Dienstag, 29. Mai 2012

Rock Hard Freitag mit Jex Thoth

Leute, wie die Zeit vergeht. Dieses Jahr feierte das Rock Hard Festival im hübschen Gelsenkirchener Amphitheater bereits zehnjähriges. Das gibt zu denken.
Persönliche Gründe (eine Hochzeit am Samstag, und Sonntag wollte ich lieber zu Fuß zu Wolves In The Throne Room, anstatt für die W.a.s.p.-Halbplaybackshow noch mal die ÖVM-Odyssee zum Nordsternpark zu machen)  verhinderten dieses Jahr mal eine ganzheitliche Komplettanwesenheit, aber irgendwie war das alles andere als schlimm.
Meine Ankunft hatte ich extra so getimet, wie man neudeutsch sagt, dass ich meinen Headliner der Herzen, die Freitags als zweite aufspielenden JEX THOTH, auf jeden Fall sehe. 
Überraschenderweise lief die knackige Frontdame mit einer anderen Band als sonst auf: Keine Orgel, dafür einer zweiter Gitarrist, der teilweise die Orgelparts leaddudelt. Funktioniert gut. Am helligten Tage und in einem leicht ballermannigem Festivalrahmen wirkt der stimmungsvolle Doom Metal/ Psychedelic Rock, zu dem die gute Jex dann wieder mitunter recht exzentrische Verrenkungen macht, zwar irgendwie fast schon surreal-deplatziert, aber rundum schön war es trotzdem. Vor allem, weil ich als finalen Höhepunkt auch meinen Lieblingssong „Warrior Woman“ bekam.
Danach wollte der Zufall dann doch verhindern, dass ich einen geschätzten Musiker mit dem RockHard-Schreiber zusammenbringe, der ihn jüngst unfair verriss‘. Schade eigentlich, aber wer weiß, wo das noch geendet wäre …
Musikprogramm dann noch: KRISIUN darf man wohl schon als Death Metal-Urgestein bezeichnen, und wie immer war ihre Performance irgendwas zwischen „eigentlich ziemlich cool“ und „irgendwie auch schon wieder fast egal“. Dass man die Band in den letzten Jahren öfter mal gesehen hat, gibt ihnen wohl diesen Hauch von alltäglicher Beliebigkeit …
Und ich weiß nicht ob der Umstand, dass mir ein etwas bäuerlicher Hardrocker vorschwärmte, wie sehr KVELERTAK das beste, was ihm in den letzten zehn Jahren passiert ist sein sollen, mir sowas mitverleidet, aber irgendwie gingen mir die Norweger an diesem Tag leicht auf den Sack. Was im Club ganze drei mal (aller guten Dinge …) irgendwie noch Spaß machte, das wirkt auf der Bühne eines Open Airs nach ein bisschen zu viel. Ein bisschen zu viel Spaßbetonung, ein bisschen zu viel Pop-Appeal, ein bisschen zu viel Rock’n’Roll-Pose, an bisschen zu viel begeisterte Mädchen, ein bisschen zu viel klatscht alle mit. Jaja, es ist ein albern-elitärer Reflex, und dass KVELERTAK bei mir mehr so eine Sache für einen Sommer bleiben werden, das war mir auch vorher schon klar. Sie sind halt doch ein typisches „Onetrickpony“ …
Den freitäglichen Headliner TURBONEGRO, bekanntlich mit neuem Sänger, bekam ich nur mit einem Ohr und einem Auge mit, weil mich die Band nie groß interessierte. Das halb gesehene/gehörte ging aber wohl klar.

Die Heimreise gestaltete sich überraschenderweise verhältnismäßig nahtlos, was aufgrund des allgemein etwas durchwachsenen ÖVM-Konzepts im Pott durchaus positiv erwähnenswert ist.  Da ich Samstag einer angenehm entspannt-lockeren Trauungsfeierlichkeit in einem rheinischen Schützenheim bewohnte (dessen Bräutigam eigentlich im Rahmen dieser Blogseiten sogar erwähnenswert wäre, ich bin aber nur Musikklugscheißer und kein Gossipverwerter), verpasste ich leider den zweiten Festivaltag mit PSYCHOTIC WALTZ und BOLT THROWER, aber man kann nicht alles haben. 

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