Mittwoch, 24. Juli 2013

Hell's Pleasure Metalfest 2013

Ein interessantes Festival, dieses HELL'S PLEASURE in Pößneck.
Warum sich die Reisegruppe "Krach und so" dieses Jahr an einem sehr frühen Freitag Morgen auf die Autobahn gen Osten werfen musste, das hatte ich in einer Vorankündigung schon mal umrissen. Das Billing war mit seiner Mischung aus geschätzten Stoner/ Doom-Größen (Acid King, Electric Wizard), den Grindcore- bzw. Deathgrind-Erfindern Repulsion bei ihrem ersten Gig hierzulande überhaupt, und interessantem Avantgarde-Düsterkram (z.B. Portal bei ihrer ebenfalls ersten Invasion hier) zu gut, um nicht hinzufahren.
Konnten auch 1-2  Absagen von Bands, die ich mir durchaus ansehen wollte (Gates of Slumber, Chaoes Echoes), nichts dran ändern...

Dinge, die dabei auffielen: Das Ganze war schon irgendwie etwas locker organisiert (im Sinne von: Im Post-“Love Parade Tragödien“-NRW vermutlich so kaum möglich) und bot seinen tausend Besuchern ferner nicht mal eine Duschgelegenheit.
Das Publikum war außerdem, gemäß des speziellen Billings, nicht nur überraschend international, sondern auch etwas seltsam gemischt.
Sludge'n'Stoner-Freunde und "Hipster-Metaller" im entsprechenden Merch auf der einen, verpeiltes Jungvolk in pseudomäßiger 80ies Metal-Revival-Uniform auf der anderen Seite. Für letztgenannte wurde mit Bands wie den NWOBHM-Oldies Satan, den durchaus passablen In Solitude, und den völlig unsäglichen Attic schließlich auch was geboten.
Dass man von Organisatoren-Seite im Vorfeld betonte, das Festival als Politik-freie Zone zu verstehen, und man im entsprechenden Statement auch niemand Musik-interessierten irgendeiner ideologischen Ausrichtung explizit ein- oder ausladen wollte, führte außerdem zu Beobachtungen wie folgender: Während halbstarke Asikinder an einer Ecke des Zeltplatz irgendeine Ulk-Rechtsrock-Scheiße in die Wildbahn schallen ließen (krepiert doch mal bitte an Euren eigenen Kopfvakuum-Implosionen!), ging gegenüber ein Mädel im "Good Night White Pride"-KaPu vorbei (Dich find' ich super!).
Naja. Es wäre allerdings dennoch gelogen, würde ich hier jetzt behaupten, dass die Veranstaltung irgendetwas anderes als
weitestgehend doch ziemlich entspannt abgelaufen wäre, bzw. es außerdem irgendetwas an sonstiger Orga, Bühne, Sound, etc. auszusetzen gegeben hätte. 
 

Zum wesentlichen...der Musik...

Freitag

Gleich der Opener BÖLZER wusste als kleine Entdeckung zu begeistern. Namentlich auf dem Radar hatte ich das Duo aus der Schweiz bereits gehabt, allerdings bisher noch keinen Ton gehört. Geboten wurde  ein eigenständiges und doch völlig unprätentiöses Bollergröl-Black Metal-Eigengebräu, das ziemlich gut reinging. Sind auf dem Einkaufszettel...
 

Zwischenzeitlich erfreute und amüsierte uns die Begegnung mit einem berüchtigten Bekannten aus der Gegend, nennen wir ihn mal Lieutenant C.K., mit Platten-Stand für ein Label anwesend, der schon wieder derart desaströs unterwegs war, dass er zur Unterhaltung aller auf eine Schallplatte seiner eigenen Band urinierte. 
Nun ja...


HOBBS' ANGEL OF DEATH war dann später eine etwas zwiespältige Sache. Der australische alte Mann und seine jüngeren Mitmusiker haben ja durchaus den einen oder anderen guten Song im Repertoire, und grundsätzlich mag ich diese Art von klassischem Thrash Metal - das mit dem vermeintlichen Kult-Faktor und der tatsächlichen Realität kann aber manchmal so eine Sache sein. Ganz nett, aber u.a. wegen seiner peinlichen Eröffnungsrede sollte Ruhestand vielleicht langsam mal eine Option werden.
 

Dann: ACID KING. Drummer Joey sieht inzwischen doch wieder mehr nach Hippie als nach Nachrichtensprecher aus (was er beim Roadburn '11 tat), und Gitarristin/ Sängerin Lori S. rockt Songs wie „2 Wheel Nation“ so ansteckend runter, dass ich die Kamera dann auch zwecks Tanzbein schwingen sehr schnell wieder am Körper verstauen musste...

 
 

Danach: REPULSION! Reunions alter Legenden mögen grundsätzlich seltsame Beigeschmäcker haben, da ich allerdings niemals gedacht hätte, diese grandiose Band in meinem Leben jemals zu sehen, war diese Gelegenheit ja doch eine ziemlich geile Sache. Zumal dem Trio das entsprechende Quentchen Selbstironie dabei nicht fremd zu sein scheint, z.B. als Brüller/ Basser Scott Carlson einen Song von ihrem „aktuellen Album, ...das vor über 20 Jahren rauskam“ ankündigt. Sympathische Truppe, geile Songs, super Performance - das war wirklich wunderschön! 


 
 
 

Als samstäglichen Abschluss vorm Discozelt-Abschuss gab es dann noch PORTAL - jene Australier, deren Schriftzug derzeit das Shirt auf jedem aktuellen Phil Anselmo-Foto ziert, und deren letzten zwei Alben in der internationalen Metal-Blogosphäre als unweltliche Sensation gefeiert wurdern.
Schon leicht beduselt im Kopp funktionierte die surreale Mixtur aus Lovecraft-inspirierter Bühnenerscheinung (inkl. Tentakelhandschuhen, die der Sänger durchs Nebel-/Lightshow-Dickicht ranken lies) und ultradüster-dicht rausgeschroteter Musik ziemlich gut. 

 


 
 

Samstag

Das nur als Randnotiz: Der berüchtigte Lieutenant C.K. wurde mit den Worten „What the fuck are you doin' in my car?“ geweckt, als er ohne Hose in einem Bandvan schlummerte....

Die erste nennenswerte Band am zweiten Tag waren SVARTIDAUDI, deren gleichermaßen epischer wie brutaler Black Metal bei Tageslicht und Freilichtbühnensound nicht so optimal funktionieren wollte. Würde ich daher wohl durchaus gerne mal eine nächtliche Clubshow von sehen...

 

Im Anschluss entsetzte die Clownstruppe ATTIC mal wieder mit ihren billigen Kindermelodie-Leads und einem mittelmäßigen King Diamond-Imitator am Mikro. Meine Fresse, wieso ist diese unsägliche Gurkenband diesen Sommer eigentlich vom diesjährigen Roadburn-Vorglühen bis zum vor der Tür stehenden PartySan wirklich überall, und wer ist tatsächlich so merkbefreit und willenlos, sich von derartiger Grütze tatsächlich hinterm Ofen vorlocken zu lassen? Mal wieder eine dieser Ungerechtigkeiten in der Welt, die ich niemals verstehen werde...

Sie wiederum gehörten eindeutig zu den Siegern des Festivals: BLACK SALVATION aus Leipzig übernahmen die mehr oder minder undankbare Aufgabe, für die französischen Black Metaller Antaeus einzuspringen, deren Auftritt von einem Flughafenstreik verhindert wurde. Und BLACK SALVATION waren ziemlich super! Stoner-/ Psychedelic Rock der druckvolleren, dreckigeren, verspielteren, dabei aber trotzdem Retro-Vibes versprühenden Sorte. Immer wieder ausgedehnte Instrumental-Passagen, die gefielen, und immer wieder drückendes Gerocke, das mitriss.
Ziemlich geil. Die Jungs muss man in Zukunft auf dem Radar haben, da kommt vielleicht was großes auf uns zu...

 
 

Zu CRUCIAMENTUM's Death Metal kann ich nur kurz und knapp sagen, dass das Ganze 'ne ziemlich brauchbare Angelegenheit war, ich persönlich da jetzt aber auch nicht gleich zum Tonträgererwerb losrennen musste. Durchaus gute Band - sie können ja nix dafür, dass ich bei Death Metal und seinen Subgenres heutzutage superpicky bin...

Womit wir bei NECROS CHRISTOS wären, die ich zugegeben auch nicht komplett gesehen habe, die mir 2-3 Songs lang aber besser als sonst schon mal gefallen haben. Das hatte irgendwie mehr Schmackes, Tempo und Dynamik als bei einer früheren Begegnung. Was auch immer mit denen in der Zwischenzeit passiert sein mag, es ist eine positive Entwicklung!

 

SATAN, ja, klar habe ich mir auch die ein wenig angesehen, habe aber irgendwie keine wirkliche Meinung zu den reunierten Old School Schwermetall-Opas von der Insel...

Bringt das Hell's Pleasure, siehe Necros Christus, etwa tatsächlich das Beste an Bands zum Vorschein? Waren ELECTRIC WIZARD, wenn man mal ganz ehrlich ist, in der Vergangenheit gelegentlich wohl auch schon mal nicht so ganz 100%ig Headliner-würdig gewesen, so überzeugten sie an diesem Abend wirklich auf voller Linie.
Dass der mit seinen Riesenbecken schon im Ansatz ein bisschen bekloppt rüberkommende Ex-Ex-Drummer Mark Greening (Ramesses) inzwischen wieder  dabei ist, ist erfreulich, aber lediglich eine Randnotiz. Trotz leichter Aufbauverzögerung (somit die erste und einzige des Wochenendes!), und den wie immer etwas schlurig rüberkommenden Wizards war dieser Auftritt der beste, den ich von ihnen bisher gesehen habe. Was durch das wirklich tolle Bühnenlicht noch mal einen Extra-Hauch von Magie bekam.
Schöner Abschluss!


















[Zum Vergrößern auf Bilder klicken]

1 Kommentar: