Dienstag, 12. Mai 2015

live gesehen...

Sechs Konzertabende in zwölf Tagen (also im Durchschnitt zwei Wochen lang jeden zweiten Tag) mögen jetzt keine rekordverdächtige Angelegenheit gewesen sein, aber eine gute Gelegenheit in einem über die Tage gesammelten Marathon-Post damit hausieren zu gehen, dass es an mir ja nicht scheitert mit der Undergroundkultur und so…

Montag, 27.04.
KAYO DOT & BOTANIST
Essen, Panic Room

Da ich Botanist beim Roadburn nur ein bisschen gesehen hatte und Kayo Dot eigentlich gar nicht, schleppte ich mal an einem frühen Montag Abend nach Essen rüber, um vor Ort natürlich festzustellen, dass sich der Konzertbeginn wohl noch ‘ne Stunde hinzieht. Na super, hätte ich mich gar nicht so beeilen müssen.
BOTANIST sind jedenfalls something else. Sowas wie Black Metal, bei dem zwei der kapuzierten Gestalten auf sog. Hackbretter einhämmern, anstatt auf Gitarren rumzuschrubben. Das macht 2-3 Songs lang absolut Spaß, über die volle Distanz ist der Witz dann aber auch irgendwann mal weg. 
KAYO DOT-Mainman Toby Driver (Ex-maudlin of the Well – kann man mal erwähnen) zeigte sich danach in der kuschligen Hinterzimmer-Location sichtlich erleichtert und glücklich, dass tatsächlich ein paar Leutchen vorbeigeschaut hatten. Irgendwie hatte ich was teilweise ruhigeres, teilweise orchestral-pompöseres erwartet als den an diesem Abend gespielten Prog-Metal. War gut! Habe mich dann nur leider in Hinblick auf die Bahnabfahrtzeiten etwas eher verdrücken müssen, anstatt mir das bis zum Ende zu geben.

Donnerstag, 30.04
ABYSMAL GRIEF, SATURNINE, ZWIELLICHT
Oberhausen, Helvete

Um ehrlich zu sein war der Hauptgrund meiner Anwesenheit ja, dass ich unbedingt mal SATURNINE checken wollte. Fünf Mädels aus Italien, die sowas wie Death-Doom mit Sludge-Schlagseite und Black-Metal-Einflüssen machen (checkt mal ihr Bathory-Cover). Und es war cool, von denen möchte ich gerne noch mehr hören und sehen!
Der Local Support ZWIELLICHT war mit seinem Bass-losen Standart-Black Metal ganz okay, aber auch nicht weiter der Rede wert.
Der Headliner ABYSMAL GRIEF hat allerdings auf jeden Fall Spaß gemacht. Sakral-Horror-Image und Orgelgeklimper ohne Kirmes-Faktor, eine tight knallende Band, italienischer Horror-Metal at it’s best! Eine gute Einstimmung auf das…

ACHERONTIC ARTS Festival
01./ 02.05., Oberhausen, Turbinenhalle
Freitag

Bei unserer Ankunft sind THE WHITE FACES mit Sängerin Farida (The Devil’s Blood) gerade schon dabei, Songs von Roky Erickson (Night of The Vampire!) zu covern. Kann man machen.
So richtig los geht’s aber erst mit (DOLCH). Was soll man von denen halten? Ich weiß es nicht. Musikalisch ist das Ganze sowas wie „Urfaust Light“, während die etwas hellquietschige Stimme der Sängerin eigentlich besser zu einer Pop-Band als zu etwas mit BM-Background passen würde. Diese Nummer mit den Kapuzen ins Gesicht ziehen als Kollektivuniformierung habe ich auch etwas über. Irgendwie nicht wirklich schlecht, aber irgendwie auch nicht so wirklich geil.
Für den Poser-Punk von HERETIC bin ich danach wohl nicht genug in Stimmung gewesen, denn auch wenn es ganz unterhaltsam war, wollte mich die ganze Nummer mit ständigem Beinhochreißgehampel nicht so richtig mitreißen.
Dass Ván Records ein inzwischen schwer zu greifendes Label sind, zeigten dann UNIVERSE217. Das griechische Quartett scheint mit einem Bein im Doom Metal und mit dem anderen in der eher alternativrockig angehauchten Prog-Ecke zu stehen. Man inszeniert einen glasklaren Sound, der die sehr warme und emotionale Stimme der Sängerin trägt. Ich fands gut! Die doppelhälsige Gitarre ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es war gut!
Die an diesem Tag hohe Frauenquote wurde bei CASTLE direkt fortgesetzt, jenem sympathischen Trio aus Frisco, das roh-rockigen Metal zwischen den Stühlen von Sabbath bis Slayer aufbietet, dabei eine gute Figur abgibt, aber irgendwie so ein bisschen was hittiges vermissen lässt, das ihnen gut zu Gesicht stehen würde.
Da die Band am Merchstand noch ihre 7‘‘ mit einer grandiosen Coverversion von Alice Cooper’s „Second Coming“ (leider nicht live gespielt) verkauft, gehe ich mal eine erwerben. Da die Typen vor mir sich ihre Einkäufe signieren ließen fragt mich die Sängerin, ob ich auch eine Unterschrift haben will. „Mal mir doch mal Alice Cooper-Augen drauf“ fällt mir vom Hirn in den Mund und die Gute kommt diesem Wunsch auch prompt amüsiert nach. Danke dafür!
SULPHUR AEON sind in Metal-Kreisen ja sowas wie die Band der Stunde. Album des Monats im RockHard und bei der Konkurrenz… sowas hat man wohl auch nicht sooo oft. Und wenn sogar ich Bock auf eine Band aus einer Schublade habe (Death Metal), die trotz einigem an aktuellen frischen Wind in der Szene ‘ne irgendwie etwas totgelaufene Sache ist (no pun intended), dann heißt das was. Der Sound war irgendwie nich so optimal, zumindest dort wo ich stand, ansonsten legte die Truppe aus Dortmund und Umgebung allerdings einen brutalen wie epischen Triumphzug hin, der nicht enttäuschte.
VANDERBUYST fielen danach mit ihrem Party-Vibes versprühenden Hardrock ohne nennenswertes Alleinstellungsmerkmal eigentlich schon wieder etwas zu sehr aus dem Rahmen. Ich finde die ja schon irgendwie ganz gut, werde sie andererseits allerdings ehrlich gesagt auch nicht wirklich groß vermissen, wenn sie demnächst wie angekündigt aufgrund mangelnden Erfolges in den Sack hauen.
Da ich ATTIC wiederum auf gut Deutsch als beschissene Karnevalsveranstaltung empfinde und ATLANTEAN KODEX zwar eigentlich ganz okay finde, aber irgendwie auch ganz gut ohne leben kann, haben wir danach schon mal die Heimreise angetreten.


Samstag
Eigentlich wollte ich CROM DUBH gerne sehen - da sich die Anfahrt aufgrund äußerer Umstände allerdings doppelt so lange wie geplant gestaltete, waren wir erst zu CARONTE in der Halle. Bei jenen nervt der Sänger mit seinem Gehabe ein bisschen (Pentagramme in die Luft zeichnen und dann noch mal die Teufelshörnchen durchschieben – c’mon!?!), aber die musikalische Darbietung war okay. 
Für die nächsten Bands ging es dann erst mal nicht mehr ohne sakrale Bühnendeko, Kerzen, Räucherkram etc. …
Zum Black Metal von den norwegischen SALIGIA mit einem wirklichen seltsamen Frontmann habe ich dabei allerdings eben so wenig eine fazitäre Meinung wie zur Duo-Formation SORTILEGIA. Letztere war stilistisch mit langen Instrumental-Läufen und gelegentlichen Kreisch-Akzenten nicht wirklich weit von Amihipstern wie Ash Borer und Fell Voices entfernt, fuhr dafür allerdings optische das komplette Klischeeprogramm auf. 
URFAUST hatten einen wesentlich besseren Abend als vor ein paar Wochen beim Roadburn. Allerdings überzogen sie schon wieder und mussten nach „Unter Töchtern der Wüste“ vom Stagemanager zum beenden ihres Auftritts angehalten werden. Diese Band ist halt nichts für straffe Zeitpläne, sondern eher für späte Stunden…
NECROS CHRISTOS‘ Drumherum – das Motto ist irgendwie okkult und orientalisch – habe ich ja noch nie so richtig kapiert. Der raue, groovende Midtempo-Death Metal der Berliner macht jedoch live seit eh und je was her und auch an diesem Abend wieder mal sowas wie Spaß.
DEATHRONATION wiederum sind die Band, auf die ich auch hätte verzichten können. Irgendwie wollte ihr offensives Geballer beim teils durchwachsnenn Sound (kann auch an meinem Hörschutz gelegen haben) nicht so gut funktionieren.
Für GRIFTEGARD hatte es sich dann allerdings absolut gelohnt, sich von Nachmittags bis Mitternacht die Beine in den Bauch gestanden zu haben. Die Schweden traten den Beweis an, dass man manchmal eben auch mit einfachsten musikalischen Mitteln die maximalste Wirkung erzielen kann. Eine kraftvolle, emotionale Stimme, ein geiler Gitarrensound… hier stimmte einfach alles! Großartig!
Grande Finale: THE RUINS OF BEVERAST, die mit ihrem mitunter industriell-kühl angehauchten Extrem-Metal zwischen BM-Roots, doomigen Parts und deathiger Brutalität einen fast schon etwas unversöhnlichen Abschluss darstellen. „Daemon“ ist allerdings ein supergeiler Song!
Summa summarum ein nettes Livemusikwochenende mit nicht immer bestem Sound, dafür allerdings oft passend stimmungsvoller Lightshow und gelungener Orga. Nächstes Jahr wieder, lieber Ván-Sven!

Mittwoch, 06.05.
THE MEMORIES, LYNX LYNX
Dortmund, Rekorder

Für den Kontrast nach all der Dunkelheit gibt’s mal wieder den teils ins heiter-poppige driftenden Garagenrock von LYNX LYNX – die mich dieses mal allerdings völlig auf dem falschen Fuß erwischten. Dass der neue Gitarrist irgendwie nicht so wirklich ins Bandbild passen will ist das eine, dass die Dortmunder sich aber über weite Strecken in gemächlichen Songs ergingen und nicht den Grad an Lärm und Energie wie sonst schon mal auffuhren das andere. Hm, ich weiß ja nicht… Schlecht war’s nicht, aber mir fehlte ein bisschen das Salz in der Suppe.
Die amerikanischen THE MEMORIES sind eine seltsame Band. Ironische Hipster-Vokuhilas inklusive. Dabei kann ich nicht mal sagen, mir derartigen Indiefolk grundsätzlich gar nicht anhören zu können, aber so 100%ig mein Ding ist’s halt nicht. War eh hauptsächlich wegen der Vorband da…

Freitag 08.05.
VALBORG, TOTAL NEGATION, THE MOTH
Münster, Sputnikcafé

„Triple Record Release Party“: THE MOTH finde ich tendenziell ganz gut, allerdings verwundet mich nach diesem Auftritt von ihnen noch weniger, dass sein gewisser Indierock-Magazin-Redakteur, der in jüngerer Vergangenheit krampfhaft auf Metal-Experte zu machen versucht, hier so viel Beifall klatscht. Die Hamburger stehen nämlich, was sich u.a. in der eher coolen als actiongeladenen Performance und den nicht sonderlich inbrünstigen Vocals äußert, trotz aller doom-metallischen Ambitionen trotzdem mit einem Bein im Alternative Rock und lassen irgendwie dann doch nicht so richtig die Sau raus. Sympathische und ganz gute Band, ja, aber die ganze große Riffmassakerspektakelexplosion ist dann doch was anderes. 
TOTAL NEGATION fand ich schon beim letzten mal nicht gut und muss daher jetzt an dieser Stelle nicht groß drauf rumreiten, dass sich daran auch zwei Jahre später nicht viel geändert hat.
Der VALBORG-Auftritt wiederum war der absolute Hammer. Die Band spielt zunächst konzentriert und bedächtig, mit Synthies aus der Konserve, drei der zurückgelehnten Songs ihres aktuellen Albums, um dann zum wilderen Teil des Abends überzugehen. Das nach wie vor unveröffentlichte Monster eines Songs namens „Werwolf“ war wieder ein mal ein Highlight neben „Nekrodepression“-Übernummern a la "Tempelberg", „Zyklop“, „Massaker in St. Urstein“ und „Sakrale Vernichtung“.
Zum Schluss gabs dann auch endlich mal „I Am Space“.
Alles richtig gemacht, Ihr seid ‘ne total geile Band, ich liebe Euch!
Ich bereue irgendwie nichts zum Fotos machen dabeigehabt zu haben, obwohl ich vorher noch kurz dran gedacht hatte…





Einen längeren Post als diesen werdet Ihr hier vermutlich nie wieder lesen. ;)
Next Stop: Swans!

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