Dienstag, 25. August 2015

Fuck The Facts – Desire Will Rot

Es ist endlich raus, das neue Album von FUCK THE FACTS, das die Kanadier eigentlich schon vor zweieinhalb Jahren (!) aufgenommen, aber erst später zu finalisieren und veröffentlichen geschafft haben.

Recap: Als FTF für mich erstmals mit ihrem 2006er Relapse-Einstand „Stigmata High-Five“ auf den Plan traten, hatten sie bereits eine 7-8jährige Phase der Stil- und Line-Up-Findung hinter sich. Zu der Zeit befand sich mein Interesse nicht nur an Grindcore, sondern auch an artverwandten Extrem-Auswüchsen des (Death) Metal oder Hardcore wohl auf seinem ziemlichen Zenit, und schon damals durfte es auch gerne mal etwas abgepfiffener zugehen.
„Stigmata High-Five“ kam dem sehr entgegen, denn der Deathgrind der Band flirtete mit atonalen Mathcore- und wilden Prog-Metal-Tendenzen, erlaubte sich noisige Experimental-Passagen und traf bei Grooveparts voll ins Schwarze.
Der 2008er Nachfolger „Disgorge Mexico“ (dessen Titel sowas wie ein Szene-Insider ist, den wohl nicht jeder versteht, aber erklärte Witze sind doof) überraschte dann wiederum damit, mit einer gerne mal viel melodiöseren Gitarrenarbeit tiefer in die Welt des Schwermetalls zu dringen. Den Leuten, die sich dem Ganzen beim Vorgänger eher aus der Avantgarde-Lärm-Ecke genähert hatten gefiel das ebenso wenig wie der „es muss halt böse ballern“-Fraktion, was aber alles auch nix daran ändert, das auch „Disgorge Mexico“ schlicht und ergreifend ein supergeiles Extrem-Metal-Album mit eigener Note war und auch nach wie vor ist.
Was uns zum dritten und letzten Longplayer bringt, den die Band über Relapse veröffentlichte (diverse Kleinformate drum herum lasse ich absichtlich mal aus): 2011 erschien „Die Miserable“ und kann wohl als FUCK THE FACTS‘ Magnum Opus angesehen werden. Ich habe auch auf diesen Blogseiten schon mehrere Loblieder darauf gesungen, weswegen ich man das hier und jetzt mal schenke. 

Ein so „rundes“ Werk ist „Desire Will Rot“ nicht geworden. Aber sagen wir es mal so: Im Spannungsfeld von Grindcore, Death Metal und Anflügen von über Tellerränder blickender Experimentierfreude ist FTF damit wieder ein mal eine der zwingendsten Veröffentlichungen des Jahres gelungen. Was Topon Das und seine MitstreiterInnen uns auftischen ist wieder ein mal clever, eigensinnig und progressiv, ohne sich in verfrickeltem Selbstzweck zu verlieren, und aggressiv hoch zwölf, ohne irgendeine aufgesetzte Brutalitätsschraube zu überdrehen. 
Die Band mit dem bescheuerten Namen gehört nach wie vor zu den besten und interessantesten Vordenkern brachialer Schnellprügelmusik und wird dafür wohl leider auf ewig von Groß des generischeren Kram bevorzugenden Pöbels nicht goutiert werden. Da machste dann halt nichts, aber immerhin bin ich es mal wieder losgeworden…

Bandcamp: fuckthefacts.bandcamp.com/album/desire-will-rot

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