Montag, 17. Juni 2013

Interview: Nicoffeine

(Eigentlich finde ich das klassische Interview-Format ja ein bisschen überflüssig. Was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass man über Jahrzehnte hinweg immer wieder, in den immer gleichen Publikationen, von den immer gleichen Rockstars und Muckertypen, die immer gleichen Floskeln und Phrasen über das aktuelle beste Album oder musikalisches erwachsen werden gelesen hat.
Hier ist das „aber“: Manchmal gibt es tatsächlich ein paar Fragen, die mich interessieren, und manchmal möchte ich meinen klitzekleinen, banalen Beitrag dazu beitragen, einer meiner Meinung weniger Aufmerksamkeit als ihr zustünde bekommenden Band dadurch ein bisschen Forum zu bieten.)


Soheyl Nassary, NICOFFEINE-Mainman und selbstständiger Mediendesigner, ist ein Typ, den man ja eigentlich hassen möchte. Aus purem Neid, weil er mit Lederjacke und Koteletten ein bisschen so aussieht wie Wolverine. Ich überkam meine Selbstverachtung (weil ich eben nicht so aussehe wie Wolverine)  dann allerdings doch mal, um ihm ein paar Fragen zu stellen…

Beim Recherchieren bin ich darüber gestoßen, dass jemand bei ‘nem Webzine, bei dem ich damals auch mal aktiv war, vor 10 Jahren über Euch sinngemäß geschrieben hat, dass man sich diese nervige Unmusik ja mal echt nicht anhören kann. Wie oft bekommt Ihr derartiges Feedback?


Nicht oft! Es kommt meistens darauf an, wer überhaupt die Promo-Alben in die Hand bekommt. So lange hat meistens keiner Zeit, um sich mit der Materie tatsächlich auseinanderzusetzen. Bis jetzt haben wir mehr positive Reaktionen bekommen. Wie findest Du denn diese nervige Unmusik?


Wie ich hier in jüngerer Vergangenheit schon 1-2 mal erwähnt habe, ja eigentlich ganz geil. Andere wohlwollende Reviewer wiederum tun sich ja manchmal schwer mit der Kategorisierung. Sowas wie Casper Brötzmann Massaker liest mal schon mal als Vergleich, was vielleicht gar nicht mal so unpassend ist, Melvins und Sonic Youth kommen auch schon mal vor, was ich wiederum eher irreführend finde. Wo siehst Du Dich da selbst, bzw. was für Bands/Künstler hatten direkten Einfluss auf den NICOFFEINE-Stil?

Es gibt da keine direkte Band, aber vielmehr Genres oder Dekaden. Nicoffeines Musik beinhalten den revolutionär-naiven Freigeist der 60er, den progressiven und zugleich den protestierenden Prog- & Punk-Part der 70er, die Dekadenz und den Größenwahn der 80er, und die Anti-Helden-Haltung der 90er. In den 00er Jahren hat sich ja nicht viel neues herauskristallisiert. Wir schließen keine Musikrichtung aus. Alles dient als Inspirationsquelle… alle darstellenden Künste.


Interessant, dass Du meine Meinung in Bezug auf die Nuller-Jahre teilst, die musikalisch vor allem in den ersten zwei Dritteln eine größtenteils eierlose Katastrophe waren.
Macht es bei so ‘ner Musik, wie Ihr sie macht überhaupt noch Sinn, diverse Medien damit zu bemustern, oder seid Ihr von dem Spiel eh schon wieder weg?


Doch, es ist immer noch sehr sinnvoll. Nicht unbedingt kommerziell, aber wenn du nicht in den Medien auftauchst, dann existierst du leider auch nicht. Die klassischen Medien und Plattformen sind vielleicht nicht mehr so relevant wie früher. Aber alles was sich im Musik-Blogs und im Netz allgemein abspielt ist schon sehr wichtig und fördernd. Da hat man es doch mit Personen zu tun, die freiwillig über dich schreiben, weil sie davon nicht leben. Und sie kennen sich auch sehr gut aus. So sind wahre Musikfans.


Tjoah, so bin ich. Die Musik von NICOFFEINE folgt jedenfalls keinen konventionellen Popsong-Strukturen sondern lebt eher von einer sehr eigenen klanglichen und rhythmischen Ästhetik.
Siehst Du Parallelem zwischen Deiner Arbeit als Designer/visueller Kreativschaffender und der Musik Deiner Band?


Definitiv! Für mich persönlich ist es eine Einheit. Vom Cover-Motiv, Typo, Farbe, Format - bis zu Komposition, Aufnahme, Klang, Entstehungszeitraum und Titel. Das ist alles sehr zusammenhängend.
Es ist allerdings nicht so verkopft wie es klingt. Es ergibt sich alles automatisch.
 

Wie entsteht denn dabei so ein NICOFFEINE-Song bzw. Album? Aus spontanen Jams, oder habt Ihr vorher schon eine Art von theoretischer Ahnung, was ihr vorhabt?

Das hat sich über die Jahre etwas verändert. Früher gab es durch aus eine vorgegebene Struktur.
Mit Jörg und Guido ist es allerdings ganz anders. Viel besser und leichter. Wir sprechen die gleiche musikalische Sprache und wissen automatisch, wie sich unsere Ideen im Nicoffeine-Kontext anfühlen und klingen sollen. Es ist für mich schon etwas ganz Besonderes, mit einem Drummer wie Jörg A. Schneider und ein Mastermind wie Guido Lucas zu musizieren. Bin sehr dankbar diesbezüglich. 


Erzähl doch für die Gitarren-Nerds mal was über Dein Gear!


Meine Gitarre soll und muss wie eine sterbende Katze beim Orgasmus klingen. 


Äh ja, dann halt nicht. Wie kam es eigentlich zur Tour mit Valborg? Ihr seid irgendwie ein ungleiches Paar (wenn auch wunderschönes).


Wir setzen da keine Regeln. Das würde Nicoffeines Wesen gar nicht entsprechen. Wir kennen die Valborg-Jungs schon sehr lange und haben auch bereits zuvor einige Gigs zusammen gespielt. Ebenfalls mit Woburn House! Und das werden wir definitiv nochmal wiederholen. Wenn man es ganz niedrig betrachten würde, passen wir zu allen Bands, und zu keiner zugleich.

 
Ist was dran. Letzte Frage: Nächsten Monat spielt Ihr mit EyeHateGod in Köln. Hast Du keine Angst, zu viel vom Jimmy Bower’s Gewürzmischung mit einzuinhalieren oder so?
 

Ich werde gewappnet sein! Mit Vodka und Fleischpeitsche.

 …

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