Donnerstag, 10. Mai 2012

Meshuggah - Koloss


Eines gleich vorweg: Ich bin kein allzu großer Fan von MESHUGGAH. Bei Veröffentlichungen wie „Catch Thirtythree“ (im Prinzip ein einziger, auf eine Dreiviertelstunde ausgewalzter Song) oder „I“ (eine 1-Track-EP mit zwanzig Minuten spontan zusammengekackter Musik) waren sie zwar nah dran, für mich interessant zu sein, und vereinzelte Songs auf anderen Alben finde ich auch immer wieder mal ganz geil (etwa das irrwitzige ‘Bleed‘ von „obZen“, oder den Opener von „Nothing“), aber so insgesamt haben MESHUGGAH die Eigenschaft an sich, dass mich ihr mathematisch-kühles Gerödel auf Dauer eher abturnt.
Irgendwas reizt mich zwar daran, in ihren verquer-spielfreudigen und massiv-knallharten Kram immer wieder reinzuhören, aber oft finde ich das dann auf Dauer irgendwie zu steril und seelenlos. Malen nach Zahlen statt Rock’n’Roll, künstlich statt naturalistisch, Onanie statt Sex, Vollnerds statt Metalgötter. Eine Band für pseudo-audiophile Spießermetaller und Altherrrenprogger, die dem ganz großen Missverständnis unterliegen, dass blitzblank sauber inszeniertes Muckertum mit ein paar Taktverschiebungen die Krönung musikalischer Schöpfung darstellt.

Zum neuen Album der Schweden gab es allerdings vielerorts zu lesen, dass sie hier in puncto Sound und Songwriting neuerdings einige Lichtungen und Öffnungen ihres eingefahrenen Signature-Styles zulassen, die man von ihnen so zuvor nicht kannte, also musste ich bei „Koloss“ dann erst recht mal wieder ein Ohr riskieren.
Ergebnis des Selbsttests: Ja, tatsächlich. Die Variationen in Klangbild und Arrangements sind zwar so dezent, dass es müßig wäre, sie im Detail tiefer zu analysieren, aber die Produktion von „Koloss“ ist in der Tat einen Hauch organischer, wärmer und facettenreicher, als sonst schon mal. Und die Songs sind, wenn man genau hinhört, im Gegensatz zu früherem Material der Band, hier und da tatsächlich um kleine Elemente erweitert, die dem Ganzen fast hintergründig eine Extra-Dimension verleihen.
Und das alleine macht aus „Koloss“ dann auch tatsächlich schon ein MESHUGGAH-Album, nach dessen Durchlauf ich gerne auch noch mal auf Repeat drücke, anstatt „jetzt ist dann auch erst mal gut, next one please“ zu denken.
Wenn das Teil auf den ruhigen Instrumental-Track endet (der mich irgendwie an diese eine Nummer vom Praxis-Debüt erinnert ...), denke ich zwar irgendwie, dass es dann ja doch etwas zu „unrund“ ist, aber man muss ihnen halt trotzdem lassen, dass bis dahin vieles darauf sehr viel Spaß gemacht hat. Besonders mal wieder die Songs, bei denen es rasant, aber dennoch kontrolliert im Groove gehalten abgeht („The Demon's Name Is Surveillance“, „Swarm“).

„Koloss“ ist, wenn es nach mir geht, kein Meisterwerk oder Must Have. Aber für MESHUGGAH-Verhältnisse, an meinem persönlichen Maßstab gemessen, ja dann doch ziemlich geil, denn ich habe nach einigen Durchläufen immer noch Bock drauf. Und das war wie gesagt nicht gerade bei allen vorherigen MESHUGGAH-Alben so ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen