Mittwoch, 23. Mai 2012

Prong und so

Altherrenband X spielt noch mal das um die bis über 15-20 Jahre alte Kultalbum Y ist ja so eine Sache, die ich in den meisten Fällen normalerweise eher belächle bis ablehne.  Und PRONG sind eine Band, bei der selbst ich als Riesenaltfan eingestehe, dass man das 2012 auch nicht mehr so unbedingt braucht.
Und auch wenn ihnen viele Metallmusikfreunde bescheinigen, dass ihr neues, stilistisch und produktionstechnisch sehr  trocken aufs wesentliche reduzierte (und daher irgendwie gleichermaßen sympathische wie unspektakuläre) Album „Carved Into Stone“ recht stark ist, spielen sie davon auf dieser Tour nur einen Song und stattdessen lieber das Metallica-meets-Killing Joke-Meisterwerk „Beg To Differ“ aus dem Jahr 1990 in Gänze und am Stück.  Ambivalente Sache, aber im Gegensatz zu anderen Havebeens, die schon mit derartigen Angeboten lockten (Helmet mit „Meantime“, Paradise Lost mit „Draconian Times“, Therapy? mit „Troublegum“,  Life Of Agony mit „River Runs Red“, Pro-Pain mit „Foul Taste Of Freedom“, Public Enemy mit „Fear Of A Black Planet“, …), ist Prong mit „Beg To Differ“ wohl genau das, wobei ich dann doch mal schwachwerde. Besonders, wenn es um die Ecke in Bochum-Langendreer ist, wo auch der Sound des eher ungeliebten Matrix-Clubs in letzter Zeit besser als früher ist.

Dort angekommen musste man gestern Abend allerdings erst mal eine nirgends angekündigte Vorband hinter sich bringen, dessen Basser noch im Stau steht. Die Truppe hieß, wenn ich das richtig mitbekommen habe, „Cold Black“, klang aber eher wie lauwarmes Beige. Uninspirierter, nichtssagender, provinziell anmutender 90er-Heavy Rock von Typen, die auch noch genau danach aussehen. Eine dieser typischen Bands, die nur von ihren Spießerkumpels aus Loyalität gut gefunden wird, und von Ahnungslosen, die sich im Moment so gerade eben genug unterhalten fühlten, einen emotionslosen Anstandsapplaus mit nach Hause nimmt. Laaaaaangweilig. Ich habe wirklich keine Geduld mehr für etwas so Unspannendes, und auch kein Interesse daran, derartige Überflüssigkeiten auf die „die geben sich voll Mühe“-Tour wohlwollend schönzureden. Hört auf mit dem Quatsch, Jungs! Ihr raubt alternden Musikgeschmackspolizisten wie mir kostbare Lebenszeit, die ich auch sinnvoller nutzen könnte. Ohne Euch wäre der Blogeintrag schon fertig!

Bei PRONG wusste man danach ja, was man bekommt. Los ging’s mit „For Dear Life“, und schon früh durfte man zu den Knallern „Beg To Differ“ und „Lost and Found“ das Tanzbeinchen schwingen. „Just the Same“ macht live eine Mordslaune, und das irgendwie zu eigen gemachte Chrome-Cover „Third From The Sun“ ist wie immer ein Höhepunkt.
Was als „zweites Set“ angekündigt war, entpuppt sich leidglich als Zugabenblock mit den Standards. Another Worldy Devise (geil!), Rude Awakening (nett), die Video-Single der aktuellen (kommt gut an!), Whose Fist  … (ganz schön schnell!), Snap Your Fingers … (klar), … auch hier keine großen Überraschungen.
Warum die Band zwischenzeitlich den Bassisten wechselt (erst der aktuelle von Crowbar, zum Schluss der ehemalige von Cradle of Filth), keine Ahnung.  Interessiert auch nicht wirklich.

Ob die VK 20/ AK 25 € (!) für diesen Abend gerechtfertigt waren, sei mal dahingestellt. Bei so einem Preis verwundert es auch nicht, dass die Matrix bei einer nicht so ganz zeitgemäßen Band unter der Woche eher nicht so gut gefüllt war.
Aber wer dabei war, fand es gut. Und das alleine zählt. Auch wenn sich so eine plakative Oldieparade für mich immer noch etwas seltsam anfühlt.

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