Samstag, 21. Februar 2015

Relapse Top 10

Da aktuell anlässlich des 25jährigens Jubiläums von Relapse Records die Relapse-Lieblingsalbenlisten in der Metal-Blogosphäre rumgereicht werden, lasse ich mich auch mal zu sowas hinreißen.
Hier meine zehn Lieblingsalben aus dem Hause Relapse (ursprünglich von woanders aufgegriffene Rereleases ausgenommen), der Einfachheit halber alphabetisch, mal knapper und mal ausführlicher:

BARONESS - Blue Record

Man kann das alles drehen und wenden, was von Hype oder „früher waren die besser“ faseln wie man will – BARONESS waren zu Zeiten der roten (2007) und der blauen (2009) das aufregendste, das in der Rock-/Metal-Landschaft gerade passierte.  Ja, zu Zeiten ihrer „Second“ EP waren sie irgendwie noch einen Ticken härter, wilder, aufregender und interessanter gewesen, aber als das wirklich mit Spannung erwartete „Blue Record“ erschien, tauchte ich mit einer regelrecht gierigen Begeisterung ins Hörerlebnis ein, wie es mit fortschreitendem Alter immer seltener vorkommt. Man kannte 1-2 Songs schon von Konzerten und wurde von dieser eigenwilligen Melange aus Prog-, Psychedelic-, Stoner- und Sludge-Rock/-Metal immer noch sehr verblüfft. BARONESS schafften es wie keine andere Band, „klassische Musik“ von Pink Floyd bis Iron Maiden und Metallica  in einem eigenen, kontemporären Ding einfließen zu lassen, das eine Brücke zwischen Underground-Lärm und  potenzieller Stadionkompatibilität schlug. Im Grunde genommen hatte das „Red Album“ als Musikveröffentlichung an sich ja seinerzeit sogar noch etwas mehr bei mir eingeschlagen, aber mit „Blue Record“ verbinde ich tatsächlich so einiges an Erinnerungen und Emotionen, und was, wenn nicht das, macht denn eigentlich sonst die Magie von Musik aus?

BURIED INSIDE – Chronoclast
Mit „Chronoclast“ waren diese Kanadier, die sich in ihren überschaubaren zehn Jahren nennenswerter Aktivität stilistisch ständig in Bewegung befanden (anfänglich war man mal mehr in Screamo-/ Metalcore-Gefilden unterwegs gewesen, gegen Ende dann gänzlich in die Ecke Doom-Sludge/ Post-Metal gekippt) nicht nur auf ihrem kreativen Zenit, sondern für Krach-Nerds wie mich gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit einer schwer definierbaren Melange aus Postrock, Hardcore und Extrem-Metal, sowie einem komplex zusammenhängenden Gesamtwerk anstatt lediglich einer Aneinanderreihung einzelner Songs, schufen BURIED INSIDE  2005 etwas, das in dieser Intensität diverse Neurosis-Epigonen, Epic-Neocrust- und Post-Black-Metal-Bands, die sich an ähnlichem versuchen, bisher noch nicht übertrumpfen konnten. Herzlichen Glückwunsch zum zehnten, nebenbei.
(True Story: Ich ging zu der Zeit zum „Animal Liberation Festival“ in der Bochumer Matrix, nur um die sehr früh in einem da erst noch mäßig gefüllten Saal Material dieses Albums runterzockende Band zu sehen und feiern, und im direkten Anschluss sofort wieder nach Hause zu fahren, um mir alle danach noch spielenden Bollometalcore-Kapellen zu ersparen. Das war ignorant? Mitnichten, denn die Typen, die zu der Zeit noch nicht vor Ort waren, um drei Stunden später zur irgendeiner Stumpfscheiße mit Windmühlen und Spinkicks rumzuäffen, waren viel ignoranter.)

CEPHALIC CARNAGE – Anomalies
Technischer Deathgrind-Irrsinn, Parodien von und Verbeugungen vor anderen Genres, infantiler Kifferhumor – auch CEPHALIC CARNAGE sind eine dieser Relapse-Bands, wie es keine zweite gibt. Im Übrigen auch eine der unterhaltsamsten Live-Bands, die es überhaupt gibt, aber darum geht’s gerad‘ nicht. Auch „Anomalies“ ist eines dieser Alben, das schlicht und ergreifend zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben trat und bis heute geblieben ist. Erst letztes Jahr freute ich mir noch einen Ast darüber, dass die bescheuerten Jungs aus Denver live tatsächlich die groovige Sludge-Nummer „Piecemaker“ von diesem Album brachten und auch das heitere Mitjohlen von „Dying Will Be The Death Of Me“ im Auto kommt nach wie vor noch so ein mal im Jahr vor.

FUCK THE FACTS – Die Miserable
Sowohl  das etwas mehr Richtung Mathcore neigende “Stigmata High-Five“ (2006), als auch das metallisch-melodiöser ausgerichtete „Disgorge Mexico“ (2008) waren zwei großartige Beweise dafür, dass man in Death’n’Grind-Gefilden immer noch frische Akzente setzen kann. Das 2011er „Die Miserable“ ist allerdings ohne Frage FUCK THE FACTS‘ Magnum Opus. Trademark-Stilmittel aus den verschiedensten Ecken extremen Metals werden hier äußerst kreativ und progressiv zu etwas sehr eigenem und nicht zuletzt höchst mitreißenden zusammengesetzt. Ich habe es hier schon so oft gesagt und sage es auch gerne noch mal: Es ist wirklich eine Schande, dass FTF ein Dasein als Autonom-Kellerlöcher abklappernde Nischenband fristen, während viel uninteressantere Bollergrunz-Kapellen mittelgroße Metal-Clubs gut füllen.

NASUM – Human 2.0
Das Langspieldebüt „Inhale/Exhale“ wird in der Natur der Sache von einigen Fans ja bis heute am meisten geschätzt, während einige davon das dritte und meiner Meinung eigentlich beste NASUM-Album „Helvete“ irgendwie zu glatt oder sowas finden, was allerdings Bullshit ist, das Teil ist super.  „Human 2.0“ ist für mich allerdings irgendwie ihr sozusagen signifikantestes Album, zumal es ein „Game-Changer“ in der Szene war, das auch mich zu NASUM brachte und eine regelrechte Grindcoroe-Welle mitverursachte, von der sich selbst die Originale Napalm Death beeindruckt zeigten.  Was hinzukommt: Zwischen all dem infernalisch-räudigen Geschepper hatten NASUM mit Songs wie „ A Welcome Breath Of Stinking Ar“, „Shadows“, „Corrosion“ oder dem Groover „The Professional League“ immer wieder diese genial herausstechenden Momente.
(True Story: Die Band spielte 2001 auf dem damals noch nicht mit heutigen Dimensionen vergleichbaren Wacken Open Air, zusammen mit Napalm Death als einzige beiden Bands in derartigen Härtegraden. Ich war dabei, und ganz ehrlich: NASUM waren tatsächlich das nennenswerteste, das von damals bis heute bleibenden Eindruck hinterließ.)

NEUROSIS - A Sun That Never Sets
Es mag überraschend sein, dass ich hier das 2001er Album nenne, auf dem NEUROSIS ihren Sound weiteten und lüfteten, anstatt das 1996er „Through Silver In Blood“, das sie mit regelrechtem Industrial-Flair auf dem Zenit krasser Lärmerei zeigte, oder das ambitionierte 1999er „Times Of Grace“, das einige Fans als ihr Magnum Opus betrachten. Wenn es darum geht, welches mein Lieblingsalbum von NEUROSIS ist, neige ich ja eigentlich immer sehr zum ‘93er „Enemy OF The Sun“, welches auf Alternative Tentacles erschien. „A Sun That Never Sets”, das ihre, sagen wir mal „epischen Anwandlungen“ weiterentwickelte und zusammen mit der vorangegangenen „Soverign“ EP somit den nächsten Karriereabschnitt einläutete, hat allerdings auch einen ganz großen Platz in meinem Herzen. Ob der knapper auf den Punkt gebrachte Titeltrack, das partiell an Swans‘ „The Sound“ erinnernde „ Falling Unknown“, oder „Stones From The Sky“, eine der geilsten Finalnummern die je ein Album hatte – die Spannungskurven, die einen dieses Album erleben lässt, sind unerreicht.

MASTODON – Remission
Ja, bei MASTODON wiederum bin ich tatsächlich einer dieser „die ersten beiden Alben waren dann ja doch die besten“-Typen. Ich war dabei, als sie bei ihrer ersten Europatour im Vorprogramm von The Haunted u.a. einen inzwischen ehemaligen RockHard-Redakteur dazu brachten nach 2-3 Songs fluchtartig den Saal zu verlassen, weil er auf ihren eigenwilligen Lärm nicht klarkommen wollte. Und auch wenn der Nachfolger „Leviathan“ einige richtig große Momente hat („Hearts Alive“  was für ein Song-Epos!), ist es die Kompaktheit dieses Albums mit eigenwilligen Brechern wie „Crusher/ Destroyer“ oder „Mother Puncher“ (und, jaja, „March Of The Fire Ants“, ist ja gut!), die mich immer wieder dazu zurückkommen lässt.

PIG DESTROYER – Terrifyer
Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob ich den Nachfolger „Phantom Limb“, der die Kaputtheitsschraube noch ein Stück weiterdrehte, nicht sogar noch einen Ticken lieber mag, aber bevor ich darüber zu lange nachdenke nenne ich der Einfachheit halber dann doch mal das PIG DESTROYER-Album, das mir immer als erstes in den Sinn kommt. Es war nämlich dieses Album, mit dem PIG DESTROYER anfingen  mehr und mehr als „die Melvins des Grindcore“ wahrgenommen zu werden. Ihre teils sehr unkonventionell arrangierten Songs zeigten nicht nur gelegentlich mal Slayer-Anflüge (kann jeder), sondern drangen bis in Sludge-, Noise- und convergige Hektik-Regionen vor. Und es war dieses Album, das eine bis heute anhaltende Liebe auslöste. Andere Releases von PD sind auch gut, aber die „Terrifyer“-/ „Phantom Limb“-Phase ist mir persönlich wie gesagt ja echt die liebste.

ROTTEN SOUND – Murderworks
Neben Nasum und Pig Destroyer reiften ROTTEN SOUND mit diesem Album schon früh zu einer der Relapse-Hausmarken des zweiten Grindcore-Frühlings. Und die Finnen mit dem damals noch in Ausbildung steckendem und inzwischen leider ausgestiegenen Killerschlagzeuger Kai hatten  schon auf diesem Album mit Knallern wie „Targets“ und „Obey“ einige ihrer allerstärksten Momente. Irgendwie nahm man sie damals zwar schon irgendwie so ein bisschen als kleinen Bruder von Nasum wahr, nachdem deren Mainman (der u.a. auch dieses Album produzierte) tragisch verunglückte, sind sie heute allerdings die eine Band, die nach wie vor sein Erbe lebt.

TODAY IS THE DAY – Temple Of The Morning Star
Dieses Album und sein ebenfalls auf Relapse erschienener Nachfolger „In the Eyes of God” (auf dem zwei spätere Mastodon-Mitglieder zur Band gehörten) dürften wohl auch meine beiden generellen TITD-Faves sein. TODAY IS THE DAY ist richtige Schmerzmusik. Hauptmacher Steve Austin leidet nicht nur selbst, sondern tut einem mit seiner schneidenden Stimme gleich mit weh. Der zweigeteilte Titeltrack dürfte dabei die größte Hymne sein, die er geschrieben und auf einen Tonträger gebannt hat. Andere TITD-Werke mögen noch auffälligere  Alleinstellungsmerkmale haben, aber dieses fühlt sich einfach irgendwie besonders an.

Zehn sind zehn. Wären es fünfzehn oder zwanzig, würden hier vermutlich auch noch Bongzilla, Brutal Truth, Cripple Bastards, Dysrhythmia, Jucifer, Nothing, Soilent Green, Tombs, oder Unsane auftauchen. Zombi könnte ich auch mal wieder hören. Und manch einer hat in der Aufzählung vielleicht nicht ganz zu Unrecht etwa Dillinger Escape Plan, Disembowelment, Dying Fetus, Mindrot, High On Fire, Incantation, Origin, Skinless, Suffocation u.ä. vermisst. Aber zehn sind zehn und meine Liste ist meine Liste. Darauf einigen wir uns jetzt einfach mal.

1 Kommentar:

  1. Meine fünf Cent, ohne Reihenfolge.
    Burst - Lazarus Bird
    Neurosis - Times of Grace
    Pentagram - First Days Here
    Mastodon - Remission / Leviathan
    Alabama Thunderpussy - Fulton Hill / Open Fire
    Skinless - From Sacrifice To Survival
    Dillinger Escape Plan - Miss Machine
    Necrophagist - Epitaph ‎
    Cephalic Carnage - Anomalies
    Disfear - Live The Storm
    Horseback - The Invisible Mountain
    High On Fire - De Vermis Mysteriis
    True Widow - Circumambulation

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