Donnerstag, 24. Mai 2012

Philm - Harmonic

Zugegeben, auch wenn Ipecac Recordings obligatorischer Lieferant von Veröffentlichungen sind, in die man zumindest mal reinhören sollte: Würde eines der drei PHILM-Mitglieder nicht auf den Namen Dave Lombardo hören, bekäme dieses eh schon etwas ferner laufende Album vermutlich noch weitaus weniger Aufmerksamkeit.
Dabei ist Sänger und Gitarrist Gerry Nestler von der völlig unter dem Radar gebliebenen und nie richtig aus den Hufen gekommenen 90er-Sensation Civil Defiance jemand, bei dem Musikbesserwisser ausnahmsweise mal Recht hätten, würden sie hier die üblichen Vokabeln a la „schwer unterbewertet und sträflich wenig beachtet“ auspacken.

Der Vollständigkeit halber: Gemeinsame Sache machten beide, neben dieser schon ewig im Schwange befindlichen Kiste, außerdem auch schon mal bei ein paar Tracks der 2005er Lombardo/ DJ Spooky-Kooperation „Drums of Death“. Aber genug des Prahlens mit nutzlosem Wissen …

„Harmonic“ ist, wenn es nach mir geht, vor allem um 2-3 Songs zu lang. In ihrem Bestreben, was tranceiges, psychedelisches zu erschaffen, hätten die Herren Nestler, Lombardo und Basser Pancho Tomaselli (neuzeitlicher Mitmusiker bei der Funk-Legende War) die Anschlagzahl des einstündigen Albums auf etwas runterkürzen sollen, das in seiner Gesamtwirklung etwas runder und homogener kommt.
Aber das ist Beschweren auf hohem Niveau, denn ehrlich gesagt gefällt mir „Harmonic“ über weite Strecken ausgesprochen gut.
Was u.a. daran liegt, dass viele Nummern einen, im positiven Sinne, an 90ies-Alternative Metal und Noiserock erinnernden Vibe versprühen. Das hier ist was für Freunde von Helmet, Melvins, Therapy?, Barkmarket, Jane’s Addiction, The Jesus Lizard und vor allem auch den von mir so heißgeliebten Fudge Tunnel!


Nestler singt bis brüllt, ohne dass es nach einem aufgesetzten Wechselspiel klingt (wie es im Metal und –core heute so Gang und Gäbe ist), und schrubbt dabei einen ständigen Fluss an Gitarrenlärm raus, was – neben vereinzelten entspannten Momenten - einfach nur ungebremst nach vorne will, aber auch (Vorsicht, Floskel) atmosphärische Dichte aufbaut.
Als dilettantischer Hobby-Metalschlagzeuger liebe ich zudem Lombardo’s überholendes Sport-Drumming, das nicht selten ziemlich nach „so ähnlich würde ich das tatsächlich auch spielen, nur halt nicht ganz so wild“ klingt.

Zu den hektischen Noiserock-Eruptionen mit angenehm hohen Grad an Biss, Schmiss und Testikelgröße gesellen sich dann auch noch ruhigere Töne (teilweise in Form von Instrumentalnummern, teilweise aber auch mit Gesang, ein mal an der Grenze zum freejazzigen), bei denen sich PHILM dann wiederum ziemlich nah an Pink Floyd und King Crimson (meinetwegen auch frühe Dredg) bewegen.


Ein Gesamtpaket, das wie für mich gemacht scheint. Kein perfekter Instant-Klassiker für die Allgemeinheit, aber für mich etwas, das mit ziemlicher Sicherheit auch über diesen Sommer hinaus einer dieser spezialgeschmacklichen Faves mit besonderem Eigengenaroma bleiben wird, ohne dass es jemand anderen zu interessieren scheint …

PS: Hatte für einen Sekundenbruchteil überlegt, den auf der Hand liegenden „philmharmonisch“-Kalauer mit unterzubringen, es aber dann gelassen.

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