Tatsächlich scheine ich ja langsam aber sicher mal tatsächlich altersmüde werdend einen Gang zurückzuschalten: Schon Ende Februar und ich war erst auf dem zweiten Konzert dieses Jahr.
Und im Grunde genommen wusste man dabei schon vorher, was für ein Publikum einen an diesem Abend in Köln erwarten würde: GHOST BRIGADE und ENSLAVED kann man in einer szenigen Halbmischmenge verorten, in der typisch uniformierte (Düster-)Metaller auch mal gerne die, dazu kompatiblen, etwas progressiveren und alternativrockigeren Bands hören, bzw. an der Ecke der härteren bis extremeren Langhaarigenmusik, aus der sich auch die Metal-affinen aber dagegen eher unauffällig scheinenden Post-/Prog-/Indierockfreunde schon mal ein paar Bands ausgucken. Dabei aber dennoch ganz klar eher was für Hammer-, RockHard- und Legacy-Peers, als für Visions-Abonnenten und Pitchfork-Leser, und eher für Party.San-Gänger in schwarz als für den Typen mit neonorangener Hose und voll ironischem Fotzenhobel, der zwar bei Wolves In The Throne Room oder Alcest auftaucht, weil hm irgendein Trendblog reingedreht hat, dass er das neben dem Melt!-Billing jetzt gut finden muss, aber sonst nicht bei vergleichbarem. Ja, ich bin für die Wiedereinführung von klar definierten Feindbildern unter Musikhörertypen. Merkt man das?
Anyway. GHOST BRIGADE finde ich nicht wirklich schlecht, bin aber auch kein besonders großer Fan der Finnen, deren Stilmusterabdeckung von Postrock bis Death Metal mir eigentlich schon wieder ein Eckchen zu eklektisch konstruiert ist. Sie taten allerdings gut daran, die ersten zwei Drittel ihres ca. 50minütigen Auftritts den Schwerpunkt doch sehr auf die härteren Nummern zu legen, und erst dann ein bisschen zu Songs mit noch mehr nordischer Melancholie und einem längeren Instrumental-Teil überzugehen. Manne Ikonen ist ohne Frage ein guter Stimmakrobat, aber fieses Growlen und den ganz groß ausholenden Pathosgeträller-Refrain in den gleichen Song quetschen, bzw. die Bollerkelle neben den Athmorocker stellen zu müssen, geht für mich nur noch bei Ausnahmen. GHOST BRIGADE sind (im Gegensatz zum Headliner) keine dieser Ausnahmen, und werden von der Metalpresse auch ferner mal wieder als progressiver hingestellt, als sie tatsächlich sind. Wie gesagt, die Truppe ist nicht wirklich schlecht, aber der ganz große Wurf ist eben doch noch was ganz anderes.
Was die folgenden ENSLAVED betrifft, so erwischte ich mich gleich vor und nach dem Konzert beim amüsierten Schwadronieren darüber, dass es mich eigentlich schon selbst verwundert, wie gut mir die Musik dieser Band gefällt. Denn wollte man es von der kritischen Perspektive betrachten, gäbe es ja doch so einiges: Hier wird auch gekeift, gegrowlt und klar gesungen. Hier werden auch durch und durch typische Metal-Stilmuster mit Prog und Athmo vermengt, so dass unterm Strich aber eben doch immer wieder nur Metal dabei rauskommt. Man kann hier außerdem so seine Déjà-vu-Momente finden, an welche andere namenhafte Prog-Düstermetalkapelle (Opeth) einen gleich weite Strecken eines ganzen Albums („Axioma Ethica Odini“) erinnern, oder dass ein Song (‚Ruun‘) ja schon irgendwie ein bisschen sehr in die „Progalternative“-Ecke (Tool) schielt. Noch dazu sind die Bandmitglieder Klischeefiguren, wie sie im Buche stehen: Grutle Kjellson der typische, leicht prollige Rampensau-Basser (und Keifer) in der Mitte, Ivar Bjørnson der noch viel wikingerhaft aussehende, aber dafür eigentlich ruhigere Vollnerd (und Gelegenheitsgrowler) am Rand, Arve Isdal der nicht an Kreativprozessen beteiligte, live dafür aber mal richtig aufdrehende Oberposer-Leadgitarrist mit Slash-Komplex, und dann ist da neben dem Drummer noch der Keyboarder und Klarsänger, der sich angestrengt mit einfindet.
Kein Wunder, dass man da musikalisch ein so buntes Komplettpaket bekommt. Aber ENLSAVED dürfen das. Die von einem schreibenden Kumpel schon um die Jahrtausendwende mal als „Stadion-Black Metal“ deklarierten Norweger haben diese Stilausweitungen mit Wikinger-Gehabe und Pink Floyd-Anleihen überhaupt erst in diesem Ausmaß entscheidend geprägt. Das Ganze funktioniert einfach, auf Platte wie live. So gab es an diesem Abend im Kölner Underground eine nette gemischte Tüte, die uralte BM-Holzereien (‘Allfǫðr Oðinn ‘, `Jotunblod`) natürlich genauso beinhaltete wie ins sphärisch-rockige driftende Songs (‘Ground‘, ‘Ruun‘), und energisch Headbanger-entgegenkommendes (‘Ethica Odini ‘), genauso wie pathosgeladenes (‘Isa‘). Und jede einzelne Nummer davon macht Laune.
Netter Abend!
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