„Im Underground“, „unter Hipstern“, „bei interessierten Musiknerds mit Ohr am Zeitgeistpuls“ … sucht Euch irgendwas aus … ist „Beyond The Lightless Sky“ das dieses Jahr am meisten erwartete Metal-Album. Von einer Band, die mit ziemlicher Sicherheit schon bald an Bekanntheit zunehmen wird. Dass neben mir (zwinker!) auch Pitchfork schon HULL aufgegriffen hat, spricht zu diesem Umstand Bände (siehe Liturgy).
War „Sole Lord“ noch sowas wie ein okayes Doom Metal-Album mit Prog-Kante und eher relaxtem Vibe gewesen, legte die 1-Song-EP „Viking Funeral“ die Messlatte mit einer einzigen, Sludgecore-Abgehereien und Stoner-Jammereien kombinierenden, epischen Rohkost-Komposition ganz schön hoch.
Und während der Name der Brooklyner Combo derweil im Netz bereits hier und da so aufzublitzen scheint, dass man reflexartig fast bereits von Hype sprechen möchte, gilt es nun natürlich erst mal zu sezieren, ob das entsprechende Album tatsächlich mit den hohen Erwartungen mithält.
„Beyond The Lightless Sky“ kann jedenfalls den Eindruck erwecken, dass hier eine (gehörig und hörbar!) noch im Sturm und Drang befindliche Band vielleicht etwas zu viel auf ein mal will. HULL erschlagen und überrollen einen mit einem Dauerfeuer aus verschiedensten Stilversatzstücken, gleich drei Gitarren und mehreren Gesangs- bzw. Brüllstimmen.
HULL klingen chaotisch und rabiat, scheinen sich gelegentlich dann aber vor der nächsten Attacke doch immer wieder mal strategisch zu sortieren. Passagen mit dickeirigen Riffs bei mordsmäßigem Groove? Check. Blastbeats? Check. Hardcoreiges Rumpelgebretter? Check. Sowas wie Postrock- oder Stoner-Anleihen? Auch, check. Raues Gebrüll hier, Gesang dort, ferner Brüllgesang? Hm ja, auch, check. Dabei pendelt das Album dann auch noch zwischen ungestümen Freistil-Durchstartern und ein paar homogen-atmosphärischen Nummern mit Zwischenspiel-Charakter. Man kommt hier gar nicht mehr so schnell mit, wie diese Band zeitgenössische wie zeitlose Stilmittel in ihrem eigensinnig umgesetzten Next Generation (Sludge/ Prog) Metal verwurstet, der Vergleiche zu anderen "hippen" Bands zwar manchmal anbietet (Baroness, Mastodon), dann aber auch genau so schnell schon mal wieder zurückzieht.
Hinter den Erwartungen des erhofften „Album des Jahres“-Oberknaller-Kandidaten bleibt diese Scheibe, der man vorm wirklich erfasst haben definitiv erst mal ein paar geduldige Höranläufe gönnen muss, trotz gewaltigen Grower-Qualitäten wohl doch etwas zurück. „Viking Funeral“ war dagegen irgendwie ein offensichtlicherer Instant Classic.
In der etwas orientierungslosen, Spontanität versprühenden, gelegentlich überstürzt nach vorne stolpernden musikalischen Inszenierung liegt allerdings zweifelsohne auch ein authentischer Charme jugendlich-energischen Leichtsinns, den ich persönlich, in meinem letzten Aufbäumen vorm Ruhestand, ja doch wesentlich ansprechender finde, als etwa den spielerisch und produktionstechnisch unnahbar aalglatten Perfektionismus vieler Altherren-Progrocker, oder die bequem-generische "Good Clean Family Entertainment"-Routine der meisten Donzdorf-Metalcombos. Und das alleine ist ja auch schon viel wert.
Und, wie gesagt: Ziemlicher Grower.
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