Samstag, 21. Februar 2015

Musikkonserven 2015 (1)

[Aufgrund von Zeitmangel und verschobenen Prioritäten werde ich in nächster Zeit die nennenswerten Veröffentlichungen diesen Jahres, die an mein Ohr kommen, erst mal eher knapp in einem fortlaufend aktualisiertem Post abhandeln. Vielleicht hebe ich Highlights dann ja später noch mal extra hervor, we'll see…]

Januar/ Februar Erstes Quartal im Zeichen des Grind:

 

HAAPOJA / DEPHOSPHORUS - Collaboration
„Collaboration“ ist dem Titel entsprechend keine reine Split: DEPHOSPHORUS und HAAPOJA machen hier für jeweils einen Song Sängertausch, während der Gitarrist letzterer bei einem weiteren Song ersterer ein Solo beisteuert. Besagte Nummer ist im Übrigen eine ziemliche Slayer-Hommage. Stehen und Fallen könnte das Ganze mit den Vocals, die gerade bei DEPHOSPHORUS bekanntlich nicht jedermanns Sache sind, allerdings überzeugen die Griechen hier wieder ein mal mit ihrem sehr eigenen, ziemlich atmosphärischen und facettenreichen Grind-Stil. Die mir zuvor unbekannten HAAPOJA aus Finnland tönen nicht ganz so unberechenbar, stehen ihren Partnern in Crime mit einer gelungenen Mischung aus Groove und Geballer ansonsten aber in nichts nach.  
Cooles Teil! Gibt’s auf Vinyl oder digital bei 7degrees-records.de bzw. www.7degreesrecords.bandcamp.com

MÖRSER – V

Lasst Euch nicht verarschen, denn eigentlich ist “V” erst Regulär-Album Nummer vier, handelte es sich doch bei “Pure Scum” um eine alte EP (damals als „Scum“ mit einem Comic zusammen veröffentlicht), die mit neuem Material zum Longplayer aufgestockt wurde. Tut der Sache keinen Abbruch, dass die guten alten Bremer es immer noch draufhaben und ihre eigenständige Grind/ Metal/ HC-Mixtur auch hier mal wieder total geil kommt. Sollte man kennen, muss man haben - Fuck you, I’m with Mörser!
Song-Fave: "Dirt Crawler". 

Label: www.speckflag.com
NAPALM DEATH – Apex Preadator - Easy Metat
Weit von einer Selbstneuerfindung entfernt, in den Nuancen erfrischenderweise aber doch mal wieder mit ein paar Ecken und Kanten bzw. interessanten Akzenten mehr, als auf den meisten anderen Alben der letzten 10-15 Jahre  (die man zwar alle bei Erscheinen gut fand, von denen man dann in der Rückbetrachtung ganz ehrlich aber doch nicht unbedingt so wirklich jedes gebraucht hätte), finde ich auch „Apex Preadator – Easy Metat“ gerade mal wieder ziemlich gelungen. Was wäre die Welt eigentlich ohne NAPALM DEATH?
Song-Fave: Tatsächlich der ziemlich aus dem Rahmen fallende Intro-Titeltrack
Label: www.centurymedia.com


UNREST – Grindcore
Dieses Teil erscheint zwar erst Ende März, ist mir aufgrund der inzwischen verhältnismäßig hohen Quote sehr starker Grindcore-Veröffentlichungen im ersten Quartal des Jahres aber schon mal den entsprechenden Hinweis wert! Die Geschichte hinter UNREST ist die, dass diese sich vor Ewigkeiten von Nasum inspiriert zusammentaten, u.a. weil einer der Jungs dann nach NY zog um dort Woe zu gründen aber eine ganze Weile auf Eis lagen. Dem nun mit reichlich Verspätung veröffentlichten, plakativ und programmatisch betitelten Debüt merkt man das Recycling alter Ideen aber kaum an. „Grindcore“ erinnert vor allem an die besten Momente von Phobia, kommt abwechslungsreich, energisch, zeitlos und sehr ungekünstelt daher, und könnte damit ironischerweise nun zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Grind on!

Doom/ Sludge/ Drone, Stoner- und Postrock etc.:

ABSTRACTER -  Wound Empire
Verglichen mit „Tomb of Feathers" haben ABSTRACTER auf „Wound Empire" vor allem an düsterer Atmosphäre und schlechter Laune zugelegt. Nahmen 1-2 Songs auf dem Vorgänger schon mal eine Wendung, die man tendenziell als fast schon heiter bezeichnen konnte, sind derartige Stoner-Metal-Vibes hier nun weitgehend  gewichen. Das zweite Album der Oaklander klingt dunkler und bösartiger, neigt mit düster-psychedelischem Anhauch etwas mehr zum Funeral Doom und vielleicht auch Black Metal als zuvor. Das macht es nicht unbedingt wirklich interessanter, ändert aber auch nichts daran, dass auch dieses Album insgesamt ziemlich gelungen ist, was vor allem dem verhältnismäßigen Facettenreichtum der Band geschuldet ist. Für Isis- wie Ahab-Fans gleichermaßen interessant!
Band-Bandcamp: http://abstracter.bandcamp.com/...
7 Degrees Bandcamp: http://7degreesrecords.bandcamp.com/album/...


BROTHERS OF THE SONIC CLOTH - s/t

Jaaaaaaa! Endlich! Endlich ist Tad Doyle of Tad fame zurück und präsentiert uns das lang angekündigte Album seiner neuen Band.  Und da staunt man beim Erstdurchlauf nicht schlecht, was für ein mächtiger wie auch verquerer Brocken das geworden ist. Das Album, nicht Doyle, der war schon immer einer. Seinem Kumpel Mike Scheidt und dessen Band Yob machen die BROTHERS OF THE SONIC CLOTH hiermit wirklich ernste Konkurrenz. Von der (relativ) rockigen Zugänglichkeit alter Tad-Tage ist nichts mehr geblieben, stattdessen wird der Hörer von tonnenschwerem, eigenwilligen Doom Metal überwältigt. Hoffentlich war das erst der Anfang!
Kommt Mitte/ Ende Februar via Neurot, aber ich musste mal eben angeben, die CD schon zu haben.
Preorder: neurotrecordings.merchtable.com/...


MERDARAHTA - As The Dark Clouds...
Auch das Ambient-/ Noise-/ Drone-/ Doom-Improvisations-Alter Ego der natürlich nach wie vor sträflich unterschätzten Deathgrinder Fuck The Facts hat gerade mal wieder was neues rausgehauen. Und das Werk mit dem Marathontitel „As The Dark Clouds Swept Away We Could See The Sunset“ dürfte das bisher „musikalischste“ sein, das unter diesem Namen veröffentlicht wurde, neigt dieser ineinander übergehende Fluss von sechs Tracks doch öfter mal etwas mehr zu Post-Metal-Songstrukturen als zur Freiform.
Sehr, sehr cool!
Bandcamp: http://merdarahta.bandcamp.com/album/as-the-dark-clouds...

THE BODY & THOU – You, Whom I Have Always Hated
Ja, richtig, eine erste Platte mit Material ihrer Kooperations-Session gabs letztes Jahr schon mal, und nun legen THE BODY und THOU via Thrill Jockey die zweite Veröffentlichung ihrer gemeinsamen Lärmerei vor. Um ehrlich zu sein, war ich beide Bands jeweils für sich zuletzt ja eher etwas leid. THE BODY - letztjährige Haxan Cloak-Kooperation hin oder her - wurden mir mit dem langsam etwas undurchsichtigen Output irgendwelcher EPs und Compilations immer gleichen Gedröhnes fast schon etwas zu beliebig, während ich beim letzten THOU-Album „Heathen“ nach wie vor nicht so richtig verstehe, warum dieses allgemein so gut ankam, denn mich langweilt es ja ehrlich gesagt leider eher. Im Verbund sind THE BODY & THOU allerdings der schwerste und fieseste Shit, den man in derartigen Stilregionen derzeit findet. Das i-Tüpfelchen ist ein bestialisch verunstaltetes Cover der NIN-Gothdisco-Kamelle „Terrible Lie“. Geil derbe und derbe geil!


URFAUST - Apparitions
Gehen wir es mal von folgender Seite an: Wer URFAUST schon immer irgendwie albern oder „überbewertet“  oder etwas in der Richtung fand, bzw. mit der Band aus irgendeinem anderen Grund schlicht und ergreifend nicht viel anfangen kann (etwa weil er fälschlicherweise eher sowas wie Kackdavar oder Doofheaven für ‘ne interessante Sache hält), den wird „Apparitions“ nicht unbedingt vom Gegenteil überzeugen. Wer das Duo jedoch vor allem deswegen schätzt, weil die Niederländer stilistisch das absonderliche Gegenteil der repräsentativen Metal-Kapelle von um die Ecke sind, der wird sich auch diese  EP gerne in die Sammlung stellen. Dieses mal loten URFAUST nämlich alle Richtungen außer der von ihnen gewohntesten aus. Der „typische Urfaust-Song“ ist ja eine straighte Kombination aus 6/8-Gestampfe, Schrammelriffing und kruden Vocals, die mal ins melodische, mal ins verzweifelte kippen. Gerade jetzt, wo ich genau diesen von der letzten Livebegegnung tatsächlich etwas über hatte, gibt es hier nun vor allem lange Ambient-Passagen, mantrische Gesänge in freier Schwebe und eine auch im vertikalen Arrangement ziemlich wirre Nummer (Titeltrack). Und vieles davon hat eigentlich schon mehr mit Surrealismus als mit irgendwie gängigem Black Metal zu tun.
Klar, man könnte das auch als artyfartsige Unnötigkeit von betrunkenen Hobbylärmern abstempeln, die sich Okkult-Modebarbies und andere Metal-Lemminge, sowie Vice-Leser mit neu entdeckter Krachmusik-Zuneigung als ganz große Sache einreden lassen. Wirklich cool ist man allerdings nur dann, wenn man den Ansatz einer eh schon eigenwilligen und originellen Band anerkennt, auch mal Wege abseits der zur Genüge ausgetretenen  Pfade zu betreten, und daher tatsächlich eine künstlerisch wertvolle Angelegenheit zu sein.
Ich find‘s ziemlich gut!
Label: www.van-records.de


Blick über den „langhaarige Musik“-Tellerrand

JOHN CARPENTER - Lost Themes
"They Live" und "Escape from New York" sind ja zwei meiner absoluten Lieblingsfilme. "Dark Star" und der "The Thing"-Remake sind auch nicht zu verachten, "Prince of Darkness" war ganz okay (und hatte Alice Cooper!)  und selbst nicht ganz zu Unrecht vielgescholtene Filme von Regisseur John Carpenter wie "Vampires" und "Ghosts of Mars" mag ich irgendwie trotzdem. Zu den meisten seiner Werke hat er bekanntlich auch selbst die Musik kreiert. Die berühmte "Halloween"-Titelmelodie könnte ich sogar spontan auf dem Piano nachspielen. Mit „Lost Themes“ hat der Altmeister des Horrors und dystopischer Action nun ein für sich stehendes Musikalbum veröffentlicht. Just for the fun of it - er hatte einfach mal Bock auf Komponieren, ohne den Stress drum herum auch noch den Film dazu fertigzustellen. Und das bietet ungefähr bis ziemlich genau das, was man davon erwartet, was in diesem Fall eine absolut coole Sache ist.  Ich hör's gerad' jedenfalls voll gern und auf Repeat!

DISAPPEARS – Irreal
Mein erster nennenswerter Kontakt mit DISAPPEARS und ein Album, das seinem Titel alle Ehre macht. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so richtig, wie ich diesen Avantgarde-Postrock irgendwo zwischen (ahnungslose Assoziationen:) Tortoise, This Heat und Autechre genauer etikettieren oder beschreiben soll. Repetitive Rhythmusmuster und kühle Klangflächen, gerne mal etwas quer? Irgendwie sowas. Reinhören lohnt sich.

Soundcloud-Hörprobe: https://soundcloud.com/kranky/disappears-another-thought

Auch noch reingehört und kurz notiert:
6:33 - Deadly Scenes: Wer sowohl Mr. Bungle/ Fantomas/ Faith No More (/ Civil Defiance, Sleepytime Gorilla Museum, …) mag, als auch mit der klanglichen Sterilität späterer Devin Townsend-Outputs klarkommt, der sollte bei diesen Franzosen mal ein Ohr riskieren. 
CALL OF THE VOID  - Ageless: Hard-/ Crust-/ Grindcore aus dem Hause Relapse. Nicht wirklich spannend, aber auch nicht wirklich schlecht. callofthevoid303.bandcamp.com 
COWARDS - Rise To Infamy: Pseudo-Blackened Fickrig-Screamo-Metalcore zwischen Converge und Celeste. Nicht umwerfend, aber ganz gut!
GRANDIZER – A75: Völlige wahnsinnige Franzosen mit einem Synthie-unterstützern Math-/ Hard-/ Grind-core-Inferno. http://grandizerband.bandcamp.com
MARDUK  - Frontschwein: Comedy-Black Metal. Nicht essenziell, aber unterhaltsam.
MORBID EVILS - In Hate With The Bruning World: Klick-> Extra-Post
NEGURA BUNGET - Tau: Normalerweise nicht so meine Baustelle, musste ich jüngst anerkennen, dass besagte Prog-/ Folk-Black Metal-Band aus Rumänien durchaus ihre Momente hat. Die aktuelle reicht meinen bisherigen Eindrücken nach allerdings nicht ganz an den Vorgänger ran.
PROFANE AND THE SACRED - Chapter 1: A Long Time Coming: Heavy Rock/ Stoner Metal für Freunde von Down, Black Label Society, C.O.C., Burden und co. Nix besonderes, aber kann man so nehmen.

SANDRIDER / KINSKI Split: Klick-> Extra-Post
SATURNALIA TEMPLE – To The Other: Kruder Düster-Doom mit rituellem Charakter (natürlich total okkult). Wie härtere Electric Wizard ohne bekifftes Explotationfilmgucken oder etwas zurückgenommene Ufomammut.

THE CROWN - Death Is Not Dead: ZIemlich okayer Death-Thrash mit melodiös-klassischer Metal-Kante, aber so geil wie zu "Hell is Here" / "Crowned in Terror"-Zeiten werden die in diesem Leben wohl nicht noch mal wieder werden.   
TOUNDRA - IV: Wenig aufregender aber gutklassiger Instrumental-Postrock mit Stoner-Kante
 

Am Horizont:
CHERUBS

ELDER
JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE covern wieder

LIGHTNING BOLT
PYRAMIDS

RECTAL HYGIENICS
VENOM (haha!)

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