Mittwoch, 8. Februar 2012

Manoreixa

J.G. Thirlwell, der gebürtige Australier mit den vielen Pseudonymen, ist einem natürlich schon lange ein Begriff. Alleine als Foetus, bzw. anfänglich auch unter diversen Variationen wie You’ve Got Foetus on Your Breath oder Foetus Interruptus, veröffentlichte er um die neun regulären Studioalben, plus unzählige EPs, Remix-Compilations, Live-Veröffentlichungen und Kollaborationen. Die häufig als Industrial eingetütete Musik von Foetus ist ein wirrer Mischmasch aus Samples und Krach, leicht exzentrischen Vocals, und immer wieder auch jeder Menge Anleihen aus Jazz, Swing, Big Band und co., wodurch der Begriff „Industrial“ aufgrund der Assoziationen, die man damit eigentlich allgemein so haben mag, eher schon ein bisschen irreführend ist.
Die krachige und rockigere Seite seine Schaffens trieb Thirlwell dabei in er Vergangenheit u.a. mit Wiseblood auf die Spitze, einer Band die er zusammen mit Swans-Urmitglied Roli Mosimann gründete, und z.B. auch bei Zusammenarbeiten mit Voivod (‚D.N.A. (Don't No Anything)‘ auf dem ‘95er Album „Negatron“) oder den Melvins (‚Mine Is No Disgrace‘ auf „The Crybaby“).
Seinen Faible auch in Jazz-, Klassik- und Filmmusik-artigen Töpfen zu rühren wiederum lebt Thirlwell seit eh und je bei den instrumentalen Projekten Steroid Maximus und MANOREXIA aus.

Während das bisher letzte Album von ersterem (via Ipecac) inzwischen auch schon wieder zehn Jahre her ist, erlebt zweiteres gerade ein Revival. Ursprünglich veröffentlichte der Wahl-New Yorker unter MANOREXIA ’01 und ’02 jeweils ein Album. Zehn Jahre später scheint er nun wieder Bock drauf zu haben, denn 2010 erschien mit „The Mesopelagic Waters“ eine Zusammenstellung neu aufgenommener Tracks der ersten beiden Releases in Kammermusik-Formation (unter Aufsicht von John Zorn), und letztes Jahr mit „Dinoflagellate Blooms“ fast unbemerkt ein ganz neues Album.
Der Name tauchte dann außerdem letztens beim ATP der Kuratoren Portishead auf, und nun dann auch noch beim kommenden Roadburn, wo sich Voivod für verantwortlich zeigen.



Die Musik von MANOREXIA fußt vor allem in der Klassik. Filmscore-mäßig bewegt sie sich durch verschiedene Stimmungen und Gangarten wie schleichend bedrohlich und schmissig-pompös, und schielt gelegentlich sogar in Richtung Expressionismus. Hinzu kommen Tracks, die ein schwer definierbares Revier zwischen Ambient und Geräuschkulissen-Szenario markieren. Im Falle von „Dinoflagellate Blooms“ würde ich persönlich mir ja ehrlich gesagt wünschen, dass es davon auch ein paar Momente weniger sein dürften, und dafür ruhig noch ein Stück „richtiger Musik“ mehr … but anyway.
„The Mesopelagic Waters“ und „Dinoflagellate Blooms“ bilden zusammen jedenfalls ein interessantes künstlerisches Werk für die Spartenmusik-Freunde, die zwischen Soundtracks und Postrock, Alternative und Art-Pop auch gerne noch mal in die Nische blicken, die leicht zu übersehen ist.

Thirlwell ist und bleibt ein interessanter und ungewöhnlicher Musiker. Ich verwende hier absichtlich kein superlativ lobhudelndes Vokabular wie „genial“, denn das wäre in der Sache auch nicht ganz korrekt. Aber jemanden, der seit Dekaden unter dem Radar sämtlicher Szenen und an ihren stilistischen Reinheitsgeboten vorbei so vehement sein eigenes Ding durchzieht, und das dann auch noch in so verschiedene Richtungen ausartend, anstatt auf eine Sache versteift, den muss man einfach schätzen, respektieren und supporten.

Link: Weitere Infos plus Live-Videos zu Manorexia’s „The Mesopelagic Waters“ auf der offiziellen J.G. Thirlwell/ Foetus -Website.