Montag, 31. Oktober 2011

Fuck The Facts – Album und EP

Passend zum Kamikaze-Bandnamen waren FUCK THE FACTS ursprünglich mal ein Spaßprojekt mit Anal Cunt-mäßigem Ulk-Noisecore, Einschüben von Freistil-Crossover und albernen Selbstkategorisierungen der Marke „Mulletcore“.

Erst mit „Stigmata High-Five“, eigenwilliger Death’n‘Grind mit Mathcore-Tendenzen, tauchte die Band 2006 wirklich auf der Landkarte ernstzunehmender Extrem-Metal-Highlights auf, und legte 2008 (Veteranen verstehen den Gag:) „Disgorge Mexico“ nach, das sich mit etwas mehr Melodie im Spiel noch ein Stück weiter in Richtung Metal orientierte. In der Zwischenzeit erschienen außerdem ein paar selbstveröffentlichte EPs und eine Live-DVD, die ich allesamt immer noch nicht besitze oder kenne (eigentlich ganz schön bigott, diese „DIY-Ethik“ erst mal nur in der Theorie zu unterstützen …), und nun mit „Die Miserable“ auch der dritte Longplayer via Relapse Records, kurioserweise parallel zur dritten EP im Eigenvertrieb namens „Misery“.

Warum man das Material nicht zu einem Release zusammengefasst hat, anstatt gleichzeitig ein nur ca. 35minütiges Album und eine nicht mal zwanzigminütige EP getrennt voneinander vorzulegen – nun, das scheint auf den ersten Blick etwas seltsam zu sein, macht aber beim Hinhören tatsächlich Sinn.



„Die Miserable“ repräsentiert das, sofern man das für eine so bewegliche Band überhaupt feststellen kann und darf, was man anhand der beiden Vorgängerwerke typisch für FUCK THE FACTS finden möchte. Eine ziemlich komplizierte, hektische Wand aus Grindcore-Blastbeats, todesmetallischen Dampfwalzen-Parts, kurz mal zwischengestampften Deathcore-Gesten, und oft eher schrägerem Gitarrenspiel, aber akzentuiert auch schon mal ins total melodiöse driftende Leads und Soli. Obendrauf dann natürlich noch die Gröl- und Keif-Vocals von Fronterin Mel.

Die große Kunst von FTF besteht dabei dann ferner darin, dass ihre komplexen Extremsport-Songs immer wieder mal mit schon regelrecht popigen Momenten aufhorchen lassen, die den Unterhaltungswert enorm steigern, wie z.B. ein kurz fast schon Flamenco-artiges Break, oder ein poetisch anmutendes Song-/Albumende mit französischem Monolog.


Wenn man in diesem Feld generell eher Freund von den etwas eigensinnigeren Genrevertretern wie Pig Destoyer, Agoraphobic Nosebleed, Cephalic Carnage, Brutal Truth und Japanische Kampfhörspiele ist, dann hat man auch an einem Album wie „Die Miserable“, von einer nach wie vor viel zu wenig beachteten Band wie FUCK THE FACTS, einen Heidenspaß, denn das Teil bringt endlich mal wieder ein bisschen frischen Wind in diese zuletzt etwas angestaubte Prügelmusik-Ecke.


Was die auf der „Misery“ EP verbratenen Outtakes angeht, so ist hier meine persönliche Kaufempfehlung leider eher nicht so deutlich wie bei „Die Miserable“. Die mit diversen Gaststars (u.a. KEN mode's Jesse Matthewson und Elliot Desgagnes von Beneath the Massacre) angegangene Kiste zeigt FUCK THE FACTS von einer primär sehr straighten und stumpferen Seite, und auch die „musikalischeren“ Einschübe wirken ein bisschen wie „waren noch über und mussten auch mit raus“. Wer allerdings bei Filmen auf DVD auch immer noch die Deleted Scenes guckt, für den ist vielleicht auch diese kleine Extra-Ergänzung zum Longplayer interessant.

Aber selbst wenn nicht, zumindest „Die Miserable“ braucht man als jedweder Anhänger derberer (und cleverer) Metal- /Irgendwascore-Musik definitiv, während der simplere „Misery“-Kram was für die Komplettisten und generellen Grindcore-Freaks ist.

Bandcamp-Link mit diversen haptischen und digitalen Versionen beider Veröffentlichungen:
fuckthefacts.bandcamp.com

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