Ja, ich weiß, mit diesem Album bin ich drei Monate später dran, der Buzz darum ist längst vorbei. Aber umso besser. Konzentrieren wir uns auf das für uns (bzw. mich) wesentliche: DAVID LYNCH - bezeichnen wir ihn einfach mal ohne weitere, unnötige Vorreden als die Surrealisten-Ikone unter den Hollywood-Filmemachern - hat nach diversen in die Musik ausgestreckten Fühlen über die Jahre (darunter neben Film-begleitenden Arbeiten auch zusammen mit John Neffdas den Lonplayer „BlueBop“) nun sein erstes Solo-Album unter dem Titel „Crazy Clown Time“ veröffentlicht.Das Faszinierende daran ist, dass sich viele Hörerstimmen einig zu sein scheinen, hier einerseits grob das Erwartete, dabei aber irgendwie doch gerade auch etwas leicht Überraschendes bekommen zu haben.
'Good Day Today‘ z.B. ist in seiner Komposition/ Instrumentierung/ Produktion etwas, das auch ich mit meinen begrenzten Mitteln so ähnlich schon vor zehn Jahren am Rechner zusammengeschustert hätte haben können, und nicht nur das, sondern in seiner Motivik mit diesen billig dynamikprozessierten Synthies so ähnlich sogar tatsächlich irgendwann mal habe. Das folgende 'So Glad' könne auch eine alte Demo-Songskizze von Massive Attack oder Portishead sein. Und so weiter …
Lynch’s anachronistisch reduzierter Elektropop und Trip Hop–Blues funktioniert allerdings tatsächlich auf einem Zeitgeist-freien Level. Und das, obwohl man seine Vocoder-unterstützten Ausflüge ins technoide durchaus als Annäherung an aktuellen Autotune-Pop verstehen könnte, wenn man es denn unbedingt wollte. Aber so einfach die Musik auf „Crazy Clown Time“ in ihren mitunter fast minimalistischen Mitteln der Inszenierung auch nüchtern seziert werden kann, so gut funktioniert sie im Vermitteln einer oft schon regelrecht delirischen Stimmung; schizophrenerweise äthe¬risch und abdunkelnd zugleich, und– was zu erwarten war – natürlich auch mittelschwer krude, leicht schräg und ungewöhnlich klingend, obwohl die stilistische Glasur des Ganzem recht homogen scheint.
Was Lynch hier fabriziert hat, ist weder ein künstlerisches Meisterwerk, noch ein persönlicher Schaffenszenit. Aber als ein Seltsam-Popmusik gewordener Lost Highway für Hörer, die eigentlich keine Popmusik hören wollen, ist „Crazy Clown Time“ so etwas wie ein idealer Soundtrack für einsam gedankenversunkene Nacht-Autofahrten. Nicht mehr, nicht weniger.

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