Mittwoch, 4. Januar 2012

nun denn

Jau, frohes neues und so. Um den Jahreswechsel rum bin ich etwas schreibfaul gewesen, hatte allerdings ausnahmsweise auch mal nicht so viel zu sagen, geschweige denn die Zeit für den Blödsinn. Auf weitergehenden 2011er Listenwahn habe ich eh keinen Bock.

Zuletzt noch zugelegt habe ich mir das im September veröffentlichte Kooperations-Album der geschätzten Dronedoomsludge-Sakralchorsample-Industrial-Verzweiflungsgeschrei-Wuchtigkeits-Ausnahmecombo THE BODY und der mir bis dato noch unbekannten BRAVEYOUNG unter dem Titel „Nothing Passes“. Jenes bietet zwischen ausgereizten Drone-/Noise-Flächen auch von THE BODY gewohntes, um dann allerdings völlig überraschend mit so etwas wie einer Folk-/Gospel-Nummer samt weiblichen Gast-Vocals abzuschließen. Unterm Strich nichts, was man unbedingt haben müsste, aber für die Zeitgenossen, die gerne mal „was anderes“ zu Ohren bekommen möchten, eine Empfehlung unter Vorbehalt. Außerdem habe ich in letzter Zeit, aus irgendeinem nicht wirklich greifbaren Grund, auch auf einmal mehr Bock auf kompaktere EPs und Mini-Alben wie dieses.

Vergessen hatte ich, auf die kostenlos bei Bandcamp herunterladbare Weihnachts-EP von AGORAPHOBIC NOSEBLEED hinzuweisen, aber da Weihnachten nun vorbei ist, ist das ja jetzt auch egal. Ferner gibt es auf besagter Plattform im Übrigen einen „pay what you want“-Download der Split-Platte von ASH BORER und FELL VOICES. Kann man sich geben.

Tatsächlich mal ein Ohr riskiert habe ich außerdem, nicht lachen, dann doch mal bei der neuen KORN, und auch wenn ich schon zu einem ausführlich lästernden Review angesetzt hatte, dann wohl trotzdem irgendwie beschloss, dass mir das dann eigentlich doch zu unwichtig ist, als dass ich dazu unbedingt meine Meinung durchs Netz posaunen müsste. Ich werde bin wohl schon altersmilde.

Zur aktuellen MASTODON möchte ich im Gegenzug dann aber doch noch mein Schweigen brechen: Nach „Blood Mountain“ und „Crack The Skye“ war ja abzusehen, dass auch „The Hunter“ den eingeschlagenen Pfad zu mehr „Rockigkeit“, bzw. zu einem stärker von traditonelleren als von extremeren Metal-Spielarten beeinflussten Schwerpunkt mit Psychedelic- und Prog- Akzenten fortführt, der sie noch ein ganzes Stück glatter, skelettierter und zugänglicher präsentiert. Was daraus natürlich noch kein schlechtes Album per se macht. Hier hat man es allerdings eher mit den Mastodon zu tun, die natürlich auch von Maiden, Priest, Metallica, Thin Lizzy, Led Zep usw. beeinflusst wurden, als mit den anfangs mal als Today Is The Day-Spin Off wahrgenommenen Mastodon, die in der Vergangenheit immer wieder Namen wie Eyehategod, Buzzoven, Neurosis und die Melvins als Grundsteine ihrer Inspiration betonten. Auch hier: Grundsätzlich nothing wrong with that, aber mich persönlich kicken Bands wie TITD, Eyehategod, Buzzoven, Neurosis und die Melvins heutzutage eben doch erheblich mehr als solche, die zu nah an Maiden, Priest, Metallica, Thin Lizzy, Led Zep usw. tönen. Been there, done that. let’s move on.

Und hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass die aktuelle MACHINE HEAD totaler Murks ist?

Die bisher am interessiertesten erwarteten Alben 2012 sind jedenfalls: Pig Destroyer, Baroness.


Blick über den Tellerrand:
Diesen Monat erscheint übrigens der neue JOHN SHIRLEY-Roman „Everything is Broken“, mit dem er endlich mal wieder das Feld „politisch motivierte Nahzukunfts-Dystopie“ bedient. Ferner kommt in Kürze auch noch eine Omnibus-Edition seiner legendären „Eclipse: A Song Called Youth“-Trilogie, die zu meinen absoluten Lieblings-Literaturwerken gehört und allgemein bisher kaum ausreichend gewürdigt wurde. Während Kumpels wie Gibson über künstliche Intelligenzen im virtuellen Raum sinnierten, skizzierte der als heimlicher Cyberpunk-Initialzünder geltende Shirley damals in besagter Reihe ein beängstigendes Bild von Faschismus unter dem Banner des amerikanisch-konservativen Christentums, und von einem Bürgerkrieg in Europa, gewürzt mit einer ordentlichen Brise Rock’n’Roll-Pathos. Das Ganze mag an einigen Stellen schon etwas retrofuturistisch und altbacken wirken, ist in seinen Motiven allerdings absolut zeitlos und relevant, und daher auch „highly recommended by me“.

Was noch?
Während der Feiertage übrigens endlich mal gesehen: Die erste Staffel der TV-Serie The Walking Dead, eine Adaption des gleichnamigen Comics von Robert Kirkman. Gefiel mir, ich freue mich schon auf die zweite.
Talkin’bout Comic-Adaptionen in bewegten Bildern und so: Der Captain America-Film war ganz okay. Paul, von und mit Simon Pegg und Nick Frost, erwartungsgemäß auch. Jonah Hex ist allerdings tatsächlich ziemlich, ziemlich übel, und der Mastodon-Soundtrack wirklich das erträglichste daran.