Montag, 1. Juli 2013

15jähriges: Anthrax - Vol 8

Nachdem hier schon die runden Jubiläen des Mai ’93 veröffentlichten „Sound of White Noise“ und des im März zehn gewordenen „We’ve Come For You All“ zur Kenntnis genommen wurden, soll die von „Volume 8: The Threat Is Real“ markierte Fünfjahresmarke zwischen den beiden nicht unerwähnt bleiben.

Sommer ’98 – ja, das waren noch ganz andere Zeiten. Bevor ich hier jetzt allerdings anfange, nostalgisch in Spätjugendanekdoten zu schwelgen, kommen wir zum Thema.
„Volume 8: The Threat Is Real” war das dritte ANTHRAX-Album mit Sänger John Bush, und irgendwie auch das insgesamt seltsamste der Band, dabei aber keinesfalls zu unterschätzen.
War „Sound of White Noise“ fünf Jahre zuvor ein gelungener Einstand ihrer Reinkarnation gewesen, hatte sich für das folgende „Stomp 442“, das 1995 noch mal einen Schuss modernmetallischer tönte, allerdings kaum eine Sau interessiert.
„Vol 8…“ wirkte danach ein bisschen wie eine stilistisch äußerst heterogen aufgestellte Compilation von Sachen, die sie so vorher nirgends unterbekommen haben, strahlte dabei allerdings dennoch eine gewisse Frische aus.

Songs wie der Opener „Crush“ und die Videosingle „Inside Out“ (mit Dimebag Darrell-Unterstützung) waren moderne Groover mit Brecher-Riffing aber Refrains mit gewissen Pop-Tendenzen, „Born Again Idiot“ (noch mal mit Dime) und „Killig Box“ (mit Phil Anselmo als Gastschreier) wollten es dagegen noch mal eine Ecke härter wissen. Im Kontrast dazu war dann allerdings „Toast To The Extras“ sowas wie ‘ne Countryrock-Nummer, „Harms Way“ begeisterte als hymnisch ausartender Rocksong mit regelrechten Gospelblues-Tendenzen, „Big Fat“ rockte durchaus hart aber dennoch irgendwie locker beschwingt mit more Cowbell aus der Hüfte, und das für eine Metal-Band untypisch schrammelig-gesangsbetonte „Catharsis“ ist womöglich einer der allererhebendsten Songs, die je aufgenommen wurden. Die kurzen Spaßknüppler „604“ und „Cupajoe“ muten dann ferner wie S.O.D.-Outtakes an, und mit dem fast schon doomig-grooveigen „Stealing From A Thief“ und dem Akustikballaden-Hidden Song „Pieces“ (gesungen von Basser Frank Bello, der dort die Ermordung seines Bruders verarbeitet) endet die CD mit zwei großen Schritten in einer ziemlich abgebremsten Stimmung.
Bei Erscheinen habe ich das Album sofort weigehend großartig gefunden, wenn auch ihre eigentlichen Song-Highlights teilweise erst im Laufe der Zeit herausgekitzelt. So sind es hier vor allem die, selbst für die Bushthrax-Ära, ungewöhnlich rockigen „Catharsis“ und „Harms Way“, die zu meinem persönlichen ANTHRAX Top-Lieblingssongs überhaupt zählen, auch wenn primatäre Anhänger ihrer klassischen Thrash-Ära dazu wohl nur die Hände überm Kopp zusammenschlagen werden.
Eines muss man dazu allerdings noch sagen: Wenn wir hier von „rockig“ reden, hatten die rockigen Anflüge von ANTHRAX in den 90ern immer noch mehr Eier und Verve, als etwa die von Megadeth und Metallica. Um Welten!

Mag sein, dass „Volume 8: The Threat Is Real” im Common Sense weder als Klassiker des Großgenres Metal, noch als eines der fünf zwingendsten Alben von ANTHRAX in die Musikgeschichte eingegangen ist – auf seine etwas eigenwillige Art hat dieses Album aber dennoch einen bestechenden Charme und nicht zuletzt auch ein paar großartige Songs zu bieten, die man wie gesagt nicht unterschätzen sollte.

Hach ja, Sommer ’98 ...


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