Mittwoch, 24. April 2013

Roadburn 2013

Tja … time flies, when you’re havin‘ fun!
Wie schnell das ROADBURN Festival 2013 im persönlichen Empfinden so verstrich, das war irgendwie schon im Turbogang, auch wenn es ja eigentlich der Event ist, für den in meinem Kosmos die Welt mal eben stehenbleibt.
Hatte ich meine persönliche Nachberichterstattung letztes Jahr nicht nur auf einen, nicht nur auf zwei, sondern auf ganze drei Teile ausgewalzt (plus den einen oder anderen Bonus), bin ich derzeit etwas zu busy wieder so viel Zeit und Liebe reinzustecken, aber ohne eine Abhandlung im relativen Schnelldurchlauf (und damit wohl auch nur zu gut passend zum erwähnten, diesjährigen Zeitempfinden) geht es irgendwie auch nicht …

Mittwoch

Die Eröffnungssause im Cul de Sac mit ATTIC und BLISKEM. Vor allem erstere Kollegen aus Gelsenkirchen entsetzen!  Im RockHard feiert man die Mercyful Fate-Epigonen ohne Ende ab, aber was wir diesen Abend zu sehen und hören bekommen, ist ein geschminkter Honk mit dünner Stimme und ohne Sangestalent, der das offensichtlich durchaus ernst meint. Was zur Hölle hatten die da überhaupt zu suchen?

Donnerstag

Erst mal 3 Songs von THE BLACK HEART REBELLION im Het Patronat, der Kirche gegenüber des 013 gucken. Musik zwischen Post-Punk und Neo-Folk oder sowas. Nicht schlecht, und mal was anderes. Würde ich mir durchaus auch noch mal eine ganze Clubshow von ansehen.

Die gebührendere Roadburn-Eröffnung und tendenziell auch schon einer der eigentlichen Headliner folgt dann allerdings schon bald auf der Hauptbühne in Form von PALLBEARER. Die Doom Metal-Newcomer des Jahres 2012 halten, was sie versprachen, spielen ihr Album „Sorrow and Extinction“ komplett, haben einen ziemlich geilen Sound, und stimmen perfekt auf den Rest des langen Wochenendes ein. Schön!

Was ich danach auf der klitzekleinen Stage01 bei nur mäßigem Andrang von CROWN mitkriege, ist eher so semi. Immerhin konnte ich einen Briten im Publikum damit erheitern, das Drumcomputer-Grunzdoom-Duo als „Poor Man’s Godflesh“ zu bezeichnen.

Zurück zur Hauptbühne, PENANCE. Wie kürzlich schon mal gesagt muss man da mal die Kirche im Dorf lassen, also hält sich auch hier erst mal der Andrang in Grenzen, aber vereinzelte Fans rufen der wirklich gut eingespielten Band in Urbesetzung ihre Songwünsche entgegen. Meinen, in Form der cheesy Powerballade „Reflections“, bekomme ich sogar. Das war durchaus ganz nett! Nichts überragendes, aber eben nett, im besten Sinne.

PILGRIM hatte ich bisher nicht so wirklich auf dem Schirm gehabt, und werde jetzt wohl auch nicht losrennen mir ‘ne Platte zu kaufen, aber das im Green Room gesehene und gehörte gefiel ganz gut, zumal die Band auch mit viel Enthusiasmus dabei war.

GRAVETEMPLE – naja. Diese ganze Drone-Kiste ist inzwischen irgendwie etwas abgelutscht, oder findet Ihr nicht? Immerhin sieht Attila mal wieder witzig aus, wenn auch komplett anders als erwartet (was aber wohl auch gerade eben der Effekt daran war).

Randvolle Bude vor der Hauptbühne dann wieder bei HIGH ON FIRE, die ihr 2000er Debüt „The Art of Self Defense“ am Stück spielen, welches ein bisschen Groove-orientierter und weniger auf Vollgas ausgerichtet war, als späteres der Band. Hat durchaus Spaß gemacht.

Danach sofort rüber zu MASERATI in den Green Room, deren Dance-Postrock an Fahrt zugelegt hat, und mir persönlich supergut gefällt, live beim Roadburn sogar noch besser als auf ihrer aktuellen Konserve. Apropos Konserve, aus eben jener kamen die Bassläufe, denn der Bassgitarrist der Band konnte wegen einer Niereninfektion nicht dabei sein, und der Drummer spielt währenddessen angestrengt mit ständig rutschenden Kopfhörern dazu.  Gute Besserung an dieser Stelle, und danke an den Rest der Truppe für diesen sehr gelungenen Gig, auch wenn es im Green Room mal wieder einen Tick zu voll war.

PRIMORDIAL (Hauptbühne) und LORD MATNIS (Stage01) werden beide ein bisschen begutachtet, aber auch nicht so wirklich goutiert oder gebraucht.

Die Hawkwind-Coverparade THE PSYCHEDELIC WARLORDS ist zwischenzeitlich ganz unterhaltsam (wenn auch unnötig), für den gelungen partymäßigen Abschluss des ersten Tages sind HERDER im Green Room allerdings das exakt richtige.
HERDER sind nämlich sowas wie die Sludge/Stoner-Variante von Biohazard‘ oder Hatebreed’schem ToughGuycore und als solche schon ganz schön prollig, stumpf und selbstabfeiernd. Bei Berührung in einem anderen Kontext würde man das Ganze vielleicht sogar eher verachten. Beim Roadburn um Mitternacht mit ordentlich Bier im Kopf fordern stampfende Standstartraketen wie „Feet Eager to Run to Evil“ allerdings herrlichst zum Mitmachen auf.

Freitag

Los geht’s mit DREAM DEATH, die wie erwartet nicht so wirklich der totale Bringer sind, deren Tom Warrior Gedächtnis-Rumpelthrashdoom allerdings einen Nerv von mir trifft. Viele andere fanden es nicht weiter erwähnenswert oder gar scheiße, ich persönlich hatte immerhin ein bisschen Spaß.

Die zeitversetzt im Green Room spielenden KADAVAR fallen vor allem mal wieder dadurch auf, mit superalbernen Outfits, deren Vintage-Aussage einfach nur total drüber ist, durch die Gegend zu schleichen. Was für Affen. Jetzt mal ohne Scheiß, was für Affen!

SABBATH ASSEMBLY, zwischendurch auch mit Genesis P-Orridge am  Gastgesang, sind in ihrer aktuellen Besetzung tatsächlich nur halb so gut, wie zuvor mit Jex Thoth als Frontfrau. Schlecht war das nicht, aber mit der bezaubernden Jex war es halt wirklich mindestens eine ganze Liga besser.

Im "ELECTRIC GRINDHOUSE CINEMA" der Stage01 kann man sich derweil von Electric Wizard ausgesuchte Explotation-Filme ansehen. Teils mit live dazu performten Soundtracks verschiedener Künstler. Immer, wenn  ich mal dort vorbeischaute, lief gähnende Langeweile auf der Leinwand, andere behaupten jedoch, dort die ganze Zeit blutige Titten gesichtet zu haben.  Schlechtes Timing.

UNCLE ACID AND THE DEADBEATS – kein bevorzugtes Terrain von mir, aber alles andere als schlecht. Ob ich es da doch mal auch auf Platte mit probieren sollte? Die Videoprojektionen waren allerdings nicht ohne.
HEXVESSEL – wohl doch nicht so mein Ding, vor allem im Roadburn-Kontext nicht.

COUGH haben Spaß gemacht. Auf Tonträger habe ich die Band bisher noch nicht so unbedingt benötigt, aber das hat live schon was hergemacht. Guter Sound, gute Band!

ELECTRIC WIZARD bestätigten im Anschluss meine Vermutung, irgendwie doch nicht so recht der absolute Top-Headliner zu sein. Auch wenn die Bude bis zum Rand aus allen Nähten platzte, und mir persönlich ihr archetypischer Stroner Metal-Groove ja auch durchaus sehr gut gefällt, war das Ganze, wenn man mal ehrlich ist, irgendwie nicht so 100%ig Top-Headliner-würdig.

Auch GOAT sind in manchen Kreisen so ein heimlicher Sensationsnewcomer des letzten Jahres. Und fuhren zugegeben eine ganz witzige Show auf. Die Frage, was ihre funky Samba-Inszenierung mit dem Spannungsfeld zwischen Psychedelic/Stoner Rock und Doom/Sludge Metal überhaupt zu tun hat, wird man aber wohl durchaus mal stellen dürfen. 

PSYCHIC TV / PTV3 – bisschen gesehen, ohne Worte (wertfrei gemeint).

Auch AMENRA sind als Abschluss eines Festivaltages im Het Patronat mal wieder die perfekte Wahl, und mit ihrem Neurotengroovecore generell durchaus ziemlich mein Ding. Da geht man doch glatt noch mal ein bisschen mit.

Samstag

Bei der Qual der Wahl der persönlichen Eröffnungsband des Tages wurden es die 3rd Wave-Black Metaller FELL VOICES (Stage01). Ganz witzig: Der Gitarrist und Schreier schreit zwischendurch auch immer wieder mal einfach in den Raum anstatt ins Mikrofon. Ansonsten hat man nichts wirklich sensationelles verpasst, wenn man nicht dabei war.

Danach ins Het Patronat zum Live-Debüt der Ván-Perle THE RUINS OF BEVERAST (sieht man von einer öffentlichen Generalprobe irgendwo in Berlin ab). Was tatsächlich ziemlich gut war, vor allem „I Raised This Stone as a Ghastly Memorial“ treibt die Stimmung
am Ende noch mal ziemlich in die Höhe. Echt gut! Status untermauert, einen Fan behalten.

CULT OF LUNA und TEETH OF THE SEA fielen an diesem Tag, ebenso wie der Cul de Sac-Auftritt von GOLD, irgendwie durchs Raster, das im Vorbeigehen zufällig gesehene der Aggrogroover LO! war als Kontrastprogramm allerdings nicht schlecht.

HIGH ON FIRE machen auch ein zweites mal die Hütte voll und durchaus Spaß, A FOREST OF STARS wiederum sind mir wohl zu viel Gegeigengedöns und sowas.

Für DIE KREUZEN interessiert sich kaum jemand. Die US-Punk/ Alternative-Legende, zu der sich u.a. Musiker von Sonic Youth, Napalm Death, oder Voivod als große Fans bekennen, ist im von Altherrenrock-Freunden und Hipstermetallern bevölkerten Roadburn-Paralleluniversum wohl ein bisschen deplatziert. Und leider auch irgendwie nicht so richtig gut. Sowohl die Vocals von Dan Kubinski, als auch das zuweilen etwas überfordert rüberkommende Geklampfe von Brian Egeness überschreiten an diesem Tag in puncto Performance und Sound Grenzen, an denen es auch schon mal eher etwas wehtut, und das meine ich an dieser Stelle nicht als positiv wertende Floskel.

ASH BORER sind ja schon so ein kleiner Underground-Hype, und sie werden eben diesem danach im Green Room auch absolut gerecht. Das hat wirklich mal ziemlich dicht und eindrucksvoll gedrückt und geblasen, was die Amis da aufgefahren haben. Leider vernahm ich vorwiegend Material der nicht ganz so gut gefundenen aktuellen, und verpasste den Song der persönlich viel besser gefundenen ersten am Ende, denn ich musste irgendwann rüber zur Hauptbühne. Dort spielten nämlich …

GODFLESH! Vor zwei Jahren lieferten sie mit ihrem ultrabrachialen „Streatcleaner“-Set schon mal einen der erinnerungswürdigsten Gigs der gesamten Festivalhistorie ab, dieses Jahr legten sie mit einem „Pure“-Set nach. Broadrick und Green fingen erst mal alleine mit drei Songs des besagten Albums an - auf ein mal kommt auch noch Robert Hampson auf die Bühne und setzt beim Rest des Sets an der zweiten Gitarre zusätzliche Akzente.
Auch wenn es abzusehen war ein netter Überraschungseffekt, und ein wirklich, wirklich geiler Auftritt einer Band, die ich eh zu meinen absoluten Lieblingen zählen würde.

ASPHYX schließen im Het Patronat mit einem speziell Doom-lastigen Set ab, wo es mir allerdings ein bisschen zu voll und heiß war, um das Ganze am Ende eh schon leicht abgekämpft länger durchzuhalten - im Green Room groovegrölen PROCESS OF GUILT sich vor einem lichter werdenden Publikum noch mal ein bisschen mitreißend, aber eben doch auch ein bisschen generisch, ganz nett einen zurecht.

Witzige Randnotiz übrigens: Angehörige unserer erweiterten Gruppe mussten ASPHYX auf dem Parkplatz ums Eck mit Kleingeld für’s Parkticket aushelfen.

Sonntag

Ich geb‘s offen zu – beim durchwachsenen Afterburner war dieses Jahr nach drei durchaus sehr tollen Festivaltagen bei mir langsam aber sicher mal mittelschwer die Luft raus.
SIGH waren mir irgendwie einen Tick zu albern, um sich das komplett am Stück zu geben, der Black Metal von NIHILL nicht wirklich schlecht aber auch nicht so wirklich richtig gut, MICHAEL ROTHER und seine Mitmusiker spielten durchaus NEU!-Songs, die ich mag, aber auch hier musste ich das nicht in voller Länge haben, GOLDEN VOID waren mir persönlich ein bisschen zu altherrenrockig, SPIRITUAL BEGGARS eine ganze Spur zu konventionalrockig und posig, und der gute ISHAN und seine begleitenden LEPROUS kamen viel zu pathetisch und gezwungen progig rüber, um sich da an dieser Stelle noch drauf einlassen zu können und wollen.
DIE KREUZEN versuchten sich derweil im Green Room noch mal an einem Set, der sich etwas mehr an ihren hardcorepunkigen Frühwerken orientierte. Was auch etwas dankbarer war, als ihr tragischer Hauptbühnen-Fail, aber so richtig überspringen tat der Funke hier dann auch nicht mehr.   
Während SWITCHBLADE spielten, die ich eigentlich durchaus ganz gern mag, war ich dann allerdings bereits auf der Autobahn gen Heimat, weil es einfach genug war, und ich deren komplette Show eh nicht mehr so richtig genossen hätte. Wie gesagt war die Luft schon etwas raus, und schwand im Laufe des Sonntags auch noch immer mehr... 

Das war also das ROADBURN 2013. Mein fünftes in Folge, das davon musikalisch eigentlich am schwächsten besetzte, und daher irgendwie auch erstmals so ein bisschen „Business as usual / Same procedure as last year, same procedure as every year“.
Durch „Fear and Loathing“-artige Randnotizen hätte ich das Ganze zwar durchaus noch auflockern können - mir war aber, wie gesagt vor allem aus Zeitgründen, mehr nach einem sachlichen Abhaken des wesentlichen, als nach halber Prosa.
Ob ich kommendes Jahr wieder dabei sein muss, werde ich mir nächsten Herbst dann wirklich mal gut überlegen müssen. Bei dem, was man dabei so alles an Geld und Lebenserwartung in Tilburg lässt, sollte man vielleicht wirklich auch mal aufhören, wenn es schon mal am schönsten war, und stattdessen entweder auch mal wieder andere Events auschecken, oder sich vielleicht endlich mal dem Altersruhestandsplänen hingeben.

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