Okay, da hätten wir dann doch noch mal eine gerne ausführlich besprochene Scheibe von kürzlich.Erst mal die Oberchecker-Einleitung: Auch wenn Celeste eher in Hard-/Screamo-/Sludgecore-Gefilden wurzeln mögen, der Shoegaze-Sound von Alcest schon längst mehr in Richtung Dreampop als zum Metal zu (pun intended:) neigen scheint, und Deathspell Omega ein ganz eigenes Kaliber für sich sind –mit BLUT AUS NORD zusammengezählt könnte man hier, aus musikjournalistischem Übereifer der alten Schule, durchaus von einer wahren Welle französischen Post- und Prog-Black Metals sprechen.
Allerdings bin ich persönlich weder ein großer DsO-Fan, noch kann ich allzu viel mit Alcest anfangen, und für die auf monotone Weise brachialst austeilende Klanggewalt, mit der Celeste ihren Hörer atemlos in die Knie zwingen, muss ich auch Tagesform-abhängig in der richtigen Stimmung und Aufnahmefähigkeit sein.
BLUT AUS NORD allerdings gehen bei mir im Zweifelsfall irgendwie immer. Und das, obwohl die Band, beim Namen angefangen, ja eigentlich auch einiges an Angriffsfläche bietet.
Z.B. weil man ihren Veröffentlichungen den Heimstudio-Faktor dann ja doch irgendwie anhören kann (was in diesem Genre aber wohl vielleicht auch nicht zwangsläufig ein Defizit sein muss).
Und die neuerliche Vielveröffentlichungspolitik ist ebenfalls so eine Sache, die ihnen bei gehaltenem Kurs schon bald um die Ohren fliegen könnte ...
Aber, ...wie gesagt: Ich mag BLUT AUS NORD. Ihr grundsätzlicher "Stamm-Stil", auf den es sich zuletzt so eingependelt hat, fusioniert eine surrealistische Atmosphäre a la Velvet Cacoon mit industrialmetallischem Gestampfe direkt aus der Godflesh-Schule, und lässt mit immer wieder mal herrlich schräger Gitarrenarbeit die obligatorische Voivod-Referenz aufblitzen. Um diesen Kern scheuen sie weder Ausflüge bis an die Grenze atonaler Nichtmusik, können aber ebenso auch schon mal inkl. großem Gitarrensolo richtig konventionell und harmonisch klingen.
Dabei rücken sie ihre traditonelleren Black Metal-Wurzeln gelegentlich auch schon mal wieder in den Fokus, um wannandermal dann wiederum völlig in sowas wie Trip Hop-Regionen abzudriften.
Und so bescheuert sich das alles für rationale Rockpuristen auf dem Papier (bzw. Monitor oder Display) lesen mag, so gut funktioniert dieser Quatsch für nerdige Anhänger skurriler Düstermusik wie mich. Dieses dunkle, kalte, pseudo-schaurige, manchmal auch verdrogt-neblig anmutende Feeling des Ganzen ist ein Musik gewordener SciFi-Horror-Thriller (B-Movie). Partyrocker, Popsongfreunde und Moshpit-Fighter sind hier im falschen Film gelandet, wer es aber gerne mal ein bisschen seltsam und etwas Entgegenkommen fordernd mag, ist richtig.
"777 - The Desanctification", Teil zwei einer Trilogie, die mit dem Vorgänger "777 Sect(s)" begann, erzählt dabei nach wie vor erst mal nichts neues mehr, besinnt sich aber gelungen auf die Signature-Stärken des mysteriösen Projekts. Dazu gehören dann auch schon mal Lead-Gitarren mit überraschend zugänglicher, schon regelrecht schöner Melodieführung, die sich aus dem bizarr-atmosphärischem Düsterbrei hervorheben, oder treibende Computer-Beats, die (manchmal schon regelrecht Hip Hop-artig!) auch gerne mal wie welche klingen, anstatt nur einen Metal-Schlagzeuger imitieren zu wollen.
Ich habe es an anderer Stelle schon mal gesagt: Wie man auf diese Band als „Avantgarde“-Kiste in 10 Jahren mal zurückblicken wird, ist vermutlich so eine Sache für sich (vgl. Samael u.ä.). Aber dann bin ich eh schon so alt, dass mich das nicht mehr interessiert. Hier und heute gefällt mir dieser krude Hybrid aus Kopfnickerrhythmen und Lärmgitarren, aus Musik und eigenwilliger Finster-Klangwelt, jedenfalls irgendwie ziemlich gut.
Super Album für Winterabende!

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