Dienstag, 10. Januar 2012

Crowbar...

Gut Ding will Weile haben: So langsam, wie sich Gitarrist und Sänger/ Brummer Kirk Windstein (natürlich auch Gitarrist bei Down und dem Bollo-Doom-Hybrid Kingdom of Sorrow) und seine Mitmusiker durch so manchen Song schleppen, so lange habe ich dann jetzt auch gebraucht, mir ihre aktuelle Scheibe „Sever the Wicked Hand“ endlich mal zuzulegen und zu Gemüte zu führen. Und eines kann ich schon jetzt mit ziemlicher Sicherheit feststellen: Das Teil gefiel mir beim ersten Durchlauf bereits wesentlich besser als der (meiner damaligen Meinung nach) etwas nichtssagende 2005er Vorgänger „Lifesblood for the Downtrodden“.
Woran das alles eigentlich genau liegt, kann ich im Detail noch nicht mal so richtig sagen, aber hier scheint CROWBAR am Gebotenen schlichtweg vieles sehr gut zu Gesicht zu stehen. Zum Beispiel, dass ihr gelegentlich von grobschlächtigen Hardcore-Eruptionen durchbrochener Doom Metal mit einem sehr unaufdringlich-klarem Sound inszeniert wurde, anstatt so künstlich gefettet, wie man es sonst heute zu oft hört. Auch, dass einige Songs einen schon eher recht traditionell und klassisch anmutenden Anstrich haben, funktioniert in Kombination damit sehr gut.
In Zeiten, in denen Sludge Metal ein geflügelter Begriff geworden ist, haben es die neben Acid Bath, Eyehategod, Buzzoven, und Grief natürlich ebenfalls zu den Genre-Pionieren zählenden CROWBAR offensichtlich noch weniger denn je nötig, sich irgendwo anzubiedern. Das war jetzt eine ziemlich dämliche Phrase, ich weiß, aber da ist tatsächlich etwas sehr befreites, das diesem Album anhaftet. Etwas authentisches, in seinen martialischen und emotionalen Posen.
Auch wenn hier eine Altherrenkapelle viele, viele Jahre nach ihrem Zenit noch mal abliefert, und man das natürlich auch von der Band selbst schon mal mit etwas mehr Biss, Leid und Heavyness gehört hat; und die Frage, ob man das denn noch wirklich braucht dabei zwangsläufig aufkommt – Crowbar matters, ohne Scheiß.
Dass „Sever the Wicked Hand“ in kaum einer Jahresliste auftauchte (und da muss ich mich selbst ja auch mal für mein langes Versäumnis selbsteinsichtig schämen), ist nachvollziehbar wie sträflich zugleich. Schlussendlich kann ich diesen ewigen Underdog-Status der Band, dessen einstiger Popularitätsgrad unter (inzwischen wohl auch aus der aktiven Musikliebe herausgewachsenen) Pantera-Fanclubmitgliedern schon länger passé sein dürfte, aus meiner bequemen Konsumentenperspektive auch einfach mal sympathisch finden.