Freitag, 9. Dezember 2011

The Blood Of Heroes

In unseren schnelllebigen Zeiten fühlt es sich ja fast schon etwas gestrig an, in einem Blog Dezember ‘11 auf ein April 2010 veröffentlichtes Album hinzuweisen.
Da ich aber irgendwie den Eindruck habe, dass 1.) dieses Album allgemein wenig „stattgefunden“ hat, und dabei 2.) fast schon etwas wider Erwarten doch so toll ist, dass ich es in letzter Zeit fast täglich gehört habe, dachte ich mir halt gerade, vielleicht doch noch mal drauf hinzuweisen.


Der Hintergrund in Kurzfassung: THE BLOOD OF HEROES ist ein Projekt, bei dem Bill Laswell (Bassgott, Experimentalmusiklegende, Produzent und Studiotüftler quer durch den avantgarde- und populärmusikalischen Gemüsegarten), und der hier „nur“ Gitarre spielende Justin Broadrick (neben zig anderen Bands und Projekten natürlich vor allem durch Godflesh und Jesu, sowie seinem Mitwirken auf dem '87er Napalm Death-Debüt bekannt) mit Produzenten elektronischer Musik kooperieren (Enduser, Submerged, M. Gregor Filip), und neben gelegentlichen Live-Drummern bei einigen Stücken auch noch Rapper Dr. Israel dabeihaben.

Und das wirklich gelungene und angenehme an diesem Album ist, dass es - bis auf einige auffällige Akzente (die gottseidank nicht durchgängig vorhandenen Rap-Parts; hier und da ist die Gitarre dann auch schon mal heavyer, oder die Drum-Sounds etwas knalliger) - insgesamt sehr „unaufdringlich“ ist. Bei so einer Crossover-Kollaboration kann man in der Natur der Sache schnell viel falsch machen. Hier wird einem allerdings weder betont dubstepig „Zeitgeist!“ ins Gesicht geschrien (an dieser Stelle ein Gruß an KoRn), noch erliegen TBOH der Gefahr, zu sehr an damals ja teilweise schon mitunter etwas alberne Kirmestechno-Rocker, BigBeat-Punker und Electro-Metaller der Marke Think About Mutation, Pitchshifter, Cubante, ATR, oder Eskimos & Egypt zu erinnern (und dabei muss ich mir durchaus den Stiefel anziehen, Mitte/Ende der 90er tatsächlich auf sowas mit abgefahren zu sein).
Wenn überhaupt, erinnern mich TBOH oft am ehesten – vom allgemeinen Vibe wohlgemerkt, nicht unbedingt tatsächlich signifikant von Sound/Stil - an die holländischen Kong. Was eine tendenziell eher gute Sache ist.


Oft driftet das Ganze nämlich mit eher sphärischen Gitarreneinsätzen sehr ins schon (wenn man so will) regelrecht postrockigere, wenn ein gewisser Godflesh/Jesu-Vibe dann nicht doch gerade mal durchblitzt (z.B. beim etwas melancholisch anmutendem 'Remain').

Der Produktion merkt man außerdem an, dass hier richtige Könner am Werk waren, die nicht einfach nur aus einer Bierlaune heraus Drum'n'Bass-Rhythmen und Gitarrenparts aneinandergeklatscht haben. Das selbstbetitelte THE BLOOD OF HEROES-Debüt ist einer dieser seltenen Fälle, wo mal nicht zu viele Starköche den Brei verdorben haben, sondern wo zusammenarbeitende Spezialisten ihre jeweiligen Dinger unter Projektleiter Laswell zu etwas mit Hand und Fuß vereint haben.

Schönes Teil!
Unter dem Titel "Remain" gibt es außerdem bereits ein Remix-Album dazu, bei dem neben den hier eh schon beteiligten Künstlern u.a. auch Dälek mitmacht.