Montag, 31. Oktober 2011

Konzertwochenendenbestandsaufnahme

Was für ein seltsames, fast frustrierendes, am Ende aber doch etwas versöhnliches Wochenende.
Freitags wollte ich eigentlich ins Dortmunder Schauspielhaus, wo im Rahmen von Paul Wallfisch’s Musiksalon „Small Beast“, dem ich einst schon in Manhattan beiwohnte, die Enablers und Insect Ark spielten (zweiteres ein neues Soloprojekt von Dana Schechter, bekannt durch Bee & Flower und Angels of Light). Allerdings gibt es bei dieser gerne ausverkauften Eventreihe per se keine Abendkasse und ich verpeilte es, mir noch im Vorfeld eine Zugangsberechtigung zu verschaffen.
Letzteres versäumte ich auch beim Samstag stattfindendem Melvins-Konzert in Köln, das schon Wochen vorher (!) ausverkauft war. Verrückt.

Freitag dann also als Ausweichplan in einer Bank der Bochumer Christuskirche beim „Denovali Label Evening“ chillen. Was langsam ein regelmäßiges Ritual wird, aber mir soll’s recht sein. Das eröffnende Duo SANKT OTTEN gefällt mit gehörig krautrockigen Vibes (Neu!, Tangerine Deam) und einem E-Schlagzeug, das immer wieder mal auch tatsächlich elektronisch klang. Am besten gefiel mir eigentlich sogar die Nummer, die mit Piano (anstatt Gitarrengedrone) und Bollerbeat was triphopiges hatte. Allerdings war man sich nie so sicher, wieviel dabei dann noch zusätzlich aus der Konserve kommen mag …
Der Headliner BLUENECK ist eine Band vom Schlage wie Her Name Is Calla: Ihr Postrock ist kein instrumentales Orchestralarrangement, sondern eher herbstlich-melancholische, emotionale, alternative Pop/Rockmusik mit tiefer Atmosphäre, dichter instrumentaler Umsetzung und gelegentlichen Ausbrüchen ins lautere. Die Truppe aus Bristol in der stilistischen Gegend von Mogwai und Sigur Rós zu sehen ist bestimmt nicht gänzlich falsch, aber ich meine das an dieser Stelle auch mal eher positiv, wenn ich sage, dass das hier durchaus einen etwas konventionellerem Anker hat, der sich auch bei Muttern festsetzen könnte. Gute Band. Fanden auch die zwei, die im Kirchengang rumzappelten, als wären sie auf irgendwas drauf.

Postrockig gings ins Wochenende rein, postrockig gings aus dem Wochenende wieder raus. Das „VISIONS WESTEND“ Indoor-Festival bot mir persönlich dieses Jahr ja nicht so viel. Die in diesem Leben schon gefühlt hundert mal gesehenen Sick Of It All sind für mich ja so ein schon etwas zu abgelutschter Drops und Therapy? brauche ich mit dieser „wir spielen für ein mal im Jahr vor die Tür gehende Nostalgiker noch mal unser über 15 Jahre altes Hitalbum“-Nummer auch nicht unbedingt.
Sonntags allerdings standen MOGWAI an, die ich mir bei der Gelegenheit dann mal geben wollte. Als erste Vorturner durften die leichten Lokalheldenbonus habenden LONG DISTANCE CALLING ran, die nach wie vor den Grenzgang zwischen Soundtrack-haften Instrumentalkompositionen und Rock’n’Roll-Show ganz gut hinbekommen. Aber Leute, dieses Gehabe, als Instrumentalband zwischen jedem Song mit irgendwelchem „Ey, danke, voll geil, Dortmund! Der nächste Song…“-Gesabbel die Fresse aufmachen zu müssen ist total unpassend.
Wie Ansagen gehen, das zeigten danach mal wieder BOHREN & DER CLUB OF GORE. Denn ich lag zwei mal auf dem Boden. Ansonsten funktioniert das Ganze mit stockdunkler Bühne in einer Riesenhalle natürlich nicht soooo gut, nett anzuhören war es aber dennoch.
MOGWAI? Ja, interessant. Die Briten sind ja irgendwie ihr ganz eigenes Genre. Krude und beeindruckend. Kann man mal machen, auch wenn ich es fast schon etwas befremdlich finde, solche Musik auf einer so großen Bühne zu sehen. Manchmal siegt das Gute wohl dennoch.

Allerdings: In was für frechen Regionen sind die Getränkepreissteigerungen im FZW denn eigentlich inzwischen angekommen?