Dienstag, 14. Februar 2012

Schlechteste „Coverband“: Fear Factory

Gestehen wir es ein: Viele Liebhaber metallischer Musik um meinen Jahrgang herum waren Mitte der 90er tatsächlich totale Fear Factory Fans. Ja, ich auch. Inzwischen schäme ich mich ja fast schon etwas dafür.
Zugegeben, „Soul Of A New Machine“ war damals ja schon ein gutes und nicht ganz gewöhnliches Album. Und ja, „Demanufacture“ setzte danach im „modernen Metal“ gewisse Maßstäbe und war seinerzeit eine ziemlich aufregende Sache. Und natürlich, den einen oder anderen Hit-Song hat(te) die Band ja, da kann man nix dran rütteln.
Mit der entsprechenden Dekade Abstand ist das immergleiche, überproduzierte Stakkato-Gehacke mit Singsang-Refrains, das von dieser Band dann als schiere Selbstkopie bis zum Exzess durchexerziert wurde, allerdings schlicht und ergreifend nicht mehr zu ertragen. Fear Factory sind, egal in welcher Line Up Inkarnation (was ja jüngst auch so eine Geschichte für sich ist), schon sehr lange eigentlich nur noch die Karikatur einer, nach selbst gestutzten Genreblaupausen, ziemlich uninspiriert agierenden Band.

Doch darum an sich geht es mir eigentlich gar nicht, sondern um folgendes: Was einem erst so richtig die Schamesröte ins Gesicht treiben kann, sind die Coversongs, derer sich diese Kapelle über die Jahre so erdreistet hat.

Das von vielen als schwächster Song auf „Demanufacture“ wahrgenommene „Dog Day Sunrise“ z.B. war ein Cover von HEAD OF DAVID. Eine der Metal-Szene wenig bekannte Band, an der vor allem zwei Fakten bemerkenswert waren: 1.) Es war eine Band, in der Justin Broadrick zwischen Napalm Death und Godflesh an der Gitarre mitwirkte. 2.) Ihr Album „Dustbowl“, von dem besagter Song stammt, war eine der ersten Arbeiten von Indie-Guru Steve Albini als Sound Engineer.
Fear Factory nahmen jedenfalls HOD’s ‚Dog Day Sunrise‘, ersetzten den LoFi-Charme durch Hochglanz, und machten die Nummer im Grunde genommen einfach nur lahmer.

Hier der Direktvergleich:





Während der Sessions zu „Obsolote“ nahm das ständig grinsebackige Quartett dann, neben einer zwar passablen aber ziemlich nichtssagenden Coverversion von Gary Numan’s „Cars“, ferner eine von WISEBLOOD’s „0-0 (Where Evil Dwells)“ auf. In vielen Publikationen war davon die Rede, dass dies ein Foetus-Cover wäre, aber in Wirklichkeit war dieser Song im Original von WISEBLOOD, einer Band die J.G. Thirlwell alias „Foetus“ 85-91 mal zusammen mit Roli Mosimann (damals auch Swans-Mitglied) betrieb. „0-0 (Where Evil Dwells)“ ist - im Gegensatz zu anderem Wiseblood-Material, das mitunter doch wesentlich organischer bzw. etwas weniger hart tönt –eine Industrial-Nummer, die mit der kalten Rhythmik lauter Maschinengeräusche ihrer Stilbezeichnung alle Ehre machte. Fear Factory dachten sich dann, dass sich das perfekt 1:1 in ihren präzisierten Stakkato-Stil übersetzen lässt – womit sie aus ihrer Perspektive wohl nicht mal Unrecht hatten, aber ein guter Song wird daraus in einer Metal-Version nun nicht gerade.


(Leider finde ich auf Youtube die originale Studioversion von Wiseblood nicht, weswegen es der Vollständigkeit halber eine uralte Live-Aufnahme tun muss.)



Der absolute Gipfel ist jedoch das 2005er FF-Cover des ‘94er KILLING JOKE-Hits „Millenium“.
Einen Song, der nicht nur total geil, sondern schon im Original sehr nah an dem ist, wie man es selbst so macht, wirklich ohne jeglichen Schwung so lustlos und unenergisch runterzuspulen, auch das muss man erst mal hinkriegen.





Ja meine Fresse. Fear Factory = schlimmsten Verhunzer wirklich guter Songs.