Eines ist mir kürzlich mal bei Dauerrotation o.g. Albums bewusst geworden:
Heutzutage fallen mir ja nur wenige Bands ein, die anfangs mal irgendwie ungeschliffener, härter, eigensinniger waren, und dann schrittweise glatter wurden, ohne dass der allgemeine Tenor dazu „früher waren die besser“ ist. (Es sei denn, man ist Visions-Mitarbeiter und hält „Crack The Skye“ tatsächlich für das beste Mastodon-Album - ja, das hier ist ein Seitenhieb auf einen Bekannten.)
COP SHOOT COP’s „Release“, aus dem Jahr 1994, ist jedoch eine grandiose Ausnahme zu dieser Regel.
Auf ihrem Debüt „Consumer Revolt“ (1990) machte die Band noch eine Art von Industrial/ Noise Rock, der nicht gerade massentauglich war. Denn mag man mit der hier wohl oft bemühten „Industrial/ Alternative“-Schublade Assoziationen wecken, die bei Vielen eher in Richtung Gravity Kills, Stabbing Westward, KMFDM und co. gehen, war die eigenwillige Musik der Band, mit zwei Bässen und ohne Gitarre, dann ja eigentlich doch etwas eher näher an den, wie CSC ebenfalls aus NY City stammenden Künstlern der „No Wave“ a la Swans und Foetus, vielleicht sogar ein bisschen an den Neubauten angesiedelt.
Auf dem dritten Album und Major-Debüt „Ask Questions Later“ (1993) waren COP SHOOT COP dann zwar schon ein gutes Stück rockiger, Song-orientierter und zugänglicher geworden, aber auch dem konnte man gewisse Ecken und Kanten und gelegentliches Industrial-Feeling nicht absprechen. Der Song ‚Room 429‘ von besagtem Werk kam übrigens später auf Strapping Young Lad’s einzig wirklich zwingendem Album „City“ noch zu Coverversion-Ruhm, aber das nur nebenbei.
Was sie dann auf ihrem letzten Album „Release“ beibehielten, war neben Experimentierfreude mit unerwarteten Fremdgenre-Einflüssen natürlich auch der eine oder andere krachige Moment. Was sie mit hinzunahmen, war eine richtige Gitarre. Was sie losließen, war die Angst vor Härteverlust durch tolle Melodien und popigen Hit-Momente (und hier darf man auch gerne weiterhin gewisse Parallelen zu Swans und den Neubauten sehen, auch wenn CSC dagegen eindeutiger eine „Rock“-Band sind) .
Diese Album durchzhören ist mit seiner Mischung aus lebensfreudigem Schmiss und humorvollen Lyrics, die einem dabei schon mal zum verstehenden Grinsen mit leicht zynischem Anklang bringen, eine wahre Wonne. Die Highlights sind das nach Gesten-reichem Showtune klingende ‘It Only Hurts When I Breathe’, das Piano-getragene ‘Lullaby’ und die rhythmisch angehackt treibende Loserhymne ‘Any Day Now‘ – drei Songs, die einem schon nach wenigen Rotationen der Scheibe nie wieder aus dem Kopf gehen werden. Und dabei haben vor allem die ersten beiden mit dem, was man gemeinhin so als Noise-/ Industrial/ Alternative Rock abstempeln möchte, eigentlich gar nichts mehr zu tun. Es sind einfach nur gute Songs, mit einer Portion Exzentrik.
Wie gesagt: „Release“ ist einer der seltenen Fälle, wo ich das Pop-Album einer Band tatsächlich mal wesentlich (!) geiler als ihren Frühwerk-Krach finde. Ohne Frage eines der besten Alternative-Alben der 90er, das außerdem erstaunlich gut gealtert ist.
Freitag, 20. Januar 2012
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

1 Kommentare:
Was für ein Zufall. Heute ist mir seit langem mal wieder Release in die Hände gefallen und ich habe mich gefragt, warum ich die nicht viel öfter höre... Aber "any day now"! Tolles Album und finde den Post echt passend!
Kommentar veröffentlichen