Montag, 30. April 2012

Bonehouse - Steamroller

Klassikerreview:
Ihr kennt sie doch, diese Scheiben, die nur Ihr selbst wirklich zu lieben scheint, weil sie augenscheinlich sonst niemand anderes im Schrank stehen hat, oder?
Bei mir ist der 99er „Steamroller“ von BONEHOUSE so ein Fall. Ein Album, das – so pathetisch und übertrieben das klingen mag – mal mein Leben gerettet hat, weil es zum richtigen Zeitpunkt auftauchte.
Das ich immer wieder mal rauskrame, und das selbst in Phasen, in denen meine musikgeschmacklichen Schwerpunkte gerade völlig anders gelagert unterwegs sein mögen.

Aktueller Anlass, die Dampfwalze mal wieder rollen zu lassen, ist der angebliche „Entombedcore-Hype“.
Truppen wie TRAP THEM oder BLACK BREATH orientieren sich aus einer eher hardcoreigen (erstere) oder stark D-Beat-infusionierten Prügelmetal-Ecke (letztere) heraus an einem Sound, bei dem die Inspiration durch die schwedische Death’n’Roll-Vorzeigeband allzu offensichtlich ist.
BONEHOUSE mögen zwar nicht wirklich versucht haben, den Klang von Entombed zu imitieren, nahmen „Steamroller“ aber – Achtung! – gleich mal eben mit Tomas Skogsberg im Sunlight Studio auf, und lieferten in punkto stilistische Zusammensetzung dann genau das: Crust/ HC/ Punk’n‘Roll mit Metal-Kante, was nicht wirklich weit von „To Ride Shoot Straight and Speak the Truth“ oder „Uprsining“ entfernt war.
Hinzu kam, dass Sänger Wolter eine L.G. Petrov nicht unähnliche Erscheinung hatte, und der Bandname … erinnerte der einen nicht an einen Song von der „Hollowman“ EP?
Et voilà: „Entombedcore“ gab es natürlich schon um die Jahrtausendwende in Norddeutschland.

Was die Kieler auf ihrem Zenit ebenfalls ausmachte war dieser naiv-teutonische Charme, englische Texte mit rebellischem Ton unmissverständlich auf den Punkt zu bringen, oder sich auch mal ungeniert zu Kasper zu machen („Testosterone! Testosterone! Testosterone!“).
In Kombination mit dem gerne mal melodisch abgerundeten Geballer warf das tatsächlich zu manchen Hit ab, zu dem man auch heute noch sofort einfach nur kindisch rumspringen und mitjohlen möchte.
Wolter röhrt und grölt, Drunner Kalle kommt manchmal noch mit Schreigesang dazu, man poltert sich durch höhere Knüppeltempolagen, aber auch mal rockige Grooves … und mit hocheingängigen, gar nicht mal so uncleveren Songs wie „Maria Mar“ oder „Cancel You“ entstanden hier tatsächlich Nummern für die Ewigkeit.

Womit BONEHOUSE nicht nur ihr bestes Album ablieferten (der Nachfolger „Onward to Mayhem“ war auch cool, aber beileibe nicht auf dem gleichen Level), sondern auch einen kleinen, originellen Nischen-Klassiker, der mal wieder nur den Vollnerds vorbehalten blieb und nie breitere Bekanntheit erlangte. Woran auch dieser Blogpost hier nichts ändern wird, aber ich wollt‘s halt mal erwähnt haben.

PS: Neuerdings gibt es wohl eine britische Emopunk-Band unter gleichem Namen. Also nicht verwechseln, das Original war Made in Germany.

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