Montag, 21. Mai 2012

Black Shape Of Nexus - Negative Black

„b·son statt b·zum“ sagt ein Banner, das die Band selbst kürzlich im Netz verbreitete, und mich daran erinnerte, dass ich mir ihr neues, über Exile On Mainstream kommendes Album ja noch zulegen wollte, was ich schon wieder fast vergessen hatte...
BLACK SHAPE OF NEXUS alias B•SON sind schon länger so etwas wie Germany’s No. 1 in Sachen derbster moderner Doom. Schleppender, noisiger Dronesludge, der eine Geduldsprobe an der Grenze zur Antimusik sein kann. Ein Monster, das man ähnlich wie Switchblade, Khanate oder Monarch! primär schon eher für seine garantiert nicht für Jedermann zugängliche Konsequenz bewundert, als dass man sich das wirklich in wiederholter Dauerrotation anhören möchte.
Und man war gespannt, wie sich der Abgang vom fürs große Ganze wohl nicht ganz unwichtgen Basser/Co.-Vocalist Michael bei den Mannheimern auswirken wird. Die Antwort: Nun, wenn es nach mir geht, hat sich die Band u.U. aus der Gefahr der kreativen Sackgasse geholt. Denn vordergründig ist vor allem auffällig, dass B•SON auch mal verstärkt das Midtempo und verhältnismäßig abwechslungsreiches Songwriting mit rockigen Nuancen für sich entdeckt haben. Was nicht heißt, dass sie an Wucht, Brutalität und Zeitlupenpassagen eingebüßt haben. Ganz im Gegenteil - „Negative Black" ist nicht unbedingt eicht verdaulich, sondern ein mächtiger Zerstörer sondergleichen, aber für B•SON-Verhältnisse dabei eben ungewohnt Song-orientiert und eingängig.

Gleich als Opener bringen sie allerdings die Überspitzung von etwas, das sich Unsane mal in nur nicht ganz so krass erst als Schlussnummer getraut haben - 6 monotone Minuten Basslauf und Krach. Hat schon eher was von den Todd oder extrem-industrialmetallisch auf die Spitze getriebenen Butthole Surfers-Nervereien, als von üblichen Sludge-Verdächtigen.
'400H' tritt einen direkt danach als stampfend treibender Groover immer wieder in die Fresse, und '60 WV' hat mit seinem stonerrockigen Flow eigentlich schon was von Electric Wizard, Sleep, Iron Monkey oder Eyehategod (in den Momenten, in denen jene nicht rasanter prügeln, versteht sich).
Fast zwanzig Minuten dauert '10000 μF', welches anfangs von Tribal-Drumming getragen zunächst sowas wie der böse, deformierte, hässliche, lange Zeit im Keller eingesperrt vergessene große Bruder von Tool sein könnte.
'14d' erinnert inkl. lässiger Licks am meisten an traditionellen Doom Metal, wären da nicht diese Vocals. Bei denen sich Fronter Malte im Übrigen Mühe gibt, nicht immer nur die ganze Zeit das gleiche zu machen, sondern über Albumlänge immer wieder neue Tonlagen und Stile an Gebrüll, Gekeife, Gegröle, Geschrei und Geknurre findet.
'RMS' schlägt als Psychedelic-Instrumental mit latent orientalischem Flair zwar in keine originelle Kerbe, aber doch eine, die irgendwie einfach immer funktioniert, auch wenn es hier etwas deplatziert wirkt.
Die zweiundzwanzigminütige Schlussnummer fängt als SloMo-Doom an, wird im letzten Drittel aber noch richtig wild.

Abschließendes Statement: „Negative Black“ ist ziemlich super. Superer noch, als ich im Vorfeld gedacht, erwartet und gehofft hätte. Der Clou daran ist, dass die Mannheimer nicht zu sehr in die Kerben hauen, in denen von ihnen schon alles gesagt war, sondern im erweiterten Feld der moderneren und krasseren Doom Metal-Untersparten ihre eigene Nische besetzen, in der sie nicht nur die meiste Zeit das gleiche machen. Der hier gezeigte Abwechslungsreichtum steht B•SON so gut zu Gesicht, dass ich an diese Sammlung schmutzig-massiver Brocken, trotz (auch in Rahmen dieses Blogs) schon öfter mal heraufbeschworener Doom-/ Sludge-/ Post-Metal-Übersättigung, gerade eine ziemliche Freude habe. Eine Freude, die wohl auch mit einem Hauch von Masochismus einhergeht. Denn Lust auf ein paar Schmerzen und unterwürfiger Demut vor einer überwältigen Macht muss man – trotz aller neu erschlossenen Rockigkeit und Eingängigkeit, die Teile des Materials haben - hierfür schon mitbringen (und ja: Ohne Frage, es gibt weitaus krasseres, aber Kontext, Relation, usw.... ).

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