Dienstag, 17. April 2012

Roadburn 2012 (1)

Peace, Love & Sludge Metal, Teil 1:

Auch 2012 brannte die Straße im hübschen niederländischen Tilburg wieder mit mir. Obwohl die Ticketpreise die hypothetische Obergrenze inzwischen eigentlich längst überschritten haben. Was allerdings auch einen Vorteil hat: Es hält den Großteil dieser notorischen Gästelistenschnorrer und Hobby-VIP-Area-Abhänger, die mir sonst nur auf den Sack gehen würden, erst recht von der Teilnahme ab. Und auch wenn auch das Roadburn inzwischen längst ein mittelgroßer Event mit Sehen und Gesehen werden, viel Party, Socializing und wo hält man ihn denn heute Nacht noch rein geworden ist, geht es hier prioritär eben nach wie vor erst mal noch um die Musik, die in diesem Fall ohne Frage 700%ig geiler ist, als beim Wacken, dem Rock am Ring, dem WithFullForce, dem RockHard Festival, dem Visions Westend, dem Vainstream, usw. usw. usw. … auch wenn das wiederum einige frühe Anhänger des Events inzwischen anders sehen, weil es ihnen zu viel ganz harter Stuff und Avantgarde, aber zu wenig Altherrenrock geworden ist.

Genug der Vorreden. Als ich Mittwoch Abends an unserer Ferienwohnung ankomme, sind alle, bereits einen Tag zuvor dorthin gefahrenen, in einem derartigen Chillout-Modus am Start, dass ich zwangsläufig einen orgiastischen Beginn des Musikveranstaltungskurzurlaubs unterstelle. Man beteuert jedoch, dass nix war und alles easy ist. Nun ja.

Mittwoch …

Los geht es dann wenige Stunden später im Stadtzentrum beim obligatorischen Extra-Gig für lau im Cul de Sac: Man wärmt sich hier schon mal mit ein paar Humpen Amstel bei Livemusik auf, denn die niederländischen HERDER eröffnen quasi das Festival. Dafür sind sie mit ihrem rockigen Sludge-Geschrei (grobe) Richtung Iron Monkey auch genau das richtige. Dass man in der überfüllten Kneipe nicht wirklich gut die Bühne sieht – geschenkt, heute geht es hier einfach nur entspannt ums Ganze. Und Bier, Bier, Bier.

Donnerstag …

Der Kater hält sich angenehmerweise in Grenzen. Gut, gut. Man kann halt auch was ab.
Inmitten unserer Aufbruchstimmung zum Festival kommt noch der letzte der Gruppe an, Indie-Experte und „Proto-Metal“/ 70ies Rock- Aficionado Jan S.! Die nächsten Minuten sind von allgemeiner Hektik, Verpeilung, Diskussionen und unorganisiertem Schulterzucken geprägt.

Skip. Irgendwann mal im 013 angekommen, eröffnen die mit Killing Joke auf Tour befindlichen THE ICARUS LINE im Green Room. Irgendwie unpassend, aber gar nicht mal so schlecht. Allerdings nervt dieser Schmalhans von Sänger mit seinem affektierten Getänzel und allgemeiner Wannabe-Iggy Pop-Erscheinung ohne Ende. Schade eigentlich, denn die Mucke gefällt durchaus. Nach ein paar Songs konnte ich mir das wirklich nicht mehr ansehen.

Im Anschluss dann verhältnismäßig Roadburn-typischerer Stuff auf der Hauptbühne in Form von d.USK / d.ISEMBOWELMENT. Welche allerdings gar nicht mal so gut sind.

Danach wird dann noch 'ne Runde in AGALLOCH reingeschnuppert, aber mit derartigem Dudeldüster-Metal habe ich es in letzter Zeit eher nicht so (und bezweifle auch, dass sich das in diesem Leben noch mal groß wieder wenden wird), sowie in den MICHAEL GIRA-Soloset im Het Patronaat.
Die neue Zusatz-Location ist okay, die Akustik-Performance des Swans-Chefs auch, allerdings gucken alle Anwesenden direkt vor der Bühne immer wieder böse zu denen an der Theke hinten rüber, da jene recht lautstark Konversation machen.

Komischer Start, dieses Jahr, so irgendwie.
Ein Stückchen Heimatgefühle kommt allerdings auf, die Jungs und Mädels vom RockHard-Magazin zu treffen, die – was ziemlich überrascht – vorm/im Irish Pub um die Ecke abhängen.

Die mitunter nicht unkrude Performance von OM hat dann, allzu offensichtlich zum Bandnamen passend, endlich mal etwas schon regelrecht meditatives, denn (gerade) auch das ist Roadburn. Wenn man denn Bock hat, sich auf den komischen Al Cisneros (mit seinem hochindividuellen Kopfnicktstyle) einzulassen, den mein Kumpel Mike inzwischen mit dem Batman-Widersacher Pinguin vergleicht. Is‘ was dran!

Zur Prime Time ist Euphorie angesagt, denn ich sehe endlich mal KILLING JOKE live. Die erste Hälfte ihres Auftritts ist vor allem von zwei Dingen geprägt: 1.) einem irgendwie etwas lahmen Start, mit dem als Opener (auch gerade im Kontext eines härteren Festivals) etwas ungeeignetem 'European Superstate' und einer weiteren Folge an eher gemäßigten Songs; 2.) der Tatsache, dass Gitarrist Geordie Walker irgendwie mit dem Bühnensound unzufrieden ist ,und daraufhin einfach mal Boxen umwirft, obszöne Gesten macht, und sich mit Leuten anlegen will. Auch Zeremonienmeister Jaz Coleman wirkt daraufhin leicht irritiert, zieht aber einfach souverän die Show eiter durch. In dessen weiterem Verlauf der Verfasser dieser Zeilen dann doch noch zu knackigeren Metal-Nummern wie 'Asteroid', 'The Great Cull' und dem nicht mal erwarteten 'The Wait' zufrieden das Tanzbeinchen schwingen konnte. Schön.

Die norwegischen ULVER, zu denen ich ja schon mal angemerkt habe, dass ihr Avantgardisten-Kultstatus auch etwas heißer gegessen als tatsächlich eben nur mit Wasser gekocht wird, sind danach mit einem Psychedelic Rock-Coverset an der Reihe. Kurzfassung dazu: Hätte ich so jetzt nicht gebraucht.

Den ersten von zwei VOIVOD-Auftritten gucken bringt so manches Déjà-vu, denn das hatten wir doch eigentlich letztes Jahr schon. Was mich persönlich allerdings nicht weiter stört, denn ich liebe die Kanadier. Und wer das nicht tut, hat keine Ahnung von harter Musik und einen kleinen Penis. Und auch wenn es ohne den 2005 verstorbenen Denis „Piggy“ D'Amour, dessen schräges Gitarrenspiel die Band maßgeblich mitprägte, nach wie vor etwas seltsam ist, werden die aktuellen Voivod live immer noch besser. Und covern heute Abend als Überraschung Man In The Trees von Die Kreuzen. Coole Sache.

Beendet wird der erste offizielle Festivaltag mit der traditionellen Metalparty im Foyer. Vom verschwommenen Rest der Nacht kann ich aus meinem kaputten Hirn nur noch zu den Scorpions auf dem Sofa tanzende Engländerinnen hervorkramen. Reicht.

to be continued …

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