Montag, 7. Mai 2012

Blckwvs, Black Tusk, Red Fang - one night in Essen


Neulich kam irgendwo noch die Diskussion auf, dass es im heutigen Netz- und Post-Musikfernsehen-/ Post-Bollohype-Zeitalter in der gemeinsamen Schnittmenge des Alternative/ Metal-Bereichs ja eigentlich nicht mehr wirklich sowas wie jüngere Konseshits, die auch in der Disse laufen etc. gibt. Zu diversifiziert die Szenenlandschaft, zu speziell und wenig massenkompatibel die heutigen Fetische einzelner Krach-Musikliebhaber, und aus der Rammstein- und Volbeat-dominierten Sackgasse einschlägiger Provinzscheunentanzflächen gibt es keinen Weg mehr zurück, weswegen dort heutzutage nur selten mal was neues nachkommt.
(Wie es der Zufall will, fand im Übrigen am gleichen Abend wie das Essener Red Fang Konzert auch das Wiederaufleben der Sauerländer CVLT-Disco statt, die von damals dabei gewesenen bis heute u.a. als Hort guten Geschmacks heilig gesprochen gilt. Da ich dem aber nicht beiwohnte, ist das eine andere Geschichte …)


RED FANG straft diese Klugscheißerei Lügen. Ihr "Wires" ist nicht nur ein Song mit einem witzigen Videoclip, sondern wurde am Vorabend des Konzerts in Essen tatsächlich neben Kylesa von Gästen der Dortmunder Visionsparty gewünscht.
Es gibt sie also doch noch. Härtere Rockmusik von verranzten Typen, die auch mit einem Fuß in der Indie-Mainstreamvorhölle, anstatt primär im Metal- und Bauerndisco-Kontext funktioniert. Warum gibt es das jetzt eigentlich wieder, obwohl es in den 00er Jahren mal gefühlt wie ausgestorben war?

Anyway. Vorm Essener Café Nova stapelten sich Samstag Abends die Besucher, die in den Laden reinwollten. Ein Großteil musste dann auch draußen bleiben. Sieht man in dem Ausmaß auch nur selten.
Als Local Support stehen die BLCKWVS auf dem Plan. Und die werden von mal zu mal, wo ich sehe sehe, echt immer noch besser.  Bergmassive Doom Metal-Grooves in Soundtrack-Arrangements – ja, diese Band ist besser als Omega Massif, Pelican, Lento, Long Distance Boring, oder wen es da sonst noch so geben mag.  Geht Euch die mal angucken, los.

Zu den folgenden BLACK TUSK passt dieser Spruch „they’ve grown on me“. Auf Konserve brauche  ich den irgendwo zwischen Cavity und Kylesa etwas akzentarm rumpelrockenden Sludge Metal des Trios nach wie vor eher nicht so. Aber das machen sie live tatsächlich durch eine mitreißend-energische Show wett, bei der die rockigen Dynamiken und kleineren Verspieltheiten (letzteres vor allem beim Schlagzeug) ihrer, sich mitunter etwas sehr ähnelnden Songs, durchaus gefallen. Die drei Typen mögen white trash as white trash can be –mäßig rüberkommen, aber wenn sie ihr Ding auf der Bühne durchziehen, nimmt man ihnen das voll und ganz ab, und lässt sich gar ein bisschen davon anstecken.

Am Merchstand hatte Blckwvs-Drummer Tommec derweil lustige Anekdoten zu seiner früheren Band The Lovesong Company zu bieten, zu der ich als Augen-/Ohrenzeuge gerne mal behaupte, dass sie vor 10 Jahren mit ihrem Quasi-„Nintendo-Grindcore“ vielleicht sogar einen Tick ihrer Zeit voraus waren, als sie damals wiederholt in abenteuerlichen Outfits sternhagelvoll auf die Bühnen irgendwelcher Vorstadtjugendzentren oder  des legendären Dortmunder Sabotage stolperten, und dabei Blastbeatgehacke mit  Keyboardgedudel kombinierten. Eine dieser Bands, die ich tatsächlich ein bisschen vermisse, ja.

RED FANG, nun ja. Die Band hat auf ihre Altherrenholzfäller-Erscheinung ohne Frage was schwer sympathisches.  Aber bei Tageslicht betrachtet sind da, wenn man mal ganz ehrlich ist, eben nicht wirklich mehr als nur 2-3 ganz nette, eigentlich schon etwas glatt-gefällige Stonerrock-Hits. So erreicht die Stimmung im überfüllt in Massensauna ausartendem Café Nova beim früh verschossenen „Wires“ auch bereits den Höhepunkt.

Der ambivalenzgeplagte Verfasser dieser Zeilen ist dabei als Musikgeschmacksnazi hin- und hergerissen, zwischen Sympathie dafür, dass solche Altherrenrocker mit derartiger Schweiß-und-Bier-Mucke anno 2012 ein begeistertes Publikum finden, und Unverständnis darüber, dass eine nach ein paar Songs dann aber auch schnell mal langweilig werdende Rockband, deren Name mehr Biss impliziert als sie wirklich hat, das Ding der Stunde sein soll.  Was wohl auch erklärt, warum ausgerechnet diese Truppe breiteren Anklang findet.
Naja, sei es ihnen gegönnt. Dass „Wires“, wie eingangs erwähnt, durchaus ne nette Nummer mit sehenswertem Video ist, kann man ihnen ja nicht nehmen. Einigen scheint das voll und ganz für den Rock-Olymp zu reichen. Ich persönlich hätte dazu dann ja eigentlich gerne auch ein komplett geiles Album, aber man kann wohl nicht alles haben.

PS: Ist es eigentlich ein generell eher schlechtes, oder vielleicht doch irgendwie gutes Zeichen, dass ich bei vielen Bands, die aktuell als Hot Thing durchgewunken werden (vgl. auch Black Breath, Torche, …), nun doch wieder zusehens in so einen „So wirklich geil ja jetzt nun auch nicht, sowas hatten wir doch auch schon in aufregender“-Alter-Sack-Modus falle? Ich weißet nich‘ …

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