ist ein absolut gutklassiges KILLING-JOKE-Album, das definitiv besser als der etwas durchwachsene Vorgänger „MMXII“ ist und mehr Grower-Potenzial besitzt, als man anfänglich vielleicht denkt.
Ich finds gut! Keines meiner Lieblingsalben der Briten, aber ein ganz gutes!

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