Montag, 7. November 2011

Reviewresterampe

Zuletzt dann auch noch mal gehört – ein okayes, ein sehr geiles und interessantes, und ein verzichtbares Album:

DEAFHEAVEN – „Raods To Judah“
Geboten wird „Post-Black Metal“ in vier längeren Tracks. Postrock- und Shoegaze-Ansätze, Blastbeats und Geschrei, spannend episch arrangiert. Von Musikern, die eher nach Screamocore-Schule aussehen, als sich Nietenarmbänder umzuschnallen und nicht mehr zum Frisör zu gehen.
Unterm Strich eine solide Platte, die man sich bei genereller Affinität zu sowas wirklich ganz gut reinfahren kann, aber leider eben auch nix, was WITTR oder Altar of Plagues nicht schon in wesentlich spektakulärer gemacht hätten. Und auch, wenn im Understatement ein gewisser Reiz liegt (der meiner Beobachtung nach gerade bei mehr zu „Indie“ und Hardcore- als Metal-Spielarten neigenden Zeitgenossen gut ankommt), mag ich ein bisschen mehr Spektakel bei sowas dann eben doch schon mal ganz gerne …

HEINALI AND MATT FINNEY – „Ain’t No Light“
Heinali und Matt Finney haben sowohl jeweils solo, als auch im Doppelpack schon das eine oder andere veröffentlicht. Ihr im August veröffentlichtes „Ain’t No Light“ wird dabei gerade als kleine Underground-Sensation gefeiert. Und ich verstehe, warum.
Das eigentlich schon etwas ungleiche Duo, bestehend aus einem ukrainischen Experimentalmusiker und einem amerikanischem „Spoken Word Artist“, hat hier etwas abgeliefert, das irgendwie nach Momentaufnahme klingt, allerdings nach einem „zur richtigen Zeit am richtigen Ort alles richtig gemacht“-Moment. Die generelle Grundlage des Sounds erinnert mit stampfendem Drumcomputer und kühler Dronedoom-Gitarre ziemlich an Nadja, mit Piano-Einlagen und etwas rockigen und bluesigen Zusätzen bis hin zum Akustikgitarrenpart, kommt bei mir persönlich dann ja irgendwie noch die Assoziation Nine Inch Nails (vor allem Kram wie „Ghosts I-IV“) hinzu. Akzentuiert gibt es introvertiert gesprochene Lyrik obendrauf.
Und in dieser Mischung passt hier einfach alles. Wenn diese halbe Stunde surrealen Ambient-Dooms durchgelaufen ist, drücke ich jedenfalls gerne sofort noch mal Repeat …
Verweise:
Bandcamp-Link
: heinaliandmattfinney.bandcamp.com

Label-Link: paradigms-recordings.com

SEED OF PAIN – „Red Suns“
Es mag etwas bizarr klingen, aber ich würde SEED OF PAIN wirklich supergerne total großartig finden, tue es allerdings leider nicht. Ihr nicht nur durch die Unterstützung von E-Percussion, Keys und Konservensounds, sondern auch gelegentliche Stampfrhythmik-Monotonie etwas Industrial-angehaucht und Swans-beeinflusst wirkender Post-Hardcore/ -Metal klingt 1:1 nach Musik, die ich selbst mal gemacht haben könnte. Leider gibt es da aber zwei Probleme: 1.) Der Shouter klingt furchtbar. 2.) So sehr mir diese Mixtur aus dunkel-atmosphärischen Passagen (/Songs) mit ein paar Rauschlärm- und Computerdrums-Zusätzen und Ausbrüchen brachialen Gitarrengewitters und Gebrülls eigentlich liegt, sind die Schweizer dabei keine wirklich guten Songwriter. Ins eine Ohr rein, aus dem anderen raus. Diese Scheibe spricht wirklich gar nicht zu mir, obwohl sie mich an der Oberfläche zunächst anzuziehen schien. Wie die meisten Frauen halt. Scherz. Trotzdem schade.