Montag, 14. Mai 2012

Noothgrush und so, Berlin ...

In letzter Zeit verweile ich ja auch schon mal öfter als sonst in der Hauptstadt. Wenn es sich mit einer bestechenden Kulturveranstaltung verbinden lässt, umso besser.
Lies es sich mal wieder, denn NOOTHGRUSH spielten einen ihrer ganz wenigen Europagigs dieser Saison in Berlin, während die Stadt gerade eine Invasion der BVB-Fans erlebte.

NOOTHGRUSH? Hier mal kurz die historische Aufarbeitung: In den 90ern war NOOTHGRUSH eine Band der bis heute stark inzestiösen aber hochkreativen Szene der Bay Area, die bekanntlich als Thrash Metal-Keimzelle Berühmtheit erlangte, darüber hinaus aber über die Jahr(zehnt)e vornehmlich auch von Neurosis bis Ludicra eine Menge experimentelles, atmosphärisches, doomiges, punk-metallisches usw. abwarf. NOOTHGRUSH brachten es auf dieser Spielwiese neben diversen Split- und Compilation-Releases nie auf ein reguläres Album, und waren über die 00er Jahren dann nicht mehr aktiv.
Musikalisch kultivierten sie allerdings ähnlich wie die Bostoner Grief einen Stil mit, der das schleppende Tempo, die massive Schwere, und dunkle Stimmung des Doom mit der unbekümmerten Imperfektion und rauen Hartkantigkeit des HC/ Crust samt entsprechender Attitüde kombinierte.
Mittlerweile auf einmal doch wieder aktiv, und wer weiß für wie lange, musste ich mir das unbedingt mal geben …

Wir kommen traditionell sehr spät am berüchtigten Köpi an, als der irgendwie mit Crowskin verbandelte Quasi-Lokalanheizer BAD LUCK RIDES ON WHEELS natürlich gerade erst zu schon recht fortgeschrittener Stunde losgelegt hat. Die (wenn ich das richtig aufgeschnappt habe) Rostocker rühren Sludge-Ingredienzien vom rockigen Stoner-Jam, über atmosphärisch-„postrockige“ Arrangements, bis zur derben Crustmetal-Kelle zusammen, was das große Ganze bei ihnen manchmal noch etwas unentschlossen und unausgegoren wirken lässt, aber für den Start in den Musikabend ist die Truppe, mit gutem Drummer und mäßigem Brüller, eine recht unterhaltsame Angelegenheit.

ALDEBARAN scheinen ganz schön angesagt zu sein, gemessen an dem, was die Band diesen Abend so an Merch absetzen kann. Auch wenn mich wundert, dass diese Truppe heute Abend an diesem Ort spielt, schließlich soll man ein Mitglied mit Burzum-Shirt gesehen haben.
ALDEBARAN sind ein doppelter Hingucker, weil hier der Schlagzeuger grunzt, und in der Mitte der Bühne eine ziemlich groß gewachsene, nicht gerade unattraktive Bassistin steht. Gibt dem Ganzen einen Bonus, den es für mich auch braucht, denn irgendwie finde ich die stark in Richtung Funeral Doom tendierende Mucke der Band auf Dauer dann ja doch einen Tick zu eintönig. Homogen, würde ein anderer sagen, aber irgendwann war dann auch mal gut, obwohl die Band längst noch nicht fertig war …

Man merkt NOOTHGRUSH an, dass es hier eine schon damals nicht gerade große Altherren/-damen-Combo noch mal wissen will, denn irgendwie hat ihr Headliner-Auftritt etwas sympathisch-chaotisches. Angefangen bei der Tatsache, dass man im Punkschuppen natürlich erst nach 01:00 Uhr auf die Bühne geht, und unterstrichen dadurch, dass Schlagzeugerin Chiyo Nukaga mitten im Gig drauf besteht, vom Sänger noch mal eben einen riesigen Stein vor die rutschende Bassdrum gewuchtet zu bekommen, und ferner zwischendurch auch mal eben ihr Hihat zum umfallen bringt. Problemchen, die auch der Verfasser dieser Zeilen als Hobbydrummer bestens kennt. Als dralle Powerdrummerin ist auch Chiyo natürlich ein ziemlicher Hingucker. Bei der früher mal als Trio agierenden Band ist inzwischen allerdings kein geringerer als Dino Sommese (Dystopia, Asunder, Ghoul … hat außerdem mal irgendwann irgendwie bei Phobia und auf dem Wolves In The Throne Room-Debüt mitgewirkt) als Frontmann mit dabeigenommen worden. Und der ist … nun ja, speziell. Nicht, dass das NOTHGRUSH-Material bei ihm nicht saß, und man ihm nicht abnahm, sich da tatsächlich auch wirklich reinzufühlen, ganz im Gegenteil. Aber sein wirklich albern aussehendes Nasenpiercing ist wohl das iTüpfelchen zu einer insgesamt sowieso schon etwas prollig-hampelmanniger Erscheinung, if you know what I mean. So hinterlässt gerade er noch einen latent ambivalenten Beigeschmack zu einem ansonsten durchaus mitreißenden Gig.
Um es erwähnt zu haben: Bei Shirtpreisen von 6 (in Worten: Sechs!) Euro sollte man außerdem mal nicht meckern.

Cool, die mal gesehen zu haben!

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